Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-10-01 · Nr. 8 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 8 - Oktober
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6028970-6074156--1161-4865307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 90 - r;Veun iu weuigen Jahren fiberall im Vateilande, wo Juder wohnen, sich Ferienkolonien befinden, die den armen anriechen Kindern der Glaubensgenossen Heilung and Erjj0!Dg bringen, dann mag aus gramumdüsterten Herzen der pern, von den Lippen der Kinder gar oft ein Segenswunsch an Männern gespendet werden, die dieses Werk gefördert naben, und ich meine, eine schönere, reinere und bessere Genugtuung wird es für die Brüder nicht geben.'* Mit diesen Worten schloss Br. Ad. Mayer sein Referat im Jahre 1891. Die fiottaungen und Wünsche, die ihn damals beseelten, sind indes in Erfüllung gegangen. Wir legen daher an seinem Tmlestage seine eigenen Worte als Kranzspende auf sein Grab.; ~7' - Die Wurzeln des Uebels. Eine Studie von Dr. Arthur Kahn, Berlin. ■(Schluss.) Am Schlüsse meiner vorigen Ausführungen erwähnte ich. dass. entgegen den zersetzenden Einflüssen in unserem modernen Gesellschaftsleben, vielfach Gegenströmungen sich geltend machen und, wie in vielen christlichen Familien mehr wie vordem, eine Konzentration in den Vordergrund tritt. Und noch rhehr. Ueber den engen Familienkreis hinaus suchen heute die kleinsten Volksstämme mit Aufgebot ihrer ganzen -Kraft ihre nationalen Eigentümlichkeiten zu erhalten und sich völklich zu zentralisieren, ihre Sprache und Sitten ihren Kindern zu lehren. Die heftigen Kämpfe in den Parlamenten um Autonomie und Anerkennung der Muttersprache, die ständigen Erhebungen in den Balkanländern, der Nationalitätenkampf in den österreichischen Kronländern, die Polenbewegung, die Zwistigkeiten zwischen England und Irland, die irredentistischen Unruhen in Südtirol, die Aufstände in Indien und Arabien, sogar die völlige Trennung zweier so engl verwandten Länder wie Schweden und Norwegen besagen nichts anderes, als den festen EntscWuss der Völker, ihre Stammesreinheit um jeden Preis zu erhalten und ihre nationale Existenzberechtigung mit allen ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln durchzusetzen. Das ist ein Zug unserer Zeit! Kann man angesichts solcher Erscheinungen den sich von Jahr zu Jahr mehrenden Abfall vom Judentum mit dem „Zug der Zeit" erklären, der doch gerade auf eine gegenteilige Absicht hinweist? Hier versucht ein Haufen Juden aus seiner Volksgenossenschaft hinauszuflüchten, die Auflösung derselben herbeizuführen; jedenfalls sich ihr zu entziehen, selbst für ein noch ganz unbekanntes, vielleicht überhaupt nicht erreichbares Ziel. Dort der energische Wille, auch der-Uebermacht gegenüber Stammesherkunft, Muttersprache, Heimatrecht und Landessitte, mit Aufopferung aller persönlichen Vorteile zu erhalten. Mithin liegen die Ursachen des Abfalls nicht ausserhalb, sondern innerhalb des Judentums. Auch ein anderes häufig angeführtes Argument, dass die dem ungetauften Jaden verschlossene Staatskarriere Eltern bestimme, ihre Kinder taufen zu lassen und jüdische junge Leute an das Taufbecken treibe, i s t kein Argument, sondern nur eine Ausrede, seine jüdische Herkunft zu verwischen. Und mms es denn absolut eine Beamtenkarriere sein? Seit wann werden überhaupt Juden vom Staate angestellt? Wir sind ja kaum emanzipiert und sind aus vergangenen Zeiten doch gewiss nicht gewohnt, Beamten- oder sonstige Staa'sstellen einzunehmen. T ' ' Ii . 'v i ., Mithin versagt denn auch dieses „Argument", und die, allerdings unwürdige soziale und politische Lage der Juden in Deutschland gibt keinen vollgültigen Erklärungsgrund ab für die verschiedenen Abfallserscheir.ungen Die Lage der Juden war in früheren Jahrhunderten noch hundertmal trauriger und trostloser als heute, ohne solche schimpflichen! Vorkommnisse zu zeitigen. Und wenn das auch nur halbj wegs zutreffend wäre, was müssten wir erst von | unseren russischen Brüdern zu erwarten I haben, die heute noch dieselben Qualen ihres Glaubens i und ihrer Rasse wegen zu erleiden haben, wie unsere Vorfahren im Mittelalter! Stehen diese von den deutschen und übrigen „Taufjuden<: i oft tief verachteten russischen und polnischen Juden, die, ' ihres Glaubens willen, ihre Thora auf dem Arm, in edler Selbstentsagung in die Verbannung, in die Fremde, in die! Gefängnisse wandern, nicht tausendmal höher als jene? Also : auch die soziale und politische Lage der Juden ist nur ein! Vorwand, aber keine Erklärung oder gar Entschuldigung I lür den Abfall. Allerdings ist der törichten Ueberschätzung der Fähigkeiten ihrer Kinder bei vielen unserer Glaubensi genossen schon zuzutrauen, dass sie vermeinen, es wäre denn doch zu schade,. wenn ihre Söhne ihre zukünftige \ Grösse nicht dem Staate weihten, obgleich die Tatsachen r lehren, dass nur die allerwenigsten dieser Täuflinge durch; hervorragende Geisteskräfte dazu veranlagt sind, dereinst i als Sterne zu glänzen. Nein! nicht dem Zug der Zeit, nicht ausserhalb des Judentums liegenden Bewegungen darf man die tägliche! Fahnenflucht zumessen; in unserer eigenen Mitte muss ein i Suropfcoden existieren, auf dem die Giftpflanzen des Verrats und das Unkraut des Abfalls so üppig gedeihen und die wir mit fester Hand ausjäten müssen, wenn sie uns nicht ersticken sollen. Wo liegen nun in Wirklichkeit die Wurzeln d e s U e b e 1 s? In allererster Linie im engsten jüdischen Kreise, | das ist die jüdische Familie, die, wie leider nicht bestritten! werden kann, bedenklich schadhaft geworden ist. Darüber sind; alle, ohne Unterschied des religiösen Standpunktes, die über den I Niedergang des westeuropäischen Judentums nachgedacht : haben, einig. Die „moderne" jüdische Familie, in deren | Mitte heute — wahrscheinlich weil wir „im Zeitalter ' des | Kindes" leben —, die Autorität der Kinder ebenso gebieterisch | waltet, wie ehemals die elterliche, erzieht förmlich zur Ab- | kehr und zum Abfall, wohinzu noch kommt, dass sich die; heutige Generation für viel gebildeter und aufgeklärter hält, | weil sie zwanzig oder vierzig Jahre spater geboren ist, als j ihre Vorfahren. Seitdem der altjüdische Geist und die alt- | jüdischen Tugenden aus dem Familienkreise gewichen, keine I neuen Ideale an die Stelle der preisgegebenen getreten sind,! sind auch die Fundamente unserer Zukunft erschüttert Ein I sich höherer Lebensaufgaben nicht bewusstes, weder jüdisch ^^^^^^^^^^^^^^HÜHH^^HK'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.