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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 9 - November
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 106 sind die Zitate aus den Schriften des Begründers der judischen Wissenschaft, die Br. Timendorfer geschickt auszog und für; seine Ausrührungen in einer Weise anwandte, als wären sie j für ihn geschrieben. Diese Installationsrede verdient mit \ Recht die Bezeichnung: ..Erinnerungen an Leopold Zunz". i und selbst diejenigen Brüder in unserer Mitte, welche sich mit 1 den ruhmvollen Arbeiten des Altmeisters Zunz beschäftigten,! werden es wohltuend empfinden, einigen ihnen bekannten gedankentiefen Aussprüchen nochmals zu begegnen. Es ' m<>gen daher Auszüge aus der Rede des Br. Timendorfer \ sowie die angewandten Zitate hier wiedergegeben werden. .Sie haben an die Grossloge des Unabhängigen Ordens j Bnei Briss das soeben verlesene Ersuchen gerichtet, als Brüder unserm Bunde beizutreten und hier eine Arbeitsj statte des VIII.Distrikts zu errichten. Wir sind Ihrer Auf- ' forderung gefolgt, mit Freuden gefolgt. Ist ja der Orden i mit Braunschweig schon längst geistig dadurch ' verbunden, j dass ein Sohn des langjährigen Präsidenten des Exekutiv-! Komitees Br. Bien ein Zögling der Jacobsonschule zu Seesen i gewesen ist. Wir sind zu dieser Stunde bereit. Sie als die : 08. Loge im Deutschen Distrikt unter dem von Ihnen selbst , gewählten Namen „Leopold Zurjz-Loge-' zu installieren. Wenn ich den Namen ..Leopold Zunz-Loge" als von Ihnen selbst gewählt bezeichne, so ist das vielleicht nicht so ganz zutreffend, denn Ihr erster Wunsch ging dahin, sich ,,Loge zu den drei Ringen-' zu nennen. Dieser Wunsch, er war allerseits verständlich mit Rücksicht auf die Be-! Ziehungen, zu denen Braunschweig und Umgegend zu dem grossen Dichterfürsten Lessing gestanden hat und mit Rücksicht auf den Dank, den das Judentum für alle Zeiten einem Lessin?. den Zunz selbst den grössten Denker der europäischen Kultur nennt, schuldet. Und es wäre weiter verständlich, wenn Sie aus dem j grössten Werke des grossen Dichters die Welt an die Parabel; von den ■'! Ringen erinnern wollten, daran, dass die Mahnung an die Menschheit, es solle sich jeder gläubig an seine Religion halten und durch sein Handeln der vorausgesetzten Göttlichkeit derselben sich würdig zeigen, und dass der i Wert eines Menschen nicht von seiner Zugehörigkeit zu i einer bestimmten Religion, sondern von der Wirkung abhängt, die diese Zugehörigkeit auf sein Handeln und Wirken. ' auf sein Tun und Lassen ausübt, auch heute, nach mehr als 120 Jahren-nach dem Erscheinen des . Werkes ..Nathan der | Weise" nicht unangebracht ist. Trotzdem hat es allseitig , Genugtuung bereitet, das Sie dem Wunsche der Grossloge; nachgekommen sind, welche allezeit den Standpunkt vertritt, dass die Dankbarkeit keine Blume ist, - die bei uns leicht verwelken darf, und dass die Juden der heutigen Zeit den Dank durch Ehrung von Männern, die sich um Juden und I Judentum besonders verdient gemacht haben, zu bezeugen haben. Dass Zunz diese Dankbarkeit der heutigen Judenheit verdient wegen seiner hervorragenden Leistungen als Begründer der Wissenschaft des Judentums, der Mann, der wie j Mendelssohn als Erwecker der Judenheit, als Erwecker des j Judentums zu erachten ist, der efn tiefes Gefühl und Pietät