Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 9 - November
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin eine Sitzung der Korrespondenten statt, die Gelegenheit zur gegenseitigen Aussprache bot. Es wurde bekannt gegeben, dass der geschäftsfahrende Ausschuss ein Korrespondenzblatt für die Korrespondenten herausgibt, das viermal jährlich erscheint. Man war sich darüber klar, dass der Ausschuss des Verbands seiner Aufgabe als Repräsentanz der deutschen Juden nicht gewachsen sein könne, wenn er sich nur auf seine Mitglieder verlasse; man wollte deshalb schon bei Begründung des Verbands durch die Schaffung der Korrespondenten ortsansässige Mitarbeiter im ganzen Reiche haben, mit denen der Ausschuss jederzeit Fühlung nehmen kann; die Korrespondenten sollen dagegen durch ihre Berichte ein Eingreifen des Verbands zur rechten Zeit und am rechten Ort ermöglichen. Im Ganzen sind in Deutschland 83 Korrespondenten bestellt, deren Aufgabe es sein wird, über alles was in ihren Bezirken mit Bezug auf Juden vorkommt, zn berichten. Es ist Ehrensache für unsere Brüder die Korrespondenten ihres Bezirks durch Nachrichten zu unterstützen, — seien os auch die vermeintlich unwichtigsten — es interessiert alles: allgemeine gesellschaftliche Lage der Juden innerhalb der übrigen Bevölkerung, Haltung der Behörden, Behandlung beim Militär, bei Gericht, Schulen, Einwanderung, Abiind Zuzug heimischer, Berufswahl und dergl. Um 11 Uhr vormittags begann die ordentliche Tagung. Ausser den etwa 400 Delegierten der jüdischen Gemeinden und Verbände Deutschlands, unter denen sich rühmlichst bekannte Persönlichkeiten befanden, hatte sich eine grosse Zahl von Zuhörern eingefunden. Der grosse Saal des über 2000 , Menschen fassenden Saalbaus mit allen Gallerien und Logen war bis auf den,letzten Platz gefüllt. Viele Hunderte hatten erfolglos um Plätze gebeten. In erwartungsvoller — man möchte fast sagen andächtiger — Stille verharrten die Erschienenen, als der Vor-; sitzende des Verbands Herr Justizrat Edmund Lachmann- Berlin die Versammlung eröffnete. Nach erfolgter Bureauwahl wurde unter jubelndem i Beifall der Delegierten einstimmig beschlossen an S. M. den Kaiser ein Huldigungs-Telegramm zu senden, das am folgenden Tage von dem Kabinett S. M. des Kaisers freundlich beantwortet wurde. Der Vorsitzende begrüsste alsdann die Delegierten, und besonders die Vertreter der königl. Regierung und der Stadt Frankfurt, die Herren Regierungsrat Walter und Stadtrat Schaumann, die alsdann erwidernd der Tagung reichen Erfolg wünschten. Es entbot - hierauf Br. Expräsident Dr. B1 a u - Frankfurt, der Präsident des Vorstands der jüdischen Gemeinde Frankfurt den Erschienenen den Willkommgruss der Gemeinde. Er hob die Verdienste des Verbandes um die deutsche Judenheit hervor und wies darauf hin, dass die Zahl derer sich mehrt, die sich nicht mehr ihres Namens, ihrer Gemeinschaft schämen, sondern stolz darauf sind, Juden zu sein und zu bleiben. „Jaden", so rief der beliebte Redner unter stürmischem Beifall, „Juden, d. h. von altersher Kämpfer sein für die höchsten Ideale, für die erhabensten Ziele der Menschheit; Juden, das heisst, sein für Gott Freiheit und Recht. Lassen Sie mich die Wünsche, die die israelitische Gemeinde Ihnen zum Willkomm heute bietet, in folgende Form kleiden: Möge die Arbeit des heutigen Tages den Stern des Judentums immer heller erstrahlen lassen! Möge die heutige Arbeit und die Arbeit des Verbands, die nach unserer innigsten Ueberzeuguhg unserem heissgeliebten Vaterlande nur nützlich sein kann, zu stets sich, steigerndem Segen erblühen, und möge als reifste .Frucht der Verbands-Arbeit in unseren Vaterlandsgenossen sich die Ueberzeugung durchringen, dass wahres Judentum und echtes Deutschtum nicht etwa einander ausschliessen, sondern im Gegenteil sich auf das innigste miteinander vertragen, dass sie sich gegenseitig durchdringen und befruchteu. . *■ Den warmherzigen Worten des von der Versammlung mit Begeisterung applaudierten Redners, dessen hervorragendes Wirken im Dienste des Judentums, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus geht, folgte der vom Vorsitzenden erstattete""^ Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Vorstands innerhalb der letzten zwei Jahre. - -Es würde zu weit führen hier zu schildern, was wir deutsche Juden dem Ausschuss des Verbands für seine Bemühungen bei der Ausgestaltung des preussischen Volksschulgesetzes, um Gleichstellung .der deutschen Juden bei den Handelsverträgen, um die Abwehr der Angriffe gegen die traditionelle Sehlachtweise, um die bürgerliche Gleichberechtigung im Justizdienst, im Schöffen- und Geschworenenamt u. s. w. zu danken haben. Der Geschäftsbericht, der das Einzelne enthält, liegt im Druck* vor und steht den Interessenten, soweit der Vorrat reicht, zur Verfügung. Ganz besonders erwähnenswert ist die Arbeit des Herrn Justiz rat Bernhard B r e s 1 a u e r, der mit einem staunenswerten Fleiss und mit begeisterter Liebe zur Sache das Material über die Zurücksetzung der Juden im Justizdienst in mühevoller Einzelarbeit gesammelt und gesichtet hat. Das Resultat seiner Arbeit, die den betreffenden Behörden zugänglich gemacht werden wird, erübrigt jeden weiteren Kommentar: * .'- Von den Amtsrichtern sind'in höhere Stellen befördert: 18,8 Prozent Christen 2,6 ',, - Juden und 2 7 , 8 ,, g e t a u fte Juden!! Zum Schlüsse seines knappen und sachlichen Berichts dankte der Vorsitzende allen Mithelfern an dem Werke der letzten zwei .Jahre. Es. folgte nun das Referat unseres Br. des Herrn Geh. Rat Professor Dr. Cohen- Marburg über Religiöse Postulat.e. 'Den bedeutenden Ausführungen dieses hei vorragenden Gelehrten, der die Fandamente des .Judentums in formvollendeter Rede philosophisch begründete, lauschte die Menge voll inniger Verehrung. Da eine Diskussion des Vortrages nicht beliebt wurde, die gehaltvollen Ausführungen auch nur hätten abgeschwächt werden können, so folgte alsbald das Referat unseres Br.