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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Fällen, zumal in den grösseren wirtschaftlichen Zentren, dem Müssiggang mit allen seinen Folgeerscheinungen Tür und Tor geöffnet. Mit Negieren allein ist es nicht getan. Die gewerbliche Ausnutzung muss vielmehr in erziehlich wirkende Beschäftigung umgewandelt werden. Und dieses Positive wird dadurch geschahen, dass im Bereiche der öffentlichen Erziehungseinrichtungen dem Tätigkeitsdrange der Jugend auch näch der Seite der körperlichen Arbeit Gelegenheit zur Entfaltung geboten wird- Als gangbarster Weg nach diesem Ziele ist für die meisten Orte die Schaffung von Schülerwerkstätten im Rahmen der Schulezu bezeichnen."3) In aussei dentsehen Ländern, Frankreich, England, der Schweiz, den nordischen Staaten, sogar in Russland wird die manuelle Betätigung der Jugend in erziehlichem Sinne eifrig gepflegt. Ganz besonders gefördert wird sie in Nordamerika. Die während der Weltausstellung in St. Louis von amerikanischen Schulen vorgezeigten Arbeiten erregten die Bewunderung aller Besucher. Der von der deutschen Regierung dahin entsandte Direktor des Leipziger Seminars, Dr. A. Pabst, konstatierte, dass wir Deutsche auch in dieser Hinsicht von den praktischen Amerikanern manches lernen können.4) Ist man im grossen und ganzen einig darüber, dass die Handgeschicklichkeit der Knaben zu pflegen sei, so gehen . über das „Wie" die Meinungen auseinander. Auf der einen Seite fordert man: der Handarbeitsunterricht ist eine Disziplin für sich r und gehört nur in die Schülerwerkstätte. Es müssen ihm separate Unterrichtsstunden zugewiesen werden. Anderseits wird geltend gemacht, die Ausbildung der Handgeschicklichkeit sei, gerade wie die Anschauung, ein pädagogisches Prinzip und jede sich bietende Gelegenheit es zu pflegen, dürfe nicht ausser acht gelassen werden. Der Unterricht in der Heimatkunde, im Zeichnen, in Geometrie und Physik biete Anknüpfungspunkte in v Menge, die gestatten, die theoretischen Erkenntnisse körperlich darzustellen. ') Die Schüler der obersten Klassen sollten imstande sein, sich die einfachsten physikalischen Apparate selbst anzufertigen, mit deren Hille sie durch das eigene Experiment die wichtigsten Naturerscheinungen darstellen, und «jesetzmässig erfassen mögen. Nach diesen Gesichtspunkten hat der frühere Leiter der Wormser Volksschulen, der bekannte Schulinspektor Scherer, einen sogenannten „Werkunterricht* in Worms obligatorisch eingerichtet. Hier ist die Handfertigkeit mit den anderen Unterrichtsfächern organisch verbunden. In der Unterstufe lehnt er sich an den Sachunterricht an. Im Anschlüsse an den Anschauungsunterricht werden einfache Gegenstände aus Erbsen, Stäbchen und Ton dargestellt. Im dritten und vierten Schuljahre werden Gegenstände des Sachunterrichts (Flüchte, Tiere und Pflanzenteile) in Ton geformt. „Neben der Bildung von Auge und Hand und der Gewinnung klarer Anschauungen und deren Verbindung zu Urteilen und Schlüssen soll hier 3I Sickinger a. a. O. ■*) Vergl. dessen Berichte, veröffentlicht "in dert .Blätter für Knabenhandarbeit" und in .Die deutsche Schule."4 *) Vergl. Zeissig „Der Dreibund von Formenkunde, Zeichnen und HandfcrtigkeiUunterricht. der Formensinn geweckt und gepflegt, und so der künstlerischen Phantasie Nahrung geboten werden." Im fünften und