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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 7 - September
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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folgendermaßen konstituiert: Zum Vorsitzenden wurde Bi Maretzki, zum stellvertretenden Vorsitzenden Br. Bergel un l zum Schriftführer Br. Wolff gewählt. Es wurde zunächst beschlossen, die Ausgaben voa urfgefätir 800 M, die Br. Tuci für die Ausbildung und Erhaltung der beiden Krankenschwestern ans Galizien, Ella und Antonie, von denen die eine ins Kranken haus nach Krakau, die zweite nach dem Hospital Bikkur Chaulim in Jaffa kommt, vorgeschossen hat, von der Grossltjge zu übernehmen. Allerseits wird anerkannt, dass dis Sendbotin^ die Br. Tuch nach Galizien geschickt hatte, trotzdem sie ..unbeliebt geworden sei, dennoch viel Gutes geleiste habe, denn sie habe die galizische judische Bevölkerung auf gerüttelt und'über alle Schäden und Gefahren aufgeklärt, diü den Frauen und Mädchen drohen. Sie hat den schwieriger Boden für die soziale Besserung urbar gemacht und das Ver sländnis für diese Ideen in weite Kreise getragen. Br. Katschinsky hebt hervor, dass trotz der bisheriger Misserfulge in Galizien die Arbeit doch nicht ganz vergebens gewesen sei. Die verständigen Galizianer betrachteten uns doch als die Väter der ganzen Bewegung zur Bekämpfung des Mädchenhandels und auch in Russland werde nach deutschen Vorbilde gearbeitet. Es bleibe aber dem neukonstituieitei Komitee unter der neuen Aegide viel zu leisten übrig. Auf die Frage des Br. Landsberg,, was nun jetzt ge scheuen, und in welcher Weise das neue Komitee arbeiten olle, entwirft Br. Maretzki den Arbeitsplan. Zunächst werde es nötig sein, in allen Grenzuud Hafenstädten, sowie am •len Durchgangstatioaen Komitees zu gründen und Vertrauens männer zu ernennen. Br. Maretzki führt einige Fälle vor von denen ihm Br. Laskar und ein anderer Mitteilung ge macht haben, um zu zeigen, wie solche Vertrauensmänner unent 4)ehrlich sind. Ferner werde es nötig sein, Vereine und Frauen in den einzelnen Städten zu interessieren, damit sie allein' stehenden Mädchen mit Rat und Tat beistehen sollen. Frl Pappenheim sei es gelungen, in Galizien und der Bukowina in fjlgerden 8 Städten: Czernowicz, Kolomea, Krakau, Lern bug, Stanislau, Stryj, Suczawa und Tarnopol Damen und Herren zu gewinnen, die bei der jüdischen Bevölkerung Ver trauen gemessen und für die Bekämpfung des Mädchenhandels eifrig mitwirken wollten. Diese S Vereine in Galizien und in der Bukowina würden auf Antrag des Frl. Pappenheim vom Hilfsverein mit je 100 Mk. jährlich subventioniert werden, um arbeiten zu kennen; Br. Maretzki habe sich dafür zu stimmend ausgesprochen. Die von Frl. Pappenheim entworfene Liste der Vereine und Personen, wo Frauen und Mädchen Rat und Schutz erhalten, will Br. Maretzki noch ergänzen. Zu dem Zwecke hat er sich mit Rabb. Margulies in Florenz in Verbindung gesetzt, der ihm Vertrauensmänner in Genua, Livorno, Palermo und Messina bezeichnen will. Ebenso bat Br. Maretzki sich an den Grand Rabbin Dreyfuss gewandt, um in den Hafenstädten Frankreichs, Marseille und Havre, Adressen zu er halten. Die Tätigkeit der zu gründenden Komitees and der Vertrauenspersonen wird darin bestehen, verdächtige Männer oder Frauen, die mit Mädchen reisen, abzufassen oder ihnen wenigstens die