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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 7 - September
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 74 — 1 ausruhen; einer muss den anderen anregen und zur Mitarbeit Teraülassen, einer den anderen bei den heiligen Aufgaben für die Menschheit unterstützen und ihm zurufen: ,,Sei stark, werde ein Segen!" Nur dann werden wir unaufhaltsam vorwärts Schraten, vorwärts kommen auf dem "Wege der Entwickelung. der zur Selbstveredelung und Vervollkommnung fährt. In diesem Sinne entbieten wir bei dem Beginn des i Leuen .Jahres unseren w. Tochterlogen und unseren lieben Brüdern unsere herzlichsten und innigsten Wünsche. Möge dan anbrechende Jahr ein Jahr des Segens und des Glückes für uns alle sein. Mögen unsere Logen, unsere Brüder und ihre Familien in diesem Jahre verschont bleiben von jedem Ungemach, von jeglicher Heimsuchung und schwerer Prüfang. Möge beglückender Frieden walten in den Häusern ue serer Brüder, hehre Freude in unseren Arbeitstätten, die Freud e an der selbstlosen Arbeit für alles Edle, Hohe und Erhaoene, an dem uneigennützigen Wirken für die Ideale unseres Or iens. Das walte Gott! Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie. IL Wer den Gedankengang eines guten Buches wiedergeben will, gleicht einem Manne, der in eine Schatzkammer Ehlass erhält, mit der Erlaubnis, von den dort aufgehäuften Schä zen, von den dort befindlichen zalüreichen Edelsteinen und Perlen nach Herzenswunsch nehmen zu dürfen. Ein solch beneü ienswerter Mensch gerät in arge Verlegenheit; er weiss nicht, was er zuerst wählen soll, am liebsten würde er alles mitnehmen. So geht es demjenigen, der die Inhaltsangabe der wertvollen Schrift des Br. Dr. Eschelbacher zu machen sich anschickt. Die Gedanken daselbst sind so sachlich geordnet, die Ausführungen so klar und deutlich, die Sprache so;del, die Diktion so vornehm, dass man leicht versucht wird, illes aus diesem herrlichen Buche mitzuteilen. 1 Den zweiten Teil leitet Echelbachef mit folge iden Sätzen ein: „Die grossen Schöpfangen der Kultur, der Religion der Kunst und Wissenschaft, die 2s inive und Babylon, die Thsben und Memphis hervorgebracht haben, sind mit deren Zerstö ung untergegangen. I "nter ihren Rniuenstätten sind sie lang! begraben gelegen, bis nach Jahrtausenden der Zufall zu ihrer Entdeckung geführt und moderner Forschungseifer die Feste ihrer Literatur wieder entziffert hat. Auch Palästina hat zahlreiche Trümmerstätten. Jerusalem ist mehrmals bis auf den Grund zerstört worden. Wer unter ihnen r achgraben wollte, würde vielleicht noch Gold und Silber, wahrscheinlich nur die Totengebeine seiner Kämpfer finden, Schätze seines Geist es aber blieben niemals ihnen zurück. Diese nahmen die Uebriggebliebenen seiner Söhne als ihr bestes Erbgut mit in ihre neue Heimat." Dieses Erbe behütete Israel im Laufe seiner Geschichte und machte es zum Gemeingut des gesamten, Volkes. Wohl waren die Propheten die Organe der Offenbarung Gattes, aber deren Pfleger und Träger waren die Söhne Israels in ihrer Gesamtheit. Die Religion erstarkte in Israels Mitte und wurde gross, weil die Väter des Schriftwortes eingedenