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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 109 — genossen tukommen, weil sie in erster Linie auf ans angewiesen sind, and zumeist nur auf unsere Hilfe rechnen können. Darum betrachten wir es als unsere beiligste Aufgabe, unseren bedrängten Glaubensgenossen in Rumänien, Russland, Galizien und Marokko zu Hilfe zu kommen. Auch Zunz war zur Stelle, wenn es galt, den Opfern der Verfolgung Hilfe zu leisten. Im Jahre 1842 schrieb Zunz eine kleine Schrift .Damaskus, ein Wort zur Abwehr" in welcher er die Blutbeschuldigung gegen die Juden zwar heftig, aber sachlich zurückweist. Zum Schluss dieser Schrift sagt er: „Aber dennoch fürchte ich nicht, dass verruchte Taten straflos bleiben, wenn man sie gegen Juden verübt. Die heiligtte Pflicht der Regierungen ist Gerechtigkeit. Alle Throne würden zusammenstürzen, wenn das Recht von dem Seinigen gestossen wird. Aber ich fordere volles Recht, rechtes Recht, denn gegen die Schwachen ist das Unrecht stark. Was auch geschehen, die Juden haben abermals gelitten und das Abwaschen des Schandflecks können sie anderen überlassen. Wenigstens mögen die Mächtigen beherzigen, dass die Bedrängten schützen ihr schönstes Vorrecht bleibt, und die Juden mögen beherzigen, dass der Tag noch gross, und es noch nicht Zeit ist, schlafen zu gehen." Die Mahnung Zunzens: „Die Juden haben noch keine Zeit zum Schlafen" hat noch heute ihre Berechtigung. Deshalb ist unsere Losung Arbeiten und die < Hauptarbeit in unseren Logen gilt dem eignen Ich. Die innere Logentätigkeit, die den Einzelnen von uns zu der rein menschlichen Wirksamkeit nach aussen vorbereiten und erziehen soll, halten wir daher für besonders wertvoll und keiner darf, vom Eigendünkel geblendet, sich dafür für zu hoch halten, denn wie des Lernens beim Menschen kein Ende ist, so hört die Erziehung beim Menschen nimmer auf. „Nur wer die Zurechtweisung liebt", sagt Zunz in einem seiner Briefe, „liebt die Erkenntnis." In einem anderen Briefe schreibt dieser Gelehrte: „Kurz ist das Leben, unendlich die Wissenschaft and wenn nicht jetzt, wann dann?" Und ein anderes Mal sagt Zunz: „Wenn Wissenschaft nicht leerer Schall sein soll, muss sie Institutionen befrachten." Das soll auch unser Standpunkt sein. Besteht doch der höchste Lebenszweck des Menschen darin, sein Wissen dauernd zu mehren und sich in der Betätigung der Moralgesetze stetig zu vervollkommnen. Das erstere suchen wir durch die Vorträge, die aus allen Gebieten des Wissens bei ans gehaltenwerden, zu erreichen, das letztere durch die Verhandlungen in den Logensitzungen, bei denen strenger, sittlicher Ernst mit traulichem, brüderlichem Verkehr gepaart ist. In diesen Sitzungen sollen die guten Eigenschaften, die der Jude besitzt, gestärkt and vervollkommnet, die üblen Gewohnheiten, die uns der jahrhundertelange Druck und das Ghetto anerzogen haben, verdrängt und abgelegt werden. „Alle diese Aufgaben", so schloss der Redner, „kann der Orden nur durch das Mittel lösen, durch welches die neuere Zeit alle grossen Fragen und Aufgaben zu lösen übernommen hat, durch Vereinigung, durch Heranziehung aller verfügbaren Kräfte. Je weiter sich der Ideenkreis des Ordens ausbreitet, desto grösser werden auch die Erfolge sein. Damit soll freilich nicht gesagt werden, dass alle Juden zu dieser Arbeit berufen sind. Das Erziehungswerk ist ein schwieriges und nicht durch viele, sondern nur durch eine Auslese der Besten zu bewirken. Sie aber, meine Herren, halten wir für befähigt, an unseren Erziehungsarbeiten mitzubarbeiten. Freilich ist es nicht leicht, unsere Ordensaufgaben zu erfüllen, und es ist namentlich dann nicht leicht, wenn das Herz nicht fest ist. Was wir von Ihnen gehört und erfahren haben, es berechtigt uns ja zu der Hoffnung, dass Sie sich der zu übernehmenden Pflichten würdig entledigen werden. Trotzdem ruhen in dieser feierlichen Stunde unsere Blicke mit Ernst auf Ihnen, denn hinab in die Tiefe Ihrer Herzen zu blicken, vermag kein menschliches Auge und nur Sie allein sind imstande, die Kraft Ihres Herzens zu bemessen. Prüfen Sie sich deshalb in dieser feierlichen Stunde, und nur, wenn Sie den festen Vorsatz fassen, mit uns Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht im Sinne unserer Ordenstendenzen auszuüben, dann bitte erheben Sie sich zum Zeichen Ihres Einverständnisses von Ihren Plätzen und antworten Sie mir mit Ja. Ich danke Ihnen für dieses Ja und ich hoffe, dass es ist nicht bloss vom Munde, sondern vom Herzen gekommen. Im Herzen bleibe Ihnen stets der heilige Zweck des Bundes eingedenk. Denken Sie .alle Zeit an den Ausspruch von Zunz: Was helfen alle Schätze, wenn sie keinen Nutzen bringen, und was hat unser kurzes Leben überhaupt für einen Wert, wenn nichts davon der Welt verbleibt«. Dann werden Sie das Andenken an Leopold Zunz, aus dessen wenigen, von mir angezogenen Aussprüchen wir / alle wohl erkannt haben, dass der Meister der Wissenschaft' auch ein edler, warmherziger und dankbarer Mensch gewesen ist, besonders ehren, dann werden Sie diesem Manne, dem von der Judenheit meines Wissens ein Denkmal aus Erz oder Stein noch nicht gesetzt ist, ein wertvolleres und dauernderes Denkmal gesetzt haben. Mit diesem Wunsche und in dieser Hoffnung heisse ich Sie namens der Grossloge für Deutschland bei Ihrer Aufnahme in unsern Bund auf das herzlichste willkommen." Die zweite Hauptversammlung des Verbands der Deutschen Juden zu Frankfurt a. M. Bericht von Br. R.-A. Dr. Guggenheim, Offenbach a./M. „Ohne Begeisterung schlafen die besten Kräfte unseres Gemüts. Es ist ein Zunder in uns, der Funken will." Der zweite Deutsche Judentag hat gezündet. Zur lodernden Flamme ist die Begeisterung entfacht für die innige Verschmelzung von wahrem J udentum und echtem Deutschtum: „Und unser Tun, es dringe bis zu des Herrschers Thron, Er wisse und erkenne: i . Der rechte, echte Jude, ist Deutschlands bester Sohn." So rief unser Bruder Dr. Lichtenst e^h - Neuwied am Vorabend der Hauptversammlung den in den Räumen der Frankfurt-Loge zur Vorbesprechung und gemeinsamem Mahle erschienenen Delegierten unter dem brausenden Beifall der Tischgesellschaft zu.

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