Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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Sieg des Guten in der Menschheit von Anfang an lehrt und ihn trotz aller Bedrängnisse und tausendjähriger schicksalsschwerer Vergangenheit unentwegt festgehalten, gerade darum müsste dem auch geschichtlich so wenig begründet erscheinenden Pessimismus auf das heftigste widerstrebt werden. Gleichviel, ob es sich zur Zeit der russischen Judenverfolgungen, darum handelte, in dieser schweren, grossen Zeit; keine kleinen Männer zu finden, ob man an das waime Herz aller Glaubensbrüder für die unglücklichen, bedrängten und ihres Glaubens wegen verfolgten osteuropäischen Juden nicht vergeblich zu pochen brauchte, gleichviel ob wir an die einzelnen israelitischen Gemeinden o'der an di^ grosse Anzahl von Vereinen, an die von dem bedrängten Judentum geschaffenen Institutionen, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, die, Jewish Kolonisation Association, die AUiance israelite universelle, den Hilfsverein der deutschen Juden, den Verband der deutschen Juden und mit an hervorragendster Stelle den Orden Bnei Briss denken, überall Leben und Bewegung, überall ist ein begeistertes Zuströmen von Juden aller Kreise und Schichten bemerkbar und dies geschieht sicher nicht etwa als Ausdruck eines rein persönlichen Jnteresses, sondern am letzten Ende im Interesse des Volkstums, der Humanität und im Gefühle der Stammeszugehörigkeit. In der Erkenntnis seiner besonderen und grossen Bedeutung für die Hebung des Niveaus aller Glaubensgenossen hat unser Orden Bnei Briss einen Wirkungskreis geschaffen, wie er in unserem an jüdischen Institutionen aller Art nicht armen Vaterlande wohl einzig dasteht. Eine innige, unauslöschliche Liebe zum Judentum zu bekennen, der Wunsch, alles zur Erhöhung und Ehrung des Judentums zu tun, das Bestreben, die Menschenliebe in jeglicher Gestalt zu pflegen und zu betätigen, Werke der Humanität im engeren, praktischen Sinne zu errichten und die Forderung an alle unsere Anhänger, den Platz, auf den sie die Vorsehung gestellt hat, nie und nimmer zu verlassen, das sind die Lehren und Grundprinzipien unseres Ordens Bnei Briss, die jeder ehrenwerte Jude, der strenggläubigste und der freisinnige, zu befolgen bestrebt ist, sobald er den Willen kund getan, unser Mitglied zu werden. ' Dass die immer weiter sich ausbreitende Anerkennung der Ziele unseres Ordens und seiner Leistungen nicht abzustreiten ist, dass die Zahl seiner Sitze von Jahr zu Jahr steigt, ebenso wie die der Mitglieder der einzelnen Logen und dass schliesslich glücklicher Weise das jugendliche Element nicht abseits stehen bleibt, sind Tatsachen, die sich auch unseren Pessimisten im Orden nicht verschliessen können. Ob allein hierdurch die in Wort und Schritt so sehnlich erstrebte Zurückgewiunung der Jugend für das Judentum erreicht wird, diese Frage mag an zweiter Stelle stehen; zunächst dürfen die Logen mit Stolz und Freude auf die grosse Anzahl würdiger älterer und jugendlicher Genossen blicken, die sich uns immer mehr anschliessen, um an der Erreichung unserer Zwecke und Ziele mitzuarbeiten. Und so fand sich auch in diesem Jahre — nachdem im vergangenen Termine fast 100 neue Brüder Mitglieder der Montefiore-Loge geworden waren — am 22. Oktober wieder eine grosse Anzahl Glaubensbrtider, die sich an unseren Aufgaben, die wir im Dienste des Judentums, des Vaterlandes und der Menschheit verrichten, zu beteiligen gedenken. Im Anschluss an die rituelle Einführung von 22 Kandidaten unternahm es der w. Präsident, Br. Dr. Ar\ hur Hantke den neuen Brüdern die Geschichte unseres* Bundes in gedrängter Darstellung zu schildern. Nicht nur bei den Glaubensbrüdern, die zum «rsten Male vor den Präsidenten treten, um mit feierlichen Eidschwur das Ordensgelübde zu bekennen, sondern bei den älteren und ältesten Brüdern wird die bei dieser Gelegenheit vom Präsidenten immer wieder vorgetragene Schilderung der Entstehung des Ordens und dessen Verpflanzung auf deutschen Boden ein Gefühl dankbarer Freude und erhebenden Bewusstseins auslösen. Br. Hantke behandelte als Thema seiner Einführungsrede ein Leitmotiv des Ordens, das als Leitstern dem Orden alle Zeit voranleuchtet: „Zum Segen zu werden der ganzen Menschheit" und von dem Grundsatz ausgehend, dass das wahre Judentum zugleich das wahre Menschentum sei, entwickelte der w. Präsident in grossen Zögen treffliche Gedanken über das Verhältnis des wahren Judentums zu unseren Ordenstendenzen. Er entrollte weiterhin ein Bild dessen, was die deutschen Logen, besonders in geistiger Beziehung bisher geleistet haben und er wies auf das unermessliche Arbeitsfeld im Bereich der sozialen Fürsorgetätigkeit hin, das noch unserer Pflege harrt. Als herrlichste Pflanze aber, die der Samen, den die Gründer des Ordens ausgestreut, emporblühen liess, pries Br. Hantke das Streben nach Eintracht mit den Gleichdenkenden unter den andern Glaubensgenossen. Der Bedeutung der packenden Ausführungen des Präsidenten entsprachen die gedankenreichen Worte, die der Mentor, Br. Maximilian Stein für seine Aufgabe: „die Zeichenerklärung" zu Gehör zu bringen verstand, Br. Stein veranschaulichte in vertiefter Auffassung das Wirkungsgebiet der Losungsworte des Ordens: „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht". Den gewaltigen Segen der Ordensidee in ihrem vollen Glänze zu schildern und zu feiern, den heiligen Zweck des Bundes in die Herzen der Hörer zu prägen, die Begeisterung für unsere grosse Sache anzufachen, verstand wie immer Br. Stein, und die andächtige Aufmerksamkeit aller Zuhörer gab Zeugnis davon, dass die mit wahrer und echter Empfindung für die Ideale unseres Ordens durchdrungenen Worte ihre Wirkung auf Herz und Gemüt -aller Brüder nicht verfehlten. Es war aber noch etwas Eigenartiges, Stimmungsvolles, was aus den Beden und Ansprachen von Präsidenten und Mentor hervorklang, etwas Ungewöhnliches. Eine unter den neu aufgenommenen Brüdern befindliche Persönlichkeit gab hierzu Veranlassung, eine Persönlichkeit, die über den Kähmen der engeren Logenzugehörigkeit von zwiefacher Bedeutung ist, sowohl für die Montefiore-Loge, wie für den gesamten Orden. Ein verheißungsvoller Gewinn bedeutet das Mitglied Claude Montefiore aus London, ein Verwandter des grossen, unvergessenen Philantropen Moses Montefiore. Darauf erbat der hochw. Vieze Grosspräsident, Br. Maretzki das Wort. Dankbare Freude und stolzes Bewustsein waren es, was Br. Maretzki bewegte, als er in