Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 8 - Oktober
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 99 - haltsübersichten.*) Oft reicht fürs erste eine Abschrift des in dem Stadtarchive liegenden Aktenverzeichnisses, soweit es . Judenakten nmfasst, hin; die Ergänzung des Verzeichnisses auf Grund einer genaueren Einsichtnahme in die Akten kann V später im Gesamtarchiv erfolgen. Hier öffnet sich ein Feld, auf welchem mit geringer Arbeit dem Ganzen in wesentlicher Weise gedient werden kann. Das Gesamtarchiv ist bei dem mangelnden Verständnis, das derartige Arbeiten naturgemäss finden, in erster Linie auf die Logenbrüder und deren verständnisvolle Mitarbeit angewiesen. Es kommt nur darauf an, 1. sich mit dem Gesamtarchiv in Verbindung zu setzen, damit die Akten der betr. Gemeinde abgeliefert werden, . . 2. darüber zu wachen, dass die Ablieferung wirklich vor sich geht und nicht, wofür Beispiele vorliegen, die Akten zwar bewilligt, aber trotz aller Bitten nicht abgesandt werden, 3. eine Abschrift des in der Bürgermeisterei liegenden Akten-Verzeichnisses der Stadtregistratur, soweit das Verzeichnis von Judenakten spricht, zu nehmen oder auf Kosten des Gesamtarchivs nehmen zu lassen und 4. gelegentlich Umfrage (eventuell durch Anschlag im Synagogenflur und in Logenräumen) nach in privatem Besitz befindlichen Archivalien zu halten. Nur wenn das Gesamtarchiv in den einzelnen Gemeinden verständnisvolle und tatkräftige Mitarbeiter findet, wird es sich zu dem von der Grossluge und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund erstrebten Mosaik eines Gesamt archivs aller jüdischen Gemeinden Deutschlands abrunden können. Die Logensitze müssen sich geradezu als kleine Archivzentren betrachten, von denen aus sich das Versandnis für die Arbeiten des Gesamtarchivs in konzentrischen Kreisen verbreiten muss. Diese alle Logen von einer neuen Seite zu einem bedeutsamen Zwecke vereinigende Autgabe soll ihre Basis und in gewissem Sinne ihre Organisation im Laufe dieses Winters dadurch erhalten, dass der Leiter des Gesamtarchivs, Dr. Täubler, in den einzelnen Logen in einem Vortrage Wesen und Zweck, Organisation und Arbeits- Weise des Archivs klar legt und in persönlicher Rücksprache mit den Herren, die sich speziell der Arbeit für das Gesamtarchiv widmen wollen, alles Nähere festsetzt. Trotzdem die Organisation der Sammelarbeit also noch keineswegs beendet ist, sind im Gesamtarchiv doch schon die stattliche Zahl von über 120 Gemeinden mit ihren Akten vertreten. Dazu kommen Akten von Vereinen, Stiftungen und Privatpersonen. Vom Jahre 1348 bis in die letzten Jahre reicht ihr Alter. Pergament und Papier, Holz und Leder, Bilder, Noten, Siegel, Stempel wechseln miteinander ab. Hier eine Gemeinde, welche vor 100 Jahren gegründet wurde, deren Akten aber infolge mangelnder Sorgfalt nur von den letzten 20 Jahren erhalten sind; daneben eine Jahrhunderte alte Gemeinde, von deren Akten kaum ein wesentlicher Zettel So bat Hr. lTr Kinkel ein Inhaltsverzeichnis der Judenakten von Greifswald und Stralsund dem Archiv in dankenswerter Weise überreicht. V :. . verloren ging. Ebenso verhält es sich im einzelnen. Hier gut erhaltene Stücke, die einige Jahrhunderte überlebt haben; daneben junge Akten, die durch den ungünstigen Aufbewahrungsort fast vei modert und unlesbar sind. So merkwürdig spielt der Zufall, wenn ihm nicht in saebgemässer Weise entgegen getreten wird. Wenn nicht jetzt der Losung .Retten, was noch zu retten ist,-' von allen Seiten entsprochen wird, kann es (eicht zu spät werden, zumal bekanntlich die kleineren Gemeinden sich auflösen und ihre Akten verbrennen oder einstampfen. Wie immer das Gewesene im einzelnen gewesen sein mag: es enthält die Grundlage für das Seiende und das Kommende. Und das ist der Zweck: die Vergangenheit, d. h. die Gegenwart unserer Väter, in den Zeugnissen zu erhalten, in weichen sie selber redet. Aus dem Bureau der Grossloge. Zwei Brüder sind vor kurzem für ihre Verdieuste auf | sozialem und ethischem Gebiete geehrt worden: Br. Maretzki ist der Titel Geheimer Sanitätsrat und Br. Wisloch der Kronenorden verliehen worden. Beiden Brüdern Itaben wir freudigen Herzens unsere Glückwünsche übermittelt. Zur Erinnerung an die Verdienste des Br. Adolph Mayer wird die Grossloge, da sein Sterbetag, der 19. Oktober aui Sabbath fällt, am 10. November am Grabdenkmal des Verewigten eine Gedenktafel anbringen lassen und eine Gedächtnisfeier abhalten. Der Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. 0. B. B., dessen mühevolle und segensreiche Tätigkeit in einem Artikel des Augustberichtes der Grossloge („Arbeit, nicht Almosen") geschildert wurde,' hat in der Zeit vom Mai bis September 825 Arbeitsuchenden dauernde Stellungen verschafft und für 115 Personen vorübergehende Beschäftigung gefunden. Wir wollen unseren Appell wiederholen, dass unsere lieben Brüder diese Schöpfung der Logen durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheiten sowie durch Werbung und Gewinnung neuer Mitglieder tatkräftig unterstützen möchten, damit unser „Arbeitsnachweis" den Kreis seiner Tätigkeit immer mehr erweitern könne. > Eine Loge unseres "Distrikts, die seit einer langen Reihe von Jahren regelmässig die .Entsendung von Ferienkolonien für arme und schwächliche jüdische Kinder organisiert, hat mit Rücksicht auf die erheblichen Schwierigkeiten, die bei der Unterbringung der Ferienkolonisten jedes Jahr sich darboten, beschlossen, ein eigenes Heim zu gründen. Zu diesem Zwecke hat sie ein in einem Walde liegendes passendes Areal von etwa 5000 Quadratmeter für 6000 Mark käuflich erworben. Dieser Betrag wurde von den Brüdern der betreffenden Loge durch Spenden aufgebracht' und es verblieben noch hinreichende Mittel, das Grundstück einzuzäunen, es mit einem Brunnen zu versehen und die nötigen Einrichtungsgegenstände, anzuschaffen. Es fehlen indes noch die Mittel zum Bau, der nach sachverständiger Veranschlagung etwa 30000 Mark erfordern dürfte. Diese Loge, die seit mehreren Jahren die Rechte einer juristischen "Person besitzt und daher in der