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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-10-01 · Nr. 8 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 8 - Oktober
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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306 Mitglieder zählte), es folgt mif 180 die Wien-Loge (die Ausgang 02 bereits 201 Mitglieder hatte), während die zweite Träger Loge „Praga" mit 59 die zehnte, die zweite Wiener „Eintracht" mit 37 die vierte Stelle einnimmt; als diittgrösste ist die Lemberger mit 99 anzuführen, als fünfte die Krakauer mit 81; die jüngste Loge in Bad weis ist mit 32 Brüdern auch die kleinste.---Das Gesamt vermögen des österreichichen Distrikts beträgt ca. 900 000 Kronen. Die 302 Mitglieder starke Bohemia hat ein Vermögen von 302 000 Kronen, von dem 240000 dem W. und W. Fond gehören; absolut ärmer, aber relativ reicher ist die 180 Mitglieder zählende Wien mit 2»i")000 Kronen; im grossen Abstand mit 71 000 Kronen folgt j die Reichenberger, 62 Mitglieder zählende Philanthropia, | während alle übrigen Logen unter 50 000 Kronen, die kleinste »XXX) Krönen im Vermögen haben. Gestiegen ist die Zahl der Brüder in 1900 von 1181 auf 12f4, also um 33 Personen; da aber die neugegründete Allianz allein mit 33 Mitgliedern hinzugekommen ist, haben die alten Logen an Zahl der Brüder in Summa nicht zu-, die meisten sogar abgenommen. Die Eintracht-Wien zeigt ein Plus von 15, die Moravia-Brünn ein solches von 10; das Minus der Pilsener Union von 17 erklärt sich aus dem Abgang von 18 Brüdern mit Kaite, die wohl zur Allianz übergetreten sind. Die Zahl der mit Karte ausgeschiedenen und eingetretenen Brüder mit 19 ist gleich: ohne Karte sind im Berichtsjahre 74 eingetreten und 12 ausgeschieden, so dass sich ein Pius von 62 ergeben müsste, wären nicht 24 gestorben und 5 ausgeschlossen worden. Irgend welche Schlüsse aus diesen Zahlen zu ziehen, steht mir nicht zu. Vom Gesamtarchiv der deutschen Juden. Schöpfungen, die aus der Tätigkeit der Logen hervorgegangen oder auf ihre Anregung entstanden sind, haben für unsere Brüder ein ganz besonders Interesse. Unwillkürlich sehnen wir uns von Zeit zu Zeit etwas über dieselben zu erfahren; wir wollen wissen, o b und wie sie sich entwickeln, und ob sie die in uns erweckten Hoffnungen auch erfüllen. Von diesem Streben beseelt, besuchte ich vor kurzem das Gesamtarchiv der deutschen Juden, das bekanntlich von einem Bruder der Lessing-Loge seinerzeit angeregt, von der Grossloge in Angriff genommen und im Vereine mit dem D. I. G. B. gegründet wurde. Der Leiter des Archivs, Herr Dr. Täubler, ein strebsamer, janger Gelehrter hat mir in liebenswürdiger Weise die im Archiv bereits liegenden Schätze gezeigt, und in unserer Unterhaltung Gesichtspunkte über die Ausgestaltung dieses Instituts entwickelt, die ich hier gern zur Kenntnis unserer Brüder bringe. Im Gesamtarchiv der deutschen Juden*) wächst in aller Stille ein wissenschaftliches Institut heran, das, über seinen speziellen Zweck Irinaus, innerhalb der jüdischen Institutionen in dreifacher Beziehung etwas völlig Neues ist: erstens, insofern es als wissenschaftliches Institut durch die dauernde Verbindung mit allen jüdischen Gemeinden, Vereinen, Stiftungen doch die engste Fühlung mit dem praktischen Leben hat, 'i Berlin W.3."i. Uitzowstr. lö, geöffnet W— 2. zweitens, insofern es von dem Gegensatz religiöser Anschauungen, der im Betrieb der jüdischen Wissenschaft in äusseren und inneren Spaltungen noch immer zum Ausdruck kommt, nicht berührt wird, und drittens, insofern es auf Grund dieser beiden Voraussetzungen und des allgemeinen Zusammenhangs zwischen dem gewesenen und dem sich entfaltenden Leben durch'die Vermittlung einer reineren und tieferen Erkenntnis der Vergangenheit geeignet ist, die Gestaltung unserer Anschauungen über Gegenwart und Zukunft des Judentums tiefgehendst zu beeinflussen. Archivalische und historische Tätigkeit gehören aber zu den Dingen, die nicht von heute auf morgen wirken. Für unser Archiv kommt hinzu, dass es nicht etwas Fertiges, sondern etwas Werdendes ist. Es konnte nach langen Vorarbeiten erst im Oktober vorigen Jahres eröffnet werden, und obwohl ihm bereits in 36 Fällen die Beantwortung'geschäftlicher, juristischer und wissenschaftlicher Fragen in teilweise sehr ausfuhrlichen Exposees oblag, muss es heute und auf Jahre hinaus den Hauptteil seiner Arbeit noch immer darin suchen, sich das Material zu beschallen, d.h. Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Private zur Ueberlassung aller Arten von Schriftstücken zu bewegen. Deren Ueberlassung ist meist nur eine depositarische, wobei dem Depositar seine Eigentumsrechte durch Vertrag garantiert werden. Es wird hoffentlich für das Archiv von Nutzen seio, Wenn wir unseren Brüdern einen Einblick in die Schwierigkeiten dieser fürs erste wichtigsten Arbeit geben. Das Schwergewicht muss natürlich auf die Akten der Gemeinden gelegt wenden. Am schnellsten und sichersten würde das Ziel erreicht weijden, wenn es möglich wäre, Gemeinde für Gemeinde zu bereisen, in persönlicher Unterhandlung! die Aktenabgabe durchzusetzen und die Versendung zu be- I aufsichtigen. Da diese Arbeitsweise bei der grossen Zahl der Gemeinden ausgeschlossen ist, ein schriftlicher Antrag aber zu nichts führt, wurde ein Mittelweg gesucht und für Preussen darin gefunden, dass bei den Generalversammlungen der Provinzial-Gemeindeverb&nde, die anwesenden Gemeinde | Vertreter durch einen Vortrag über Wesen und Zweck des I Archivs aufgeklärt werden und darauf sofort ein schriftlicher Antrag an die einzelnen Gemeinden folgt. Ausserhalb Preussens gestaltet sich die Arbeit. schwieriger, da die Gemeindever- \ bände fehlen. Teilweise ' treten an ihrer Stelle als Mittel-! instanzen die Landrabbinate ein. Es scheint nun aber nach einigen Versuchen die Möglichkeit gegeben, dass das Gesamtarchiv in den deutschen Staaten, welche die staatliche Denkmals- und Archivpflege auch auf die nichtstaatlichen Korporationen erstrecken, die staatliche Hilfe, zur Erlangung der jüdischen Gemeindeakten bekommen wird. Aber auch in dem idealen Zukunftsbild, dass alle jüdischen Gemeinden Deutschlands am Gesamtarchiv beteiligt sind, kann dessen Sammelarbeit nicht als erledigt angesehen werden; das Gesamtarchiv sucht vielmehr auch den Inhalt der Staats¬ und Stadtarchive in seine Sammlungen zu leiten. Vollständige Abschriften sind natürlich nicht möglich. Da diese Aktenbestände jederzeit zur Benutzung versandt werden, genügen — von besonders wertvollen und deshalb iu Vollabschrift erwünschten Stücken abgesehen — genaue In-

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