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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 7 - September
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 76 — erbt hatten, erwarben sie am hohen Preis, am es zu besitzen, und je grössere Opfer ihnen abgefordert wurden, desto 1 eurer wurde ihnen die angestammte Religion. Aus dem Schosse des Judentums ist auch die mohammedanische Seligion hervorgegangen; auch diese Tochter zeigte sich undankbar gegen die Mutter und bedrängte deren Söhne. Aber all die Leiden und Verfolgungen in den verschiedensten Zeiten, in den verschiedensten Lindern und unter den verschiedensten Religionen ertrug Israel mit staunenswertem Heroismus, mit Selbstverleugnung und Opferfreudigkeit. Und dies ist ein beredtes Zeugnis für die Wahrheit, die Kral i und den Segen der judischen Religion, wie für den religiösen Sinn, das tiefempfundene Oemüt und die Charakterfähigkeit ihrer Bekenner. Es sind nur wenige Gedanken, die ich aus der Eichelbacherschen Schrift wiederzugeben versucht habe. Diese dürften genügen, um unseren Brüdern zu zeigen, dass wir es mit einer bedeutsamen Arbeit auf apologetischem Gebiete zu tun haben, die jeder, der für die Ehre und Lehre des J identums sich ein Herz bewahrt hat, ileissig lesen und eingehend studieren sollte.*) Der vornehme Ton, dessen sieh Br. Eschelbacher bei der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern befleissigt, der sittliche Ernst, den jede Zeile dieses Buches atmet, wirken auf den Leser wohltuend und überzeugend. L eberzeugt von der Wahrheit der jüdischen Religion, durchdrungen von Israels Mission unter den Völkern, ausgerüstet mit ehrlichen aber schneidigen Waffen zur Verteidigung des Judentums wird der Leser das Buch aus der Hand legen. Die Schlusssätze über die geschichtliche Stellung des Judentums unter den verschiedenen Völkern, die bei Eschelbi icher im prophetischen Stil und Ton gehalten sind, werden nie aus seinem Gedächtnis ' schwinden. „Zweige vom Baume I des Judentums sind anderen Bäumen aufgepfropft worden und haben unter den verschiedensten Völkern einander verwandte Religionen erzeugt. Die verschiedenen Zweige des Christentums wie des Islam gehen alle auf die gemeinsame Wurzel Israels zurück. Aber auch der Mutterbaum hat sich erhalten und steht fest und lebenskräftig neben den anderen Bäumen, die durch seine Pfropfreiser ihre religiöse Umbildung erhalten haben. Was ihnen Saft und Kraft gespendet hat, das ist dem alten Stamme, der sie zuerst erzeugt Eiuch aufenthat, nicht entzögen worden. Konnten seine Zweige sich nicht mehr weit ausdehnen, suchten die neben ihm gesprossten Bäume ihm auch vielfach die Nahrung zu ziehen, seine Wurzeln waren zu stark und zu fest eingesenkt, als dass ihnen das hätte gelingen können. Unter Gottes Luft, Licht und Regen ist er weiter gediehen, und er hofft mch ' ferner auf eine segensreiche Zukunft, auf ein weiteres, fris ches und kräftiges Wachstum, auf neue Blüten und FTüchte.f — et. •) Die von Br. Eschelbach im Jahre 1906 veröffentlichte Schrift: „Das Ju/lenrum und das Wesen des Christentums jetzt in zweiter Auflape. Es wäre von -grossem Werte, wenn Logen über die einzelnen Kapitef dieser beiden vortrefflichen Bü cher Referate halten lies—:., damit alle Brüder die dort enthaltenen •laiikcn sich aneigneten. erscheint die hex Ge- Die Wurzeln des Uebels, Eine Studie von Dr. Arthur Kahn, Berlin. Die Weltgeschichte ist eine ewige, unentwegte Lehrmeisterin, die auf ehernen Tafeln die Schicksale der Menschheit mit anvergänglichen Zügen einzeichnet, Völkern und Fürsten ihre eindringliehen Lehren und Warnungen erteilt. Ihr zur Seite steht, als integrierender Bestandteil, die Statistik; ihr nicht untergeordnet, nicht willkürlich ein- und ausschaltbar, sondern als ein fundamentales Gefüge, das uns den Schlüssel zu den Geschehnissen der Zeiten in die Hand gibt , Mit Recht sagte daher auch August Ludwig von Schlözer: „Statistik ist stillstehende Geschichte, Geschichte eine fortlaufende Statistik." Es ist bald hundert Jahre her, dass dieses Wort geprägt worden ist, und es hat seitdem an steigendem Wert gewonnen, sodass es heute als Axiom anerkannt wird, d. b. als eine wissenschaftliche Wahrheit, die nicht erst bewiesen zu werden braucht. Nebenbei bemerkt, pflegen unsere „wissenschaftlichen Wahrheiten" sonst kein so hohes Alter zu erreichen und unsere philosophische Weisheit muss sich im Laufe der Zeiten oft so viele und umgestaltende Wandlungen gefallen lassen, dass das Endglied mit dem Anfang gar keine Verwandtschaft mehr erkennen lässt. Diese zur Demut mahnende Erkenntnis hat von jeher unsere wahrhaft grossen Geister vor Unbescheidenheit und Gelehrtenhochmut bewahrt. Sie gebietet Vorsicht in unseren Voraussetzungen (Hypothesen), denn nur zu oft erweisen sich selbst die geistreichsten Schlussfolgerungen im Lichte späterer Nachprüfung als schillernde Seifenblasen. Das braucht uns, wie sehr es auch an die Unzulänglichkeit unseres Wissens oder Könnens gemahnt, nicht zu betrüben. Denn jede neue Wahrheit beseitigt einen alten Irrtum und führt uns einen Schritt vorwärts oder zu einer verlornen alten Wahrheit zurück. Gerade Schlözers Ausspruch über die Statistik erinnert uns daran, denn schon vor mehr als dritthalb Jahrtausenden sagte der griechische Weise Pythagoras. dass die Zahl das Wesen aller Dinge sei. Die Zahlen, soweit sie mit der Geschichte zusammenhängen, sind die Seele der Statistik, und sprechen oft in viel eindringlicherer Sprache zu uns, als blosse Worte vermögen; sie bilden den Kommentar zu den historischen Begebenheiten. Die Statistik wird denn auch in Zukunft, und ganz besonders im modernen Völkerleben den ihr gebührenden Raum einnehmen und die unentbehrliche Gehilfin der Geschichte bleiben.1) Es ist nun aber doch nicht von mir beabsichtigt, hier eine statistische Lektüre darzubieten und dabei zahlreiche _3_ 1 Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch in der Statistik mit dem .Geist der Zahlen*' wie ja auch bei andern Gelegenheiten, etwa bei finanziellen Gründungen oder bei Geschäftsbilanzen, und wie die realen oder auch nicht realen Wertdarstellungen noch sonst heissen mögen, nicht nur unbeabsichtigte Irrtümer begangen werden, wie das gerade wir Juden nur allzu häufig erfahren: Es ist ja auch leicht zu verstehen, dass die den Zahlen innewohnende Bedeutung von der Interpretation, die ihnen unterlegt wird, wesentlich abhängt, und dass subjektive Anschauungen, die mit hineinspielen, ihren moralischen und materiellen Wert zu ändern vermögen.)

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