J für das Erbe Israels zu allen Zeiten auch auf dem Zenith seines wissenschaftlichen Ruhmes sich bewahrte, der treu in seiner vaterländischen Gesinnung als Bürger war, auf dessen Grabdenkmal die Worte stehen: Er war der Vater der Gelehrten der erste unter den Altertumsforschern Israels, alle Ehrentitel überragt sein blosser Name Jomtow Lipmann Zunz , bedarf wohl keiner Begründung. Es kommt noch hinzu, dass der Name Lessing im Orden bereits durch die Lessing-Loge in Breslau vertreten ist und das ja auch Braunschweig und Umgegend persönliche Beziehungen zu Leopold Zunz hat. Als Kind ist Zunz zu Fuss von Braunschweig nach Wolffenbüttel gewandett; dort hat' er in der Samsonschule seine Aufnahme gefunden, dort seine Kinderjahre verlebt und seine erste Erziehung und Bildung genossen. Bei der Beerdigung von Zunz im Jahre 188<> in Berlin, da konnte der damalige Leiter der Samsonschule, Herr Dr. Rosenstock mit Recht sagen: „Die Mutter, die Geistesmutter des Dahingeschiedenen, die Samsonschule, sendet mich hierher. Vor 80 Jahren hat ihn die Schule als hilflosen Knaben aufgenommen und ihn liebreich erzogen. Dort hat er die ersten Bildungskeime empfangen, dort ist er zu seiner grossen Zukunft herangereift4'. Der Redner konnte mit Recht feststellen, dass Zunz selbst seiner Geistesmutter oft mit Liebe gedacht hat, dass er als Mann oft zurückgekehrt ist in die trauten Räume dieser Anstalt, um Erholung zu suchen von schwerer Mühe, um in den frohen Spielen der Jugend die dort verbrachten glücklichen Stunden seiner eigenen Kindheit in der Erinnerung wieder hervorzuzaubern. So haben Sie neben der allgemeinen Pflicht der Dankbarkeit auch eine persönliche Pflicht derselben erfüllt, wenn Sie den Namen Leopold Zunz, der in dem deutschen Distrikt bereits vertreten war, aber durch Vereinigung der Leopold Zunz-Loge mit der Deutschen Reichs-Loge aufgehoben wurde, wieder aufleben lassen". Nach diesen einleitenden Sätzen legte Br. Timendorfer an der Hand von Zitaten aus den Schriften Leopold Zunzens die Ziele und Zwecke des Ordens B. B. dar. Zunächst begegnete er dem Vorwurf, dass die B. B. durch den Zusammenschluss in den Logen sich von den Andersgläubigen abschliessen wollten: sie täten sich nur zusammen um das Wahre, Gute und Schöne zunächst im engeren Kreise zu pflegen. Die Zugehörigkeit zum Orden und die Betätigung der Ordensaufgaben hinderten keineswegs die Mitglieder an dem Wohle der Allgemeinheit mitzuwirken. Aber dieser Zusammenschluss zu einem engeren Kreise von Genossen, die durch Glauben und Geschichte verbunden sind, sei noch in unseren Tagen notwendig, weil die Juden trotz des Gesetzes vom '& Juli 1869 noch immer nicht gleichberechtigt und vom Staate gleich berücksichtigt seien. Und man könnte fasst behaupten, dass die Worte von Leopold Zunz in einer seiner Schriften noch heute Geltung hätten. „Es ist endlich Zeit, dass den Juden Recht und Freiheit statt der Rechte und Freiheiten gewährt werde, kein kümmerliches, erniedrigendes Vorrecht, aber ein vollständiges, erhebendes Bürgertum. Wir haben kein Begehren nach den geizig zugemessenen Rechten, wir finden kein Behagen an dem mitleidig Zugestandenen. Tief vor Scham sollte der erröten, den die Gunst durch einen Adelsbrief über seine Brüder im Glauben erhöht. Nur in gesetz- \ \ I

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