Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 126 — Freilieh stellen die grossen Städte and Industriezentren das grösste Kontingent zu den Uebertretern von Moral und Recht, aber auch die kleinen Städte gehen nicht frei aus. Darum erhebe ich immer wieder die Forderung, in allen kleinen Städten, wo Logen nicht existieren können, ehrbare Männer für unsern Orden anzuwerben, in weit grösserem Umfange, als es bis jetzt geschehen. Sie sollen die Stützpunkte auch für die erzieherische Tätigkeit bilden. — Auch die kleinen Leute im niederen Handelsstande liefern ihren Beitrag zur Kriminalistik. Hier kann die Toynbee-Halle Erspriessliches leisten. Auch hier sollten Vorträge aus dem ethischen Gebiete oft gehalten werden. Eine ethische Belehrung würde viel Gutes stiften. Man soll sie lehren, auch ihrerseits das Leben von einer höheren Seite zu erfassen, sie emporheben zur wirklichen Ebenbildscbaft Gottes. Wenn wir dazu beitragen, dass alle Menschen, klein oder gross, arm oder reich, niedrig oder hoch, erfasst haben werden, welch eine ungeheure Erhöhung unseres ganzen Daseins durch sittliche Auffassung und Führung des Lebens eintreten muss, dann werden wir in des Wortes tiefster und heiligster Bedeutung unsere Mission erfüllen, eine freie, glückliche Menschheit erzogen zu haben. Dr. Maretzki. 109. Sitzung des General*Komitees der Grossloge f Gr Deutschland VIII II. 0. B. B. Berlin, den 10. November 1907, in den Logenräumen hierselbst. Der Grosspräsident Br. Timendorfer eröffnet die Sitzung um 12 Uhr mit herzlicher Begrassang and mit Dankesworten an die Mitglieder des General-Komitees für ihre Teilnahme an der vorangegangenen Gedächtnisfeier für Br. Adolph Mayer. Dieser Akt der Pietät and Liebe habe auf die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen sehr wohltuend gewirkt. Für die nächste Sitzung der Grossloge wird der 22. Februar 1008 vorgeschlagen, nach kuizer Debatte jedoch beschlossen, diese Sitzung eist am 22 Mäiz 190S abzuhalten. Die Einladungen hierzu sollen bald eig-heu. damit die Logen sowohl die Repräsentantenwahlen, als auch et*i.ige Auträge für die Glossloge rechtzeitig voibe;eiten können. Ueber idie Satzungen des Vereins „toselitische Erziehungsanstalt für geistig zaruekgebliebeie Kiuder in Beelitz1' referiert Br. Joachim. Dieselben seien von einer gemischten Kommission.bestehend aus Mitgliedern des« Deutsch-Israelitischen Gemeindebandes and der Grassloge, ausgearbeitet uud beraten worden. Zar genaueren Durchsicht uud Prüfung gingen nochmals die Statuten an den Ausschuss des D. I. G. B. und an die Grossloge, damit die beiden Gründungskörperschaften noch etwaige Wünsche zu äussern in der Lage seien. Referent beleuchtet den Wortlaut einiger Paragraphen and empfiehlt die Annahme der Satzangen. Nach einer Aassprache, an der sich die BBr. Timendorfer, Ludwig Cahen, Kempner, Ginsberg and der Referent beteiligen, werden die Statuten mit einem von Br. Timendorferj zum § 6 vorgeschlagenen Amendement angenommen. Diesem Paragraphen wird sonach hinzugefügt werden: „Der Vorsitzende und dessen Stellvertreter sind aus den Ausschassmitgliedern zu erwählen, die von den anter a) and b) im § 5 bezeichneten Körperschaften ernannt werden. — Ist der Vorsitzende ein Vertreter des D. I. G. B., so muss der Stellvertreter des Vorsitzenden ein Vertreter der Grossloge für Deutschland "Vfln U. O. B. B. sein, oder umgekehrt." Es folgt hierauf das Referat des Br. Finkel über die Errichtung einer Bibliothek bei der Grossloge; dem Referate, das auszugsweise in einem der nächsten Monatsberichte zum Abdruck gelangen soll, stimmt die Versammlung insoweit zu, als notwendige Bücheranschaffungen gemacht werden sollen, and bewilligt 300 Mk. für diesen Zweck. Die Bibliothek soll klein beginnen and allmählich vergrössert werden. Br. Finkel wird beauftragt, dem geschäftsführenden Ausschasse Vorschläge zur Anschaffung zu machen. Ueber unsere Sammlangen für Rumänien berichtet Br. Wulff. Er schildert eingehend die Beweggründe, die s. Z. die Grossloge veranlasst haben, sich mit einem Aufruf an die Logen zu wenden. Zufolge dieses Aufrufes seien Spenden von Mk. 13 210,70 bei der Grossloge eingegangen, wovon bisher entsprechend den Verhandlungen des General-Komitees Mk. 10 000 an die Grossloge für Rumänien abgeführt worden seien. Da eine weitere Hilfeleistung, wie aus den Berichten aas Rumänien hervorgehe, gegenwärtig nicht nötig sei, so empfiehlt der Referent den Rest dieser Sammlungen in der Höhe von Mk. 3210,70 nicht nach Rumänien zu senden, sondern ihn für unvorhergesehene Fälle unter der Verwaltung der Grossloge zu belassen. Nach kurzer Debatte wird beschlossen, den genannten Betrag mit dem bei der Grossloge bereits bestehenden Russenfonds zu verbinden, der fortan zu Gunsten osteuropäischer Juden Verwendung finden soll. Sodann referiert an Stelle des durch Krankheit behinderten Br. Maretzki, Br. Joachim über die Erhebungen in Hessen. Das von der Gesellschaft für Statistik der Juden im Auftrage und auf Kosten der Grossloge zusammengestellte statistische Material über die Lage der Juden in Hessen Hege seit % Jahren zur Begutachtung bei einigen Brüdern süddeutscher Logen. Auf Drängen des geschättsfuhrenden Ausschusses, endlich einmal das Gutachten abzugeben, verlangten sie die Drucklegung des ganzen Materials; der Aasschuss aber wolle diesem Vei laugen nicht stattgeben, weil dies der GrossJoge grosse Kosten verursachen würde. Nach kurzer Aussprache, bei der die BBr. Wisloch und Liebhold ihre Wunsche äussern, dass auch die Frankfurt-, Friedrich- und Dalberg-Loge zur Begutachtung herangezogen würden, beschließt die Versammlang, den hessischen Logen za schreiben, dass das General-Komitee den Standpunkt des geschäftsführenden Ausschusses billigt. Den Haupt- und Mittelpunkt der Beratungen bildete der nachstehende Bericht des Reform-Komitees, der den Mitgliedern des General-Komitees gedruckt zugestellt worden war.