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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Frohgemut aber können wir auch sagen, ein schönerer Abschluss für das erste Vierteljahrhundert der Lebensbahn unserer Loge, als es die erhebende Feier vom 20. Oktober 1907 war, kann kaum gedacht werden. Und helle Freude wird stets* das Herz aller derer bewegen, denen es vergönnt -war, ihr beizuwohnen, wenn sie zurückblickend der so harmonisch verlaufenen Stunden gedenken. ' In dicht gedrängten Scharen hatten sich die Brüder von nah und fern im prächtig geschmückten grossen Saal des ,,Wintergartens" vor der Büste der Germania und dem Sitz des Präsidenten versammelt, um das Jubelfest mitzufeiern. Die auswärtigen Gäste waren, soweit die Zeit ihrer Ankunft bekannt war, bereits vorher am Bahnhof vom Empfangsausschuss begrüsst und im Wagen zum Grand Hotel Berges geleitete: worden. Mit den zahlreich erschienenen Damen j und Gästen mögen es insgesamt reichlich 300 Festteilnehmer | gewesen sein, eine Anzahl,- über Erwarten gross im Ver-! hältnis zur Zahl unserer Mitglieder und zur Grösse unserer Gemeinde. Die feierlich getragenen und doch denkbar jauchzenden Tone des ,.Halleluja" von Lewandowsky, gesungen von! Frl. Else Löwenthal, erklangen um 51'i Uhr als Einleitung zur Festloge, dem ersten Teil des Festes. Im Anschluss; an den Gesang wurde der vom Br. Expr. Dr. Öppenheimer | verfasste formvollendete Prolog von der Gemahlin des Verfassers vorgetragen. Und was uns hier in hochpoetischen Bildern mehr angedeutet wurde, das führte dann der w. Präsident Br. Hermann Blumenthal in seiner grosszügigen Festrede im einzelnen aus. Er begann mit innigem Dank, dass es ihm wie vor einem Vierteljahrhundert bei, der Gründung der Loge, so auch heute vergönnt sei, den Ehrenplatz des Präsidenten einzunehmen, und begrüsste dann die Delegierten der Grossloge Br. I. Vizepr. Wisloch und Br. Grossschatzmeister Bergel sowie die Delegierten der 30 vertretenen deutschen Logen, des Hallenser Synagogen-Vorstands, des Gemeinde- Repräsentanten-Kollegiums, des Brudervereins, des Frauenvereins und des Schwesternbundes der Loge. Hierauf führte er aus, wie vor 25 Jahren, nach dem glorreichen Krieg, eine vorher nicht geahnte Bewegung fanatischen Hasses gegen unsere Religionsgemeinschaft entfacht worden sei, wie die Hochschulen, sonst die Quellen reiner Begeisterung und freiheitlicher Gedanken, zu Tummelplätzen wüsten Antisemitismusses wurden, wie auf gesellschaftlichem Boden bald völlige Entfremdung zwischen den Mitbürgern und uns eintrat. In den Parlamenten, deren Zierden noch vor kurzem eine Anzahl Glaubensgenossen waren, wurde Sturm gegen die kaum errungene Gleichberechtigung gelaufen. Im Judentum selbst bestand Verwirrung und Zersplitterung, nirgends fand sich eine festgefügte Organisation. Hie Orthodoxie, hie Reform! tönte der Ruf. Darum zogen sich die Männer, die vermöge sozialer Stellung oder anerkannter Bedeutung in erster Linie berufen waren, eine führende Stellung im Judentum einzunehmen, gleichgültig und verletzt zurück. Es war eine trostlose Zeit. Viel lichter zeigt sich, wenigstens was das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter uns anbelangt, dre Gegenwart. Und wenn wir fragen, welchen Umständen diese Wandlung zuzuschreiben ist, so darf ein einfaches kleines Werkzeug nicht vergessen werden, das den stolzen Bau der Eintracht mit zusammengezimmert hat. Es ist der Hammer, der Logenhammer, den Glaubensbrüder über den Ozean zu uns gebracht haben. So ward der Orden Bnei Briss andern jüdischen Organisationen ein leuchtendes Vorbild innerer Sammlung. Er bewirkte nicht zum mindesten, dass sich nunmehr auch bedeutende jüdische Männer dem Dienst Israels widmeten, und freimütig bekannten: „Auch ich bin ein Jude.'1 Er trug vor allem dazu bei, dass sich in Fragen von allgemeiner Bedeutung Männer jeder religiösen Richtung im Judentum zusammenscharten, wie denn der Orden eine ganze Reihe strenggläubiger Mitglieder hat, deren Arbeit ihm zum Segen gereicht. Möge die Befürchtung immer seltner werden, die Zugehörigkeit zum Orden könne der Strenggläubigkeit Abbruch tun. — In Bezug auf die Jubilarin widmete Redner zunächst den dahingeschiedenen Brüdern, deren Namen mit dem Griffel der Erinnerung und Dankbarkeit auf unserer Gedenktafel verzeichnet seien, warme Worte und schilderte sodann die Leistungen der Loge im einzelnen, dass stets den Witwen und Weisen unsere Fürsorge gegolten habe, dass für dieselben 15000 M. für in Not geratene Brüder in zartfühlender Weise 12000 M. auf dem Altar der Bruderliebe dargebracht seien, dass Studierende der hiesigen Universität neben Unterstützungen auch oftmals am eigenen Tisch der Brüder gespeist seien. 8000 M. seien an humane Institutionen verschiedener Art gegeben, stets habe die Loge sich auch am Rettungswerk für die unglücklichen Brüder im Osten beteiligt. Auf dem Gebiete geistiger Fortbildung seien etwa 120 Vorträge gehalten. Unsere bedeutendste Schöpfung aber sei das vor 15 Jahren gegründete Kindererholungsheim, mit dem die Germania-Loge bahnbrechend im Orden gewirkt habe. Etwa 750 Kinder hatten bisher dort Erholung und Kräftigung gefunden. Mit besonderer Genugtuung sei es zu begrüssen, dass gerade im Jubeljahr ein eigenes Helm für das Kinderasyl erworben sei, das aufs vortrefflichste für 50 Kinder eingerichtet sei. Redner ging schliesslich auf die Bedeutung der Germania-Loge für die Ausbreitung des Ordens in Deutschland ein und richtete einen warmen Appell an alle Brüder, stets mitzuarbeiten im Sinne des Logenideals, er erinnerte an das alte jüdische Wort: „höre Israel" und ermahnte die Brüder, wie einst unsere Väter am Sinai zu erwidern: „Wir wollen wirken, wir wollen hören". Lauter Beifall folgte den von Anfang bis Ende fesselnden Ausführungen des w. Präsidenten. Der folgende Redner, der Delegierte der Grossloge, I. Vizepräsident Br. Wisloch aus Frankfurt a. M wies, nachdem er den Dank der Grossloge für die ergangene Einladung erstattet hatte, mit Recht darauf hin, dass der w. Präsident Br. Blumenthal sich vor allem um die Sache der Jubelloge und des Ordens verdient gemacht habe. Ein sprödes Land sei es gewesen, in welches vor 25 Jahren der Samen gelegt wurde, aus dem die Germania-Loge emporwachsen sollte. Der Erfolg habe alle Erwartungen weit übertroffen. Hierauf ergriff als Delegierter des Mitteldeutschen Logenverbandes Präs. Br. Dr. Frankenstein-Magdeburg das Wort. Er pries die Loge als Institution der Liebe, die Logenfeste und so auch das heutige Jubiläum als „Feste der Liebe". Der Expr. Br. Lichten-

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