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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-12-01 · Nr. 10 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 10 - Dezember
Date
1907-12-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 125 — Jünglingsvereine für die Erhaltung des Judentums, und man kann mit Fug und Recht hinzufügen, für die Festigung von Sitte und Moral. Sie sind die empfänglichsten Pflanzstätten, wo die Begriffe der Ehre durch Beispiel und Lehre, wie sie unsere Mission fordert, in Fleisch und Blut übergehen sollen, das Ehrgefühl so gesteigert wird, dass es zur Richtschnur des' Lebens dient, in welcher Lage wir uns auch befinden mögen. Kein Stand darf behaupten, dass er einen besonderen Ehrbegriff habe, darf für sich eine eigene Ehrenhaftigkeit beanspruchen. Jeder Beruf bringt die Menschen sozial anders in Berührung, die verschiedenen. Formen des Verkehrs bedingen auch verschiedene Arten, wie die Ehrenhaftigkeit zum Ausdruck kommt. Der Ehrbegriff erfährt dadurch verschiedene Auslegungen, Anwendungen, aber das Grundprinzip ist dasselbe, bleibt sich immer gleich. Der Kaufmann, Arzt, Anwalt, Gelehrte, Beamte bleibt vor den Gesetzen der Ethik gleich. - Vorwiegend ist bei uns der Handelsstand vertreten. Fern sei es von mir, einen Makel im allgemeinen ihm anzuheften, ich weiss, dass ihn ebenso Tüchtigkeit wie Ehrenhaftigkeit auszeichnet, Aber unleugbar begegnen wir vielen hässlichen Auswüchsen. Da muss die sittliche Erziehung darauf gerichtet sein, diejenigen Charaktereigenschaften zu pflegen, die ein Gegengewicht, eine Ergänzung des beruflichen Strebens bilden. „Neben dem physischen und intellektuellen Element muss bei allem wirtschaftlichen Schaffen als drittes das sittliche Element vorhanden sein. Sittliche Eigenschaften sind vor allem: Pflichtgefühl, Treue, Ehrlichkeit sich selbst und Anderen gegenüber, Wahrhaftigkeit, Fleiss, Ausdauer, Gemeinsinn, Dankbarkeit, Zuverlässigkeit.* (Georg Obst, das Buch des Kaufmanns.) „Denn wer wollte leugnen, dass im einseitigen Erwerbsleben der Charakter des Einzelnen Einbusse erleidet, wenn nicht durch Erziehung und Belehrung und Einprägung von guten Gepflogenheiten den Betreffenden ein fester Halt geboten wird." (O. Bauer, der ehrbare Kaufmann.) — Nun wird man mir einwenden, dass eine Fülle von Gesetzen vorhanden ist, welche das sittliche Handeln bestimmen und umgrenzen, dass das sittlich Erlaubte durch Ge¬ Gesetze und Handelsbrauch festgelegt ist. Das ist ganz gewiss an sich richtig. Allein jedes Gesetz kann umgangen werden, und dann ahndet das Recht das Gröbere, das Sinnfällige, während das feinsinnige, zarte, diskrete, vornehme Tun kein juristisches Gesetz regeln kann. Fragen des Taktes und vornehmer Sinnesart kommen nicht vor das Tribunal des Richters. Es gilt darum neben der Pflege der Berufsarbeit auch das Interesse für ideale Ziele im Handelsstande zu Wecken. „Ks handelt sich darum, das Gesunde und Lebenzeugende des Handelsgeistes zu erhalten, sowie egoistische Ausschreitungen zu bannen durch eine höhere Moral sowie durch edlere Geschäftsgewohnheiten und Rechtsformen- (Schmoller). Da muss vor allem Zufriedenheit in die Seelen der Menschen einkehren, das Jagen und Hasten nach Reichtum und üppigem Wohlleben muss eingedämmt werden, Genügsamkeit und Bescheidenheit muss an ihre Stelle treten. Das muss alles in den Vorträgen über Ethik behandelt werden. Noch mehr, es müsste jeder auf den anderen einwirken, dass er so handelt und lebt, wie es Sitte und Moral vorschreiben. Wir sind zum Lehren wie zum Lernen berufen, und ohne unserer Würde zu vergeben, kann jeder von uns beides zugleich sein. Welche Mittel und Wege haben wir, um Einfluss und Einwirkung auszuüben? Unter uns Brüdern ist es leicht. So einer, erfährt, dass irgend jemand aus unserem Bruderkreise vom rechten Wege abweicht, sollen angesehene Brüier, die das Vertrauen AH" besitzen, einem solchen Bruder zu Gemüte führen, welche Verpflichtung er gegen die Gesamtheit hat. Eigentlich sollte sich jeder Bruder zu solchen Vorhaltungen berufen fühlen, jedenfalls sollten Brüder nicht schweigen, wenn sie Unangenehmes von einem Bruder hören, es dem Präs. oder einem anderen einflussreichen Bruder mitteilen.. Man soll sich nicht scheuen vor einer Aussprache, es ist heilige Pflicht jedes Bruders zu sprechen, selbst wenn es ihm schwer wird, und ihm Verdriesslichkeiten entstehen sollten. Die Rücksicht auf die Integrität der Ordensmitglieder erfordert es unbedingt. — Allerdings müssen die guten persönlichen Eigenschaften des warnenden Bruders hervortreten, er muss Blick und Gefühl für die Eigenart der Anderen, feinsinniges Menschenverständnis, unmittelbar wirkenden Takt haben. Wir wollen doch nicht verletzen, sondern belehren, erziehen in aller Güte und Freundschaft.. Kommt man in die Lage zu gebieten oder zu verbieten, soll es immer mit sachlicher Begründung geschehen, das erhöht das Vertrauen und schärft die Einsicht. Gar Mancher ist sich der Hässlrchkeit seiner Handlungsweise nicht bewusst, befindet sich in Unklarheit über sein Tun. „Suaviter in modo, fortiter in re." Zur Ehre unserer Brüder sei es gesagt, dass sich kein Bruder solcher Ermahnungen verschliessen wird, sobald sie in überzeugender und wohlwollender Weise geschehen. Schwieriger liegt die Sache, sobald es sieb um Aussenstehende handelt. Da läuft man Gefahr, dass sie sich jeden Einspruch verbitten. Darauf muss man gefasst sein. Aber diese ernste, sbhwierige Mission sollten die Brüder nicht ablehnen. Wir haben auch die Aufgabe der Fernwirkung. Solche Fernwirkung auf Aussenstehende nehmen wir ja bei unserer sozialen Tätigkeit überall wahr. Man findet es angebracht und hat sich gewöhnt, dass wir als Orden Einfluss suchen und finden, ja man erwartet eine solche in vieler Beziehung von uns. Das zeigt die Entwicklung, die Geschichte unseres Ordens. Warum sollen wir davor zurückschrecken, auch in persönlichen Dingen dazu bei Aussenstehenden Stellung zu nehmen, die Uebeltäter durch richtig gewählte Abgesandte sittlich zu beeinflussen? Man muss versuchen, das gesunkeneQ_Gefühl für sittliches Leben zu heben, die guten schlummernden Eigenschaften zu wecken. Man muss ihnen das Gewissen schärfen, sie feinfühlig machen, dass sie in den Worten des Warriers die Stimme der ewigen Gerechtigkeit spüren und vernehmen. Wir haben feingebildete, hochsinnige Männer aller Berufsstände unter uns, die ein solches Erziehungswerk übernehmen und durchführen könnten.

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