Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 134 — Stationierung standesgemäß und fürsorglich untergebracht und darf auf besten Familien verkehr rechnen; 3. unsere Schwestern dürfen sich auf Lebenszeit als versorgt betrachten; sie beziehen bei vollständig freier Station ein festes Jahresgehalt und im Falle der Arbeitsunfähigkeit ein auskömmliches Ruhegehalt, während sie in Krankheitsfällen sorgfältige und unentgeltliche Verpflegung geniessen; 4. unsere Schwestern haben jedes Jahr Anspruch auf 4 Wochen Urlaub; 5. die Aasbildung unserer Schwestern erfolgt kostenfrei in unserem Berliner Mutterhause; auch die Kosten der vor dem Eintritt etwa erforderlichen Reisen werden von uns bestritten; 6. aufgenommen wird jede unbescholtene, gesunde und gebildete Jüdin im Alter von etwa 20 — 30 Jahren. -Aber noch unendlich höher als die soziale Seite veranschlagen wir die ethische Bedeutung dieses Werkes! Seit alters her galt uns Juden die Krankenpflege ohne Ansehen der Person, des Standes oder religiösen Bekenntnisses als eine der vornehmsten Liebestaten, und wir erweisen uns der Väter nur würdig, wenn wir sie wieder in Uebung bringen. Leihen Sie uns darin Ihren Beistand! Weisen Sie in Ihrer Familie, in Ihrem Freundes? und Bekanntenkreise immer wieder auf diesen schönen Frauenberuf hin, ebenso auf die Erleichterungen und Vorteile, die wir bieten, und veranlassen Sie die Damen, die sich ihm widmen wollen, sich zu melden, und gern wird jede weitere Auskunft erteilt werden. Es war nötig geworden, sich über die Vorkommnisse, deren Vermeidung und noch andere einschlägige Materien auszusprechen und geeignete Massnahmen zu beraten. Das ist am 24. November in einer Vorstandssitzung, die zahlreich besucht war, geschehen. - Ausser unseren Anträgen (von der Grossloge) wurden noch viele andere Gegenstände behandelt. Das Ergebnis war ein günstiges, der Grundzug aller Ausführungen war auf die Einheitlichkeit des Schwesternwesens gerichtet. Es wurden Normativbestimmungen für Ausbildung, Honorierung und Pensionierung festgelegt. Wenn sie auch für alle Vereine des Verbandes bindende Geltung haben sollen, ist doch jedem Verein viel Raum zur individuellen Betätigung geblieben. Die Lehrzeit soll auf IV2 Jahre bemessen werden, das Anfangshonorar soll 360 M. jährlich betragen mit jährlicher Steigung um 30 Mr bis zum Höchstgehalte von 600 M. Die Pensionsverhältnisse sind geregelt sowohl in Rücksicht auf Beginn der Pensionsberechtigung, die gleich beim Eintritt der Schwester in den Verband gültig wird, als auch in Bezug auf die verschiedenen Formen und Grade der Invalidität, sowie auch in Bezug auf Ruhegehalt und Dienstzeit zur Erlangung desselben. Wiehtig ist auch der einmütige Beschluss, dass die Vereine die Verpflichtung übernehmen, die Schwestern nach erfolgter Ausbildung der staatliehen Prüfung zu unterwerfen. Die oben angeführten Gründe wurden von allen Mitgliedern des Vorstandes gebilligt. Von einer Kündigungsfrist und einer Konventionalstrafe bei kontraktbrüchigen Schwestern hat man abgesehen, weil sie wirkungslos sind und nur zu einer Kette von Verdrießlichkeiten führen würden. Ebenso ist eine Kaution der Schwestern nicht beliebt worden, weil auch diese gegen Fahnenflucht nicht schützt; Vereine, welche bisher Kaution fordet ten, haben sie abgeschafft. Alle diese Anträge harren noch der Bestätigung durch die Delegierten-Versammlung, welche in der ersten Hälfte des März nächsten Jahres einberufen werden wird. In dieser soll auch die anderweitige Organisation geregelt werden. Es soll für 4 Jahre ein ständiger Vorort ernannt werden, der die Geschäfte des Verbandes führen wird. Als solcher wird Berlin vorgeschlagen werden. Das ist in kurzem das Ergebnis der Verhandlungen. Erfreulich fdr unseren Ausschuss ist, dass der Breslauer Verein gewillt ist, Schwestern für uns auszubilden. Die Verhandlungen werden hoffentlich bald zum befriedigenden Abschluss gelangen. Aus dem Bureau der Grossloge. Für die Rednerliste ist folgendes nach zutragen: Dr. D. Braunschweiger in Kattowitz O.-S. Süsskind von Trimberg, ein jüdischer Minnesänger. Jehada Halevi, als Dichter der Welt und der Religion. Der Satyriker Moses Ephraim Kuh, der erste jüdische Br. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. mit Lichtbildern. Dichter in hochdeutscher Sprache. Schopenhauer und das Judentum. Jüdische Frauencharaktere in modernen Dramen. Leben und Wirken Raffaels | Michelangelo I Ludwig Richter, der Maler deutschen Volks- und Kinderlebens (mit Lichtbildern). Liovando da Vinzi, Tizian, Corregio (mit Lichtbildern). Honorar nach Uebereinkunft. Moritz Margulies in Kattowitz 0.-8. Die Judenverfolgungen in der alten und neuen Zeit. Der Messiasglanbe und falsche Messiasse (2 Vorträge). Richard Wagner und das Judentum (2 Vorträge). Honorarfrei. Der Verein für Arbeitsnachweis und Stellenvermittelung, der von den Berliner Logen begründet wurde und von Mitgliedern der hiesigen drei Logen geleitet wird, hat auch in den relativ ungünstigen Monaten August bis November eine grosse Anzahl von Bewerbern aus den verschiedensten Berufszweigen in geeignete Stellen gebracht. Indessen scheint es weiteren Kreisen unserer Brüderschaft immer noch nicht bekannt zu sein, dass sich die für beide Teile kostenlose Stellenvermittelung auf sämtliche Berufsarten und auch auf weibliche Arbeitskräfte erstreckt; Br. i 2.