sechsten Schuljahre werden geometrische Formen und ihre Verwendung bei Gebrauchsgegenständen (Schachteln, K ästchen, Mappen) in Pappe dargestellt. Dadurch seil die klare Anschauung geometrischer Formen und anschauliches Denken erzielt werden. In den beiden Oberklassen endlich wird das Schnitzen geübt; in engster Verbindung mit ihm steht das Formen in Ton und das künstlerische Zeichneu. Neben Uebung von Auge und Hand soll hier besouders die künstlerische Bildung gepflegt werden. Blätter, Blüten, Früchte, Tiere u. s. w. einzeln, und in Verbindung zu einfachen Ornamenten werden geformt, . gezeichnet und geschnitzt.0) Die deutsche Lehrerschalt steht jedoch einer derartigen Verbindung von Handfertigkeit und Elementarunterricht nicht besonders wohlwollend gegenüber. . •, In der hiesigen Volksschule ist der Handarbeitsunterricht als Pflichtfach nur in der Hilfsschule eingeführt. Au ihm beteiligen sich Knaben und 'Mädchen. Für geistig nicht vollwertige Kinder ist gerade diese Beschäftigung von grosser erziehlicher Bedeutung. Der Schwachsinn dieser Kinder äussert sich hauptsächlich in mangelhafte!- Entwicklung' der Sinnesorgane, in Muskelschwäche und einem verschieden gearteten Mangel an, Lebensenergie. Durch solche physische Störungen leidet die> Entwicklung des Nervensystems und dessen Zentrale, das Gehirq. Die Hilfsschule betrachtet es darum als erste Aufgabe, dieses mangelhafte Funktionieren der Organe dieser Kinder soviel als möglich zu beseitigen. Diese Heilbehandlung sucht zunächst Einfluss auf die k- liehe Ausbildung zu gewinnen. Denn nur durch körperliche Tätigkeit können die Voraussetzungen geschaffen werden, die für die geistige Entwicklung notwendig sind. Die psychischen Inhalte, die durch die Tätigkeit der körperlichen Organe gewonnen werden, sind für das Geistesleben unentbehrlich. Die Uebung des Körpers, die sich zunächst auf die gröberen Muskelbewegungen ausdehnen, führen nach und nach zur Ausbildung der feineren Bewegungen, die vou der Hand auszuführen sind. Und gerade die Uebung der Hand ist besonders wichtig. Erst durch die tastende Hand, die die Bewegungen des Auges unterstützt,, wird die Auflassung von F|| hen und Körpern ermöglicht. . Die-Beseitigung körperlicher Hemmungen kann neben Spiel und Turnen nur durch Handa >eit geschehen7). Die Hilfsschule hat darum die Beschäftigungen, die Fröbel für seinen Kindergarten ersonnen, ihrem Unten i :nte eingegliedert. Diese Uebungen der Hand schreiten stufenweise fort, sodass in der obersten Klasse bereits der künftige J>< nf der ärmsten unsrer Kinder vorbereitet wird. Damit erfüllt die Hilfsschule eine soziale Aufgabe, indem sie ihre Zög ige in die Lage setzt, sich späterhin eine unabhängige, wett» ' ) Vergl. „Erziehliche Knabenliatjilaibeil." Denkschrift I« gegeben vom 1). V. f. Knabonlianilarbeit ans Anlasdes XVI. i sehen Kongresse« für erziehliche -Knäheuhamlarbeit mi Wen n. .'' I . ferner Scherer *Deij Werkunterricht nach seiner sbtiologischen im 1 physiologisch -pädagogischen Begründung.", •)' Vergl. l'abst, A. Die Knabenhäirdai beit in der heutig' Gr« ■ ■ - ' ■ r 1. Ziehung. Balliet,'l'h. Der erziehliche Wert des Handfertigkeit- .!« >- richts. J-'.nderhn, M. Erziehung durch Arbeit. Seidel. B. Die H o arbeit, der Grund- und Eckstein harmonischer Bildung und Erzie I) ,.

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