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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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- 108 — Meinst da aber, Freund, das äussere Ansehen in der Gesellschaft, meinst du ein Amt und einen Ehrenposten, und willst ihn einhandeln auf Schleichwegen, und indem du dich von uns aussonderst, so ist es wiederum der bare Eigennutz, der dich irreführt, der äussere Vorteil. Gewinn kommt, doch Hochachtung wird ihm nicht mitfolgen. Was irgend deinem Leben eine Bedeutung, und deiner Tätigkeit ein edles frei aufgestelltes Ziel hätte verleihen können, — wärest du wahrhaft geblieben und für das Allgemeine belebt — das hast du für den äusseren Schmuck verscherzt, wovor nur Schwache und Heuchler, wie du, sich neigen. Dein Kleid wird geehrt, dein Herz verachtet." In derselben warmen und eindrucksvollen Art wie Zunz. so war der weitere Gedankengang des Redners, bekämpfe auch der Orden die zur Verteidigung der Apostosie dienenden Scheingründe und suche, ohne sich für eine bestimmte religiöse Richtung im Judentume zu engagieren, religiöse Gesinnung zu betonen und sie zu festigen. Deshalb unserstütze er alle jene Institutionen, welche jüdische Wissenschaft und jüdische Geschichte verbreiten wollen, und die Hebung des jüdischen Religionsunterrichts sich zur Aufgabe gestellt haben. Besonders grosses Gewicht lege der Orden auf die Erziehung der Jugend, die berufen ist, einst unseren Namen fortzupflanzen und unsere Schöpfungen zu erhalten und zu fördern. Unsere Kinder, unsere Zukunft und Hoffnuug dem Judentum zu erhalten, ist das angelegent- | lichste Streben der Bnei Briss. Wir sind auf die körperliche Ausbildung unserer Jugend bedacht nach dem Aus- Spruche: ,.mens sana in corpore sano." Wir wollen bei ihnen den Natursinn wecken, dex im Laufe der lieblosen Jahrhunderte dem über die Erde gehetzten Juden herausgequält wurde, ihre körperliche Kraft erhöhen durch Errichtung von Ferienkolonien, Kindergärten, Kinderhospize; u. s. w. Neben der körperlichen Pflege hegt uns die geistige Pflege der Jugend am Herzen. Wir suchen bei der Jugend das jüdische Selbstbewusstsein dadurch zu stärken, dass wir ihr die Kenntnis der glorreichen Geschichte unserer Ahnen durch Vorträge und durch eine entsprechende Jugendliteratur erschliessen. Wie berechtigt unser Bestreben ist, bei der Jugend eine geistige Gesundheit zu schaffen, und sie bei ihr zu erhalten, erhellt aus den Worten unseres Patrons Leopold Zunz, die er in einem Vortrage schrieb: .Die höchste Aufgabe hat hier die Jugend. Daher geht hauptsächlich die Mahnung an die Jugend, neben der leiblichen auch die geistige Gesundheit zu pflegen, die Empfindung kräftig, die Erkenntnis klar zu erhalten, rein zu bleiben von dem Schmuck der Korruption und gesund inmitten der um sich greifenden Lügenkrankheit. Beachten Sie, meine jungen Freunde, auf der Fahne, die Ihrer Lebensweise vorangetragen wird, die Worte: Wahr und tief, frisch und frei. Bewahren Sie den Kopt vor der Verdummung und das Herz vor dem Rost, streben Sie immer mehr das schöne Ziel zu erreichen: Menschenwobl und Menschenliebe. Zeigen Sie durch Ihre ganze Lebensweise und durch Ihre ganze Thätigkeit das Wollen und Streben die edlen Kräfte in Ihnen gesund und frisch zu erhalten. Glauben Sie nie, dass eine schöne Empliadung ein Fehler sei oder dass vornehme Geburt mehr wert sei, dass die edle Tat sich verstecken müsse vor edlen Metallen, denn „sittlich leben heisst gesund sein.' Hierauf sprach der Redner von der Pflege vaterländischer Gesinnung innerhalb des Ordens, von der Tätigkeit desselben für die osteuropäischen Juden und wusste auch hierfür von Zunz, der eifrig mit Politik sich beschäftigte, Vorträge in politischen Vereinen hielt und nahe daran war, Volksvertreter zu werden, Zitate vorzubringen, um zu zeigen, dass der Orden auf dem richtigen Wege wandele. Es wird uns Juden, so führte der Redner etwa aus, der Vorwurf öfter gemacht, dass wir im deutschen Staate Fremde seien. Nach einem Wort von Zunz ist für den Wert eines Ausspruches nicht das Alter, sondern die innere Wahrheit entscheidend. Und dieser Vorwurf ist zwar alt. aber unwahr. Gewiss sind unsere Vorfahren als Fremde nach Deutschland gekommen, aber eine Heimat haben unsere Väter gesucht, und eine Heimat haben sie gefunden. Diese neue Heimat, die wir nach vielen Kämpfen und Mühen uns erworben haben, heben wir mit aufrichtigem Herzen, mit dem Innersten unserer Seele. In unserer Abstammung und in unserer Religion hegt - kein Hemmnis unserm Vaterlande in unent wegter und unwandelbarer Treue ergeben zu sein. Wie die Andersgläubigen bei ihren Versammlungen können auch wir erklären: So gute Juden wir auch sind, was wir mit Stolz bekennen, so gute Deutsche sind wir. Auch nach dieser Richtung ist der gelehrte und fromme Zunz ein hervorragendes Beispiel, der bei der Ermahnung an seine Glaubensgenossen, sich an allen guten Werken für die Juden zu beteiligen, Folgendes sagt: „Und wer du auch seist, Mensch, dazu kannst du, dazu sollst du beitragen. Hast du Verstand, so brauche ihn zu unserem Wohle, hast du Weisheit, so komm und belehre uns, hast du Einfluss, so verwende dich für die guten Zwecke, hast du Vermögen, hilf arme, fähige Leute unterstützen, hilf Schulen und Gotteshäuser errichten, hast du Tugenden, verpflanze sie unter deine verwilderten Nachbarn hast du Eifer, schliesse dich dem Guten an, hast du Religiosität und Begeisterung, ach, so wirst du selber wohl ein herrliches Feld der Tätigkeit auffinden. Das Höchste aber, meine Freunde, das habt ihr dem Vaterlande, diesem Lande, dem ihr angehört, zu weihen. Wo seine Stimme ruft, da schweigt der Freund und die Freundin, der Sohn und die Tochter, der Nachbar und der Glaubensgenosse. Und was auch aus dem kommenden Jahre heraufsteigen mag, Krieg oder Frieden, ah das Vaterland und seinen König ist eure Wohlfahrt geknüpft und in der Not des Ganzen gilt keine Wahl und kein Aussuchen; da haben wir die Stelle zu verteidigen, die man uns anweist." Die Brüder, so fährt der Redner fort, besitzen keine Geheimnisse und Sonderinteressen. Die Betätigung unseres Gemeinschaftsbewustseins erfolgt in aller Oeffentlichkeit und unter vollem Anschluss an die gesamte Menschheit. Darum erstrecken sich auch unsere Wohlttätigkeit und Bruderliebe nicht auf unsere Mitglieder, nicht nur auf unsere Glaubensgenossen, sondern auf die ganze Menschheit. Allerdings lassen wir unsere Arbeit am ehesten unseren Glaubens- MÜs^i^^H

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