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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-10-01 · Nr. 8 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 8 - Oktober
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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— 96 - einen Zweck. Die Wichtigkeit und Notwendigkeit steht so ausser allem Zweifel, dass darüber jede Diskussion ausgeschlossen erscheint, weil in seiner Wirkung kein anderes ihm in die Seite gestellt werden kann. Unser Orden hä-te nun die Aufgabe ein solches We r k i n s Leben zu rufen, jedenfalls die. Initiative dazu zu ergreifen, möglicherweise Hand in Hand mit unseren Gemeinden, ^Vereinen. Stiftungen usw. Es bedarf hierzu reichlicher Mittel, deren Aufbringung jedoch durch eine ebenfalls nur für unsere Jugend berechnete Organisation teilweise erreicht werden konnte. Um diese Schrift nun auch in die Hände derer zu bringen, für die sie berechnet ist, müssen wir eine solche Jugendorganisation gründen, wie sie christliche Vereine schon seit langer Zeit besitzen. Bereits im Jahre 1904 machte ich in der „Jüdischen Presse16) den Vorschlag, unsere jungen Männer und Mädchen zu einem Jugendbund zu organisieren. Die vier Artikel: Neue Wege, mit dem Motto: „Erst organisieren, dann kritisieren," hatten eine Wirkung, die ich nicht voraussah. Während diese Artikel in Amerika ins Englische übertragen und in vielen Tausenden Exemplaren durch die Vereinigten , Staaten wanderten und dort zu zahlreichen Kinder-, Mädchen- und Jünglingsvereinen führten, blieb meine Anregung in Deutschland völlig unbeachtet, bis in allerneuester Zeit wieder an verschiedenen Plätzen einige Versuche gemacht wurden, meine Pläne zu realisieren. Doch auch diese Spätwirkung hat mich sehr befriedigt. Es bestätigte sich dabei die Macht des geschriebenen Wortes mit seiner dauernden Nach- und Fernwirkung. Was ich durch mündliche Anregung in Literatur- und ähnlichen Vereinen nicht erreichen konnte, wurde durch diese Artikel noch nach Jahren bewirkt. Ebenso notwendig und an Wichtigkeit gleich der Schrift für jüdische junge Leute ist die Gründung dieser Jugendbündnisse. Was im Elternhaus an unseren Kindern versäumt worden ist, wen die Synagoge nicht mehr erreichen kann, wer dem Schulunterrricht entwachsen ist, wer von den Tausenden von jungen Leuten, die heute in unserem modernen Städteleben dem Judentum entfremdet, die Fühlung mit ihresgleichen verlieren und dadurch ein Opfer des Abfalls werden, oder durch Mischehen unsere Rasse entmischen und schwächen,' sie alle werden durch die Entstehung von nach Altersstufen gegliederten Bündnissen dem Judentum zurückerobert und erhalten werden. Ein lebendes Beispiel dafür bietet die Stadt New-York, wo Tausende von jungen Leuten im Grossstadtleben verwildert, ohne Angliederung an Familien, ohne - Anschluss an Vereine, ohne Konnex mit der Synagoge, unverpflichtet gegen die jüdische Gemeinde, isoliert für sich lebten, bei der Entstehung der ,,Young men hebrew Association" eine wahre zweite Heimat gefunden haben und sich ihres Judentums wieder bewusst wurden. Allerdings bedurfte es eines Philantropen wie Jacob H. Schiff, um diesem segensreichen Verein eine Heimstätte zu gründen, wie ich nicht wagen würde in meinen kühnsten Träumen sie je in Berlin zu erblicken. Gibt es denn gar keinen Jacob Schiff für Deutschland und für einen deutschen jüdischen Jugendbund? Vielleicht ersteht.uns auch einmal in Berlin ..Neue Wegevon Dr. Aithur Kahn. Nu. 41. 42; 44. 45. 1906 ein solcher Mäcen. Es gibt doch auch noch in Deutschland jüdische Männer, die nicht nur i n ihren, sondern auch über ihre Millionen stehen. Wie wir die hier in Umrissen gegebene Regeneration erreichen können, soll hier nicht erschöpft werden. Ich habe es nur für meine jüdische Pflicht gehalten, den Abgrund, dem wir zueilen, den Blicken offen zu legen, an der Hand von Tatsachen unseren Rückgang zu kennzeichnen, die Ursachen dieses grossen Uebels bis an die Wurzeln blosszulegen und auf Wege zu verweisen, auf denen dem Unheil zu begegnen wäre. Wege, die, weil nicht verzweigt, die gangbarsten, und Mittel, die eben so einfach als erreichbar sind. Schon macht sich bei unserer jüngeren Generation eine Bewegung, Israel aus seiner unwürdigen Lage zu befreien, bemerkbar. Kommen wir dieser Bewegung entgegen, helfen wir sie in die richtigen Bahnen I leiten, widmen wir unsere Kraft der Jugend, I ziehen.wir sie zu uns heran und erziehen wir sie für unsere Ideale, dann wird das Judentum trotz seiner Krankheit nicht untergehen und das Prophetenwort wird noch einmal zur Wahrheit werden, das uns tröstend und verheissend zuruft: ,,Siehe, ich bereite Neues, jetzt spriesst es hervor; könnt Ihr es nicht wahrnehmen? Ja, ich bahne einen Weg durch die Wüste und führe Wasserströme durch steinige Oeden.'' (Jesaia, 43, 19.) Die Entwicklung unseres Ordens in Deutschland in 1905/6. Von Expräs. Br. Dr. Landsberg - Stettin. Im Anschluss an meine früheren statistischen Betrachtungen (cf. 1905 S. 113) möchte ich mir erlauben, die rom Br. Grossekretär veröffentlichten Zahlen über die deutschen Logen in den beiden letzten J&hren wieder nach bestimmten Gesichtspunkten gruppiert zusammenzustellen. Ende 1904 zählte der deutsche Distrikt 63 Logen mit 6120 Mitgliedern; in 1905 kamen hierzu 2 (Lissa und Metz), in 1906 eine (Zabrze), die Zahl der Brüder stieg auf 641« und 6736.. Die Zahl der in diesen 2 Jahren neugegründeten Logen ist somit recht klein. Aber daran werden wir uns gewöhnen müssen j auf eine grosse Zunahme in Bezug auf die Zahl der Pflanzstätten unseres U. 0. B. B. in Deutschland ist schon deshalb kaum noch zu rechnen, da schon jetzt die Zahl der Städte, in denen Logen bestehen, bedeutend grösser ist, als die derjenigen, in denen die jüdische Bevölkerung mehr als 1000 Personen umfasst. Mehr als 50 solcher Städte dürfte die Zählung von 1905 nicht ergeben haben; leide»- hat der Verein, für jüdische Statistik in seinem Organ diese Zusammenstellung noch nicht veröffentlicht.*) Von unsern 66 Logen i Nord hausen und Braunschweig sind hier natürlich nicht berücksichtigt) haben 43 ihren Sitz in 41 preussischen Städten (da 3 Logen in Berlin domizilieren), Preussen zählte aber am 1. 12. 1905 nur 33 Städte mit mehr als 1000 jüdischen Einwohnern. Von diesen haben 12 keine B. B. Logen, nämlich ausser den Berliner Vororten *) Für eine solche Veröffentlichung sei hier hervorgehoben, dass, in der Zusammenstellung in 1905 (Heft 2 der Zeitschrift für Demogr. u. Sta^stik) Karlsruhe fehlt.

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