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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-10-01 · Nr. 8 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 8 - Oktober
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Die ganze Geschichte unseres Volkes von seinem Wüstenzuge ai bis zur Wanderung ins babylonische Exil ist unendlich reich an Beispielen, wie immer, wenn Abfall und Sittenverderbnis es an den Rand des Untergangs führten, die Priester, die Richter, die Könige, die Propheten und Weisen stets mit dem gleichen Mittel ihr Rettungs- Werk erfüllten, indem sie Götzen und G"tzen priest er aus der Mitte des Volkes entfernten. Sie waren grosse Psychologen und, wenn auch Jahrtausende vor uns geboren, sicherlich so klug wie wir Gegenwartsmenschen auch. Folgen wir also dem Wink der Geschichte und entfernen vor allem das böse Beispiel aus unserer Mitte, indem wir die jüdischen Täuflinge unseren Familien und besonders unsern Kindern fernhalten. Reinliche Scheidung ist die erste und unerlässlichste Bedingung Unserer Regenerierungsarbeit. Und lehren wir dann unsere Kinder, dass es nichts Verabscheuungswürdigeres für einen anständigen .luden gibt, als die Taufe aus eigensüchtigen Gründen, und gerade für den Juden, weil kein anderes Volk auf Erden mehr für seinen Glauben gelitten, als das jüdische, mit einem Märtyrertum ohne gleichen; dass aber auch keine andere Religion erhabenere Grundsätze aufweist, als die mosaische. Haben wir erst einmal in dem Bewusstsein unserer Kinder den Abfall als verwerflich und unsittlich gekennzeichnet, dann haben Wir schon viel geleistet Und viel gewonnen. Lehren wir sie, dass, welchen religiösen Standpunkt auch immer die Juden einnehmen, wie .weit auch ihre Ansichten in religiösen. Dingen auseinander gehen mögen, alle insgesamt, sofern sie nur sittlich,denken und fühlen, den Abfall als nichtswürdig verdammen müssen. Denn die Apostasie ist keine dogmatische Frage mit einem differenzierbarem Standpunkt, sondern eine Sittlichkeitsfrage, und das Sittengesetz und die Ehre, die mit der Apostasie preisgegeben werden, sind nicht an eine religiöse Richtung gebunden, sondern unveränderliche und unveräusserliche Güter des Gewissens, mit denen unsere Menschenwürde steht und fällt. Aber ebendesshalb verträgt sich ein wirklich sittlicher Standpunkt auch nicht mit einem wie immer gearteten Umgang mit dem Judentäufling und sei er der grüsste Gelehrte, der berühmteste Arzt, der beliebteste Schriftsteller, Schauspieler oder ein' Milliardär. Haben wir erst einmal auf diese und ähnliche Weise die sittlichen Begriffe geklärt, dann tritt noch eine zweite ebenso wichtige Aufgabe an uns heran: die Zurückgewinnung der Jugend für das Judentum. Weiterer Aufgaben bedarf es nicht; in diesen beiden ist das ganze Regenerationswerk, ja, sogar die Rettung vor unausbleiblichem Untergang enthalten. Auf den ersten Blick mag dieses Pensum gar geringfügig und unzulänglich erscheinen und manche LeSer mögen denken: parturiunt montes .... die Berge kreisen, um eine kleine Maus zu gebären. Aber der Inhalt dieses Programmes mit diesen zwei Punkten ist so arbeitsreich, dass die Kraft unserer Besten und Fähigsten für viele Jahre hinaus beansprucht werden wird, bevor auch nur einige bescheidene Früchte zur Reife gelangen werden. Nicht etwa, dass ich kein Vertrauen zu unserer jüdischen Jugend hätte; im Gegenteil bin ich überzeugt, dass in unserer I jüdischen Jugend eine solche Summe von edlen Keimen I schlummert, dass eine hingebende Bearbeitung dieses Feldes herrliche Früchte tragen muss. Mag auch ein grosser Teil der jungen Generation durch eine schlechte Erziehung missleitet und verdorben worden sein, degeneriert ist sie gottlob noch nicht. I nser ganzes westeuropäisches Judentum befindet sich im Stadium eines Schwerkranken, dessen starke Konstitution durch ein langes Siechtum geschwächt, nach Wiedergenesung ringt und nicht sterben will. Wenn allmählich der geschwächte Körper die Krankheit zu bezwingen scheint, dann liegt es in der Natur des Heilungsprozesses, dass die im Organismus kreisenden Krankheitskeime und die stockenden Auswurfstoffe sich von dem genesenden Organismus loslösen und ihn verlassen. Die Genesung eines krankgewordenen V.o lkskörpers kann nur dadurch herbeigeführt werden, dass man die jugendlichen Elemente ihm von neuem assimiliert. Und diesen Assimilierungsprozess müssen wir einleiten, indem wir unsere ganze Kratt an die Wiedergewinnung unserer Jugend setzen. Wahrlich, bei unserer begeisterungsfähigen jüdischen Jugend eine aussichtsreiche und dankbare Arbeit. Mit welchen Mitteln kann man aber eine Jugend, und sei sie die beste, für Ideale zurückgewinnen, die in ihren Augen Jahrzehnte lang missachtet und bei Seite geschoben, und sogar verleumdet und verlacht worden sind' Gerade in Erkenntnis dessen istunsere zweiteilige Arbeit eine überaus schwere und trotz dieser nur zwei Postulate enthaltenden, viel mühevoller, als es auf den ersten Blick erscheint. Meines Dafürhaltens gibt es hierfür zwei Wege. , Wenn wir in unserem Jahrhundert, einer Aera des Schrifttums, erfolgreich für unsere Ideen wirken wollen, so müssen wir uns auch der Schrift in erster Linie bedienen. Die vox viva, die tönende Stimme mag eindrucksvoll in der Versammlung bis zur .Begeisterung stimmend wirken, wenn aber dem verhallenden Worte nicht die bleibende Schrift folgt, so verfliegt gar bald die Begeisterung und die grössten Ge-< danken, und wären sie weltbewegend, wurden wie leerer Schall ohne nachhaltige Kraft verhallen, wenn nicht das geschriebene Wort sie der Menschheit aufbewahrte. So bedürfen wir denn für unsere erwachsende jüdische Jugendeiner eigens für sie bestimmten Schrift, in der sie in stillen Stunden liest: zum Nachdenken angeregt, sich auf sich selber besinnt und eine Lebens- und Weltanschauung daraus gewinnt; einer Schrift, die sie belehrt über unsere grosse geschichtliche Vergangenheit, über unsere. schier unermessliche Literatur, über das Leben unserer grossen Männer und Frauen, einer Schrift, die neben Belehrung unö Erbauung und religiöser Aufklärung auch aus der grossen belletristischen Literatur das Anziehendste und Beste bringen würde. Hervorragende Männer diesseits und jenseits des Ozeans, mit denen ich über diese Angelegenheit schon seit langer Zeit korrespondiere und denen die Zukunft unseres Stammes ebenso warm am Herzen liegt, sind mit mir gleicher Ansicht und erwarten von einer solchen Schrift viel mehr als von Vorträgen jeder Art. Zu keinem anderen Zwecke müssten uns unbedingt und fraglos so viele Mittel bewilligt werden, als für diesen

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