Opfer zu entreissen. Für die Vertrauensmänner werde es nötig sein eine In 86 - f. / . " | struktion zu geben. Ausserdem werde man die jüdische Be- [ völkerung in Ost-Europa durch Belehrung zu beeinflussen suchen. In' dieser Richtung existieren bereits verschiedene Schriften. Br. Maretzki hat nun diese „Warnungen und . Ratgeber" in eine Broschüre zusammeDgefasst, worin auf die Gefahren aufmerksam gemacht wird, denen Frauen und Mädchen durch schlechte Menschen (Agenten, Kuppler) ausgesetzt sind. In diesem Büchlein, das in 4 Sprachen (Deutsch, Polnisch, Russisch, Jargon) geschrieben ist, werden auch die Adressen der Helfer in allen Ländern verzeichnet sein, sodass es den Frauen leicht sein wird, überall Hilfe und Schutz zu erhalten. Br. Laskar meint, die Ausführungen des Br. Maretzki hätten gezeigt, dass das neue Komitee mit Verständnis zu arbeiten gewillt sei; es sei daher zu hoffen, dass es auch mit Erfolg arbeiten werde. Redner möchte auf Grund seiner Erfahrungen noch darauf hinweisen, dass auch in den Ausgangshäfen Russlands Vertrauensmänner einzusetzen seien. Ferner schlägt Br. Laskar vor, die Vertrauensmänner des Hilfsvereins auch zu Vertrauensmännern des Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels zu machen, da diese mit den Auswanderungsangelegenheiten beschäftigt, eine gewisse Routine besässen und mit Leichtigkeit die verdächtigen Individuen zu erkennen imstande sein würden. Der Modus der Wirksamkeit der Vertrauensleute wäre nach seinem Dafürhalten der: Jeder Vertrauensmann erhält die Liste aller Vertrauensmänner, insbesondere die der Hafenplätze, an die er sich gegebenen Falls auf schnellstem Wege (Telegraph, Telephon) wenden Könnte. Die Vertrauensmänner müssten selbständig arbeiten und nach ihrem Gutdünken ohne vorherige Anfrage bei der Zentralstelle disponieren, da ein Aufschub in solchen Fällen verhängnisvoll ist. Allerdings müssten sie von den unternommenen Schritten der Zentralstelle schleunigst Mitteilung machen. Schliesslich betont der Redner, dass die Hilfe der Damen bei dieser Aufgabe nicht zu entbehren sei. Br. Katschinsky stimmt diesen Vorschlägen zu und weist noch darauf hin, dass man auch die Hilfe der Grenzkommissare in Anspruch nehmen müsste. Diese Beamten hätten /dem Komitee in Kattowitz schon manchen Nutzen gebracht. Es 'wäre wünschenswert, wenn die Regierung diese Grenzbeamten auf das Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels aufmerksam machte, und sie anweisen wurde, den jüdischen Vertrauensmännern behilflich zu sein. Br. Landsberg schlägt vor, sich mit der Bahnhofsmission in Verbindung zu setzen und an den Bahnhöfen, sowie in den Eisenbahnwagen Warnungen mit jüdischen Lettern im Jargon anzubringen, ähnlich den Plakaten der Bahnhofsmission für alleinreisende Mädchen. Br. Laskar meint, dass die Haupttätigkeit des Komitees auf den Grenzkontrollstationen und Auswanderungshäfen bestehen werde. Br. Maretzki ersucht Br. Laskar eine Instruktion für die Vertrauensmänner zur Ueberwachung des Mädchenhandels auszuarbeiten, was dieser zu tun verspricht. Ferner liest Br. Maretzki das Anschreiben vor, das er an Damen und Herren gerichtet hat, worin er sie ersucht zu gestatten, dass ihre Namen in der „Freundschaftlichen Warnung" aufgeführt werden, und sie am tatkräftigen Beistand für gefährdete Frauen and Mädchen bittet.

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