Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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seinen Betrachtungen auf die 25 Jahre der abgelaufenen Zeit zurückblickte und auf das Errungene hioblickte, auf die Gegenwart, die mittlerweile 68 Logen in allen Teilen unseres deutseben Vaterlandes mit weit über 7000 Mitglieder um unsere Fahne geschart hat. Unaufhaltsam hält der Orden seinen Siegeszug in fast alle Gemeinden Deutschlands, unermüdlich wird an dem weiteren Aufbau gearbeitet. Alle die vielen materiellen geistigen, sittlichen und idealen Kräfte, .so unendlich verschieden sie im Einzelnen sein mögen, schliesst der Orden Bnei Briss zu einem grossen Ganzen zusammen. Nicht nur für sich und seine nächste Umgebung, sondern für die ganze Menschheit zu arbeiten, ist echt jüdische Weltanschauung und Pflichterfassung, der jedes einzelne Ordensmitglied sich hinzugeben hat. Jeder Bruder soll durch redliche Mitarbeit das Ordensgelübde zu erfüllen suchen, alle Anhänger des Ordens ohne Unterschied ihrer geistigen Kräfte sollen mitwirken, die erstrebte ideale Höhe zu erreichen und so mit diesem Bemühen werden wir auch unsere Pflichten als Bnei Briss, als Söhne des alten Bundes getreulich erfüllen. Diese mahnenden Worte liess der hochw. Vizegrosspräsident in den hoffnungsvollen Glück- und Segenswunsch ausklingen, dass auch die Montefiore-Loge ihren Weg so wie bisher weiterschreiten und ihre gesamte Brüderschaft aneifern möge zu weiterer gedeihlicher Arbeit im Dienste unseres geliebten Ordens. Nachdem der Präsident der Deutschen Reichsloge, Br. Rechtsanw. Schindler die Glückwünsche der von ihm vertretenen Loge in herzlichster Weise dargebracht und der Zuversicht Ausdruck gab, dass die bisher bewährte .Tradition, das innige brüderliche Verhältnis der Berliner Logen stets erhalten bleiben, dass sich zu gemeinsamer Arbeit, bei der Anteilnahme in Leid und Freud die Brüderlichkeit in ihrer echtesten Gestalt zeigen möge, nahm Br. Dr. Ellbogen das Wort, um einem Herzensbedürfnisse zu entsprechen, den Bruder zu feiern, der bei dieser Einführungsfeier als eine bemerkenswerte Erscheinung bezeichnet werden müsse. Unser Bruder Claude Montefiore ist nicht nur äusserlich der Träger einer grossen Familientradition, er ist auch selbst ein ideal gesinnter, hochherziger, den Interessen der Jndeuheit unermüdlich sich widmender Glaubensgenosse, der ganz in den idealen Wegen Seines grossen Ahnen wandelt. Die Zugehörigkeit des Br. Montetiore zum Orden der Bnei Briss als eines hervorragenden geistigen Erben Moses Monteftores, dessen Name ein Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte bedeutet und dessen edles, menschliches Wirken unlöschbare Spuren hinterlassen, muss und wird die MontefioreLoge sowie den gesamten Orden mit Stolz und Genugtuung erfüllen Möge das Beispiel Montefiores, so schloss Br. Ellbogen seine Ausführungen, viele noch abseits stehende Männer unseres Glaubens begeistern, sich unserem Orden anzuschliessen und möge es dazu beitragen, den Glauben an die Güte unserer Sache, an den Erfolg unserer Mission zu stärken und zu verbreiten. Der stimmungsvollen Logenfeier folgte ein gemütliches und genussreiches Brudermahl. Neben den vortrefflichen Reden und Trinksprüchen, die zumeist sich im Gewände heiterer Freude darstellten, verschaffte sich noch einmal mit elementarer Macht in zündenden Worten die hohe, edle Begeisterung Bahn, die unseren Bruder, den Expräs. S. Berge 1 ergriffen hatte angesichts des weiteren siegreichen Schrittes, den der Orden durch die Gewinnung des Bruders Montefipre nach vorwärts getan hat. Br. Bergel wies auf den glänzenden Siegeszng hin, den der Orden als Bannerträger Israels durch die ganze Welt nehmen wird, er wies auf die Männer hin, die mit unermüdlicher Ausdauer und weisem* Fernblick das grosse Werk unternommen haben. Br. Berger sprach ferner von der ungeahnten Ausdehnung, die der Kreis der Bundesbrüder gewonnen hat, wie in allen Gauen der Vereinigten Staaten, im Land am Libanon, in Palästina,.in Deutschland, Oesterreich, in der Schweiz Logen-entstanden sind, und wie wir jetzt begründete Aussicht haben, das Ordensbanner in England zu entrollen, ja, in die Länder und in die Kolonien der englischen Krone unsere Ordenstendenzen zu tragen. Br. Bergel erinnerte daran, wie er vor 23 Jahren, als man den 100jährigen Geburtstag von Moses Montetiore in London .feierte, persönlich als Präs. der Montetfioreloge nach England eilte, um den greisen Schutzpatron die Glückwünsche der Loge zu überbringen und wie er damals nicht geahnt hatte, dereinst einen Nachkommen des~ grossen Mannes als Mitglied der Deutschen Montefioreloge zu feiern. So möge denn eine neue Aera in dem Fortschreiten, der Weiterentwicklung des Ordens und der Verbreitung seiner Ideen beginnen und der ganzen Menschheit zum Segen gereichen. Den neuen Brüdern und besonders dem Br. Claude Montetiore sein Glas widmend, schloss Br. Bergel seine mit grossem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Die Brüder Montetiore und Arthur Koppel versagten es sich nicht, namens der neu eingeführten Brüder der Montefioreloge für den weihevollen und genussreichen Abend den herzlichsten Dank abzustatten und die Versicherung zu erneuern, dass sie die Pflichten, die ihnen unser Bruderbund auferlegt, getreulich erfüllen werden. Br. Montetiore versprach auch in seiner Heimat für den Ordensgedanken nach Kräften zu werben, ob es ihm gelingen werde, werde die Zukunft lehren. Jedenfalls wolle er seiner Familie und seinen Freunden zu, Hause von den feierlichen und ernsten Stunden erzählen, die er in der Montefioreloge durchlebt und von dem echten Brudersinn, den er' im Kreise der Brüder verspürt habe. Er sei stolz und schätze sich glücklich nunmehr dem Bnei Brissorden anzugehören. Br. Eschelbacher sprach von der treuen Anhänglichkeit und der warmen Liebe zum Judentume, die in Logenkreisen herrsche, Br. Dr. Kahn von der Aufgabe des Ordens, die Jugend zurückzugewinnen und sie unserer Gemeinschaft zu erhalten. So wird dieses schöne Fest noch lange Zeit in der Erinnerung der Anwesenden leben und als ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der Montefioreloge verzeichnet bleiben. E. Ca spar y. Die Franken-Loge in Würzburg teilt mit, dass ihr Mitglied H. Reis zum Handelsrichter am Königlichen Landgericht Würzburg ernannt worden ist, eine Auazeichnung, die einem Juden in Würzburg zum ersten Mal zuteil geworden ist.