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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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stein überbrachte dem Geburtstagskind die herzlichsten Glückwünsche der Deutschen Reichsloge, der Matterloge der Germania. Letztere sei das erstgeborene Kind and stets mit ganz besonderer Liebe von der Reichsloge bedacht worden. Beide Logen würden wie bisher so auch in Zukunft zusammengehen. Für die anderen Berliner Logen brachte Präs. Br. Story warmempfundene Wünsche dar. Es folgten dann in langer Reihe die Ansprachen der Vertreter einer grossen Zahl Logen aus allen Teilen des Reichs. Von Nord und Süd, von Ost und West waren Delegierte erschienen, und manche treffliche Weisheit ward aus ihrem Munde kund, von Herzen kommend, zu Herzen gehend. Sie gedachten u. a. der Verdienste der Germania als Verbreiterin des Ordens in Deutschland. Einige wiesen darauf hin, dass ihre Logen Töchter der Jubilarin seien und die Gefühle der Kinder am Geburtstag der Mutter hegten. Andere räumten unumwunden und neidlos ein, dass die Germania stets ihren Logen ein Vorbild gewesen, dass die letzeren Schülerinnen der Festloge seien. Insbesondere wurde anerkannt, dass sie auf dem Gebiet der Kinderfürsorge bahnbrechend im Orden gewirkt habe. Mit Dank wurde daran erinnert, dass im Kindererholungsheim der Germania- Loge von jeher auch Kinder aus dem Bereiche anderer Logen willkommen gewesen seien. Die z. T. aus weiter Entfernung erschienenen Vertreter betonten,. wie schön das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter Allen sei, die sich im Orden zusammen gefunden, und wie gerade die Beteiligung an Festlichkeiten und Sitzungen anderer Logen geeignet sei, dies Gefühl zu stärken. Die Germania, begünstigt durch ihren Sitz im Herzen Deutschlands, habe stets im weitesten Kreise Sendboten zu den Festen der Schwesterlogen entsandt und daher seien auch die Schwestern gern der ergangenen Einladung gefolgt. Alsdann wurde dem I. Vorsitzenden der Synagogen- Gemeinde Halle a./S., Herrn Jacob Hirsch, der zugleich auch Expr. der Loge ist, als Vertreter der Gemeinde das Wort erteilt. Er wies mit Dank darauf hin, wie die Loge stets bereit gewesen sei, mit der Gemeinde zusammen am Werke der Barmherzigkeit zu arbeiten, und gab der Hoffnung Ausdruck auf ein weiteres Arbeiten Hand in Hand für alle Zukunft. Ihm schloss sich der Delegierte des barmherzigen Brudervereins der Hallenser Gemeinde, Herr Jacob Hahn an. Die allverehrte Frau Dr. Fröhlich, Gemahlin des früheren Rabbiners Dr. Fröhlich, übermittelte die herzlichsten Wünsche des Israilitischen Frauenvereins und Frau Emil Schlesinger teilte unter Ueberreichung einer künstlerisch ausgeführten Votivtafel mit, dass der vor nicht langer Zeit gegründete Schwesternbund der Germania-Loge anlässlich der Feier 500 M. für wohltätige Zwecke gewidmet habe. Mit einem von Br. Ernst Blumenthal unter Harmoniumbegleitung vorgetragenen Gesang klang der erste Teil des Festes gegen 8 Uhr harmonisch aas. Trotz der Länge der Zeit waren allen Teilnehmern die Stunden wie im Flug vergangen, ein Beweis dafür, welches Interesse das Dargebotene erweckt hat. Tiefen Eindruck haben die Stunden der Festloge hinterlassen. Teilnehmer und Teilnehmerinnen zerstreuten sich darauf in zwanglosen Gruppen in den Nebenräumen des Wintergartens; wo sich ein lebhaftes Wogen und Treiben entwickelte. Manche alte Freundschaft ward hier erneuert, manche neue geknüpft. Währenddem wurde der Saal zum zweiten Teil des Festes, dem Festmahl hergerichtet. Es war alles derart vorbereitet, dass in verhältnismässig kurzer Zeit die blumengeschmückten Tafeln für das Festmahl im Saal aufgebaut standen und die Hunderte von festlich gestimmten Teilnehmern unter den Klängen des Tannhäuser-Einzugsmarschs ihre Plätze nach einer vorher" festgelegten Tischordnung einnehmen konnten. Fünf lange Tafeln, jede für über 60 Personen, nahmen die ganze Länge des grossen vornehm geschmückten Raumes ein. An jeder Tafel übernahm ein Mitglied des Festausschusses die Rolle des Wirts. Zahlreiche ernste und heitere R,eden und Toaste, eingeleitet durch den von patriotischer Begeisterung getragenen Kaisertoast des Br. Expr. Fackenheim, würzten das Mahl. Für Abwechselung sorgten Tafellieder und humorvolle poetische Ansprachen junger Damen. Bei Tische wurde unter anderen Angebinden eine vom Br. Expr. Dr. Oppenheimer verfasste Festschrift zur Feier des 15 jährigen Bestehens der Ferienkolonie der Germania-Loge, reich mit Bildern ausgestattet, verteilt. Nachdem gegen 12 Uhr die Tafel aufgehoben war, wandelte sich zum dritten Mal der Festsaal um, damit auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Recht käme. Er wurde zum Ballsaal. Während der Umwandlung sorgten in den Nebenräumen Mitglieder des Hallenser Stadttheaters für die Unterhaltung der Gäste. Bis in die vierte Morgenstunde hielt der Tanz die meisten der Erschienenen zusammen. Ein Fest war gefeiert, das an Bedeutung im deutschen Ordensbezirk wohl gleich nach den Jubiläumsfeiern der Gross- und Deutschen Reichsloge seine Stelle hat, ein Fest, wie es selten unsere Vaterstadt, noch nie unsere Gemeinde sah. Wir schliessen mit herzlichem -Dank für Alle, die gekommen sind, es mitzufeiern und mit dem Wunsch: Möge das zweite Vierteljahrhundert des Bestehens der Germania- Loge sich würdig dem ersten anreihen. Dr. P a u 1 M ü 11 e r. fflotefiore-Loge. Eine Einführungsfeier, die für unsere Loge und für den ganzen Orden Bnei Briss eine bemerkenswerte, ja hochbedeutsame' bleiben wird, fand am Dienstag den 22. Oktober 1907 in den Räumen des Berliner Logenhauses statt. * Wohl in keiner Zeit ist' in allen Kreisen unserer jüdischen Gemeinschaft mehr polemisiert worden über die Schäden in unserem modernen Judentum, den Indifferentismus, den Ablall, die durch -scheinbar mangelhaften Logenbesuch hervorgerufene „Logenverdrossenheit", wie in gegenwärtiger Zeit und doch — trotz aller , pessimistisch angehauchten Trauerartikel mit den begleitenden Ideenaustauschen, die in letzter Zeit einen Teil der Lektüre bildete, die uns unsere Monatsberichte (und Extrablätter) darbrachte — versucht sich auch in keiner Zeit ein Grundzug der jüdischen Weltanschauung, der Optimismus, mehr Geltung zu verschaffen, wie gerade jetzt. Gerade weil das Judentum den Glauben an die fortschreitende Entwicklung des Menschen zum Guten, an den

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