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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 110 — Und dies war die Stimmung auch am Haupttage, die noch heute in den Herzen aller Teilnehmer fortwirkt. Alles Trennende in unserer jüdischen Gemeinschaft war ▼ergessen, und nur das oft geschmähte, aber Gott sei' Dank noch in hohem. Masse vorhandene Solidaritätsgefühl einer durch jahrtausendelange Knechtung und Leiden zusammengeschmiedeten Gemeinschaft kam zum Ausdruck. .Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. In keiner Not uns trennen und Gefahr." Das war die Losung in Verbindung mit der wiederholt und in jeder Rede betonten Vaterlandsliebe unserer deutschen Juden, der insbesondere unser Bruder Expräsident Rechtsanwalt Max Loeb-Mainz in so beredten Worten Ausdruck verlieh. „Stosst an: ein Hoch dem Deutschen Reich! An Kühnheit reich, dem Adler gleich, Mög's täglich neu sich starken. Doch Gott behüt's vor Klassenhass Und Rassenhass und Massenhass Und derlei Teufelswerken!" Was wir Logen erstreben und betätigen, ist zum Ausdruck gekommen als das Bekenntnis aller deutschen Juden: Wir wollen wahres Judentum üben, das gleichbedeutend ist mit rechtschaffenem Handeln, 'mit der Betätigung der Grundsätze reinster Ethik und Humanität; wir wollen aussprechen, dass es uns zur Ehre gereicht die Zugekörigkeit zum Judentum offen vor aller Welt zu bekennen; wir wollen in unwandelbarer Liebe zu unseren Fürsten treue Söhne und Bürger unseres Vaterlandes sein und opferwillige Mitglieder der Volksgemeinschaft, in der wir erzogen und aufgewachsen sind! Das Hochgefühl, das diese Tagung auch mir bereitet hat und das mir jenen Tag unvergesslich machen wird, lässt es mir als eine angenehme Pflicht der Dankbarbeit gegenüber den Männern erscheinen, die im Ausschuss des Verbands der Deutschen Juden ihr mühevolles Amt verwalten, wenn ich dem Rufe der Grossloge Folge leistend den Brüdern unseres Ordens über die Frankfurter Tagung des Verbands der Deutschen Juden berichte; habe ich doch ausserdem die feste Ueberzeugung, dass ohne die vorbereitende erzieherische Ar. beit der deutschen Logen der imponierende Erfolg der Frankfurter Tagung nicht erzielt worden wäre. ' Gewiss, die Grossloge und die Logen konnten und können sich dem Verband offiziell nicht anscbliessen, da die Erörterung politischer Angelegenheiten in den Logen satzungsgemäss ausgeschlossen ist, der Verband aber eine Repräsentation der deutschen Juden sein' will „der sichtbar gewordene Ausdruck eines Solidaritätsgefühls, das aus der politischen Lage der deutschen Juden erwachsen musste." Dass aber der Verband die gemeinsamen Interessen der deutschen Juden in ihrer ganzen Breite umschliesst, haben unsere Brüder in richtiger Würdigung der Ordensidee erfasst und ihr grosses Interesse an dem Verband der Deutschen Juden und der Frankfurter Tagung beweisst die gewiss alle Brüder interessierende. Tatsache, dass mehr als 3/« der 400 Delegierten Logenbrüder gewesen sind. Bereits am Vorabend (12. Oktober 1907) traten die Delegierten zu einer kurzen Vorbesprechung zusammen, bei der eine Reihe von Fragen erörtert wurden, die nicht allgemein interessieren dürften. Hieran schloss sich ein geselliges Zusammensein der Delegierten — der Begrnssungs abend — in den stimmungsvollen Räumen, welche die gastliche Frankfurtloge zur Verfügung gestellt hatte. Hierbei begrüsste der Präsident der Frankfurtloge Br. Rechtsanwalt Dr. Richard Merzbach die Erschienenen, indem er etwa folgendes ausführte: „Die Tatsache, dass ein Verband der Deutschen Juden gegründet worden ist, ist, abgesehen davon, dass dieser Verband in der kurzen Zeit seines Bestehens vieles geleistet hat, allein schon erfreulich; denn der Verband der Deutschen Juden stellt den Schlussstein der Entwickelung in der Organisation der deutschen Juden dar. Während der liberale Zug der 60 er und 70 er Jahre atomisierend auf die gesamte Gesellschaft wirkte und keinen Ansporn zur Bildung von Organisationen gab, brachten die Angriffe gegen die Judenheit, die gegen Ende des achten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderte erhoben wurden, die Notwendigkeit d§s^-> Zusammenschlusses. Zur Wahrung seiner Interessen, zum Schutze seines Bestandes schuf alsdann vom Beginn der 80er Jahre an das Judentum eine grosse Reihe von Organisationen, die zum Teil Wohltätigkeit, innere, soziale und ethische Arbeit, zum Teil die Abwehr von Angriffen sich zum Ziele setzten. Aber eine Organisation, die, alle anderen zusammenfassend, eine Vertretung der deutschen Juden im Staatsleben darstellen, mit den Regierungen verhandeln, als berufenes Organ an geeigneten Stellen Irrtümer autklären und die Interessen der jüdischen Gesamtheit vertreten konnte, hatte bisher gefehlt. Diese Arbeit hat der Verband mit Energie und Zielbewusstsein übernommen; seine Gründung bedeutet die Krönung des Aufbaues unserer Organisationen. Möge die morgige Tagung ein Markstein in der Geschichte des Verbandes und seiner stets wachsenden Erfolge seiu." Im Verlauf des schönen Abends, an dem manch altes Freundeshand wieder fester geknüpft, manch neue Freundschaft begründet wurde, trug Br. Dr. Lichtenstein- Neuwied ein von ihm selbst verfasstes Gedicht vor, das in schwungvollen Worten, vornehm poetischer Form und reichem GedanKeninhalt die Ziele des Verbands feierte und als heiliges Gelöbnis der Vertreter der deutschen Judenheit in den Worten gipfelte: } „Wir wollen stehn zusammen in Not und in Gefahr, Nicht wanken und nicht weichen von Israels Altar. Wir wollen wirken, schaffen für Deutschlands Ruhm und Ehr. Doch auch für unsere Rechte, verbrieft doch ohn' Gewähr." Am Haupttage (13. Oktober) fand zunächst vormittags unter dem Vorsitz des um die Sache des Verbands hochverdienten Herrn Justizrat Bernhard Breslauer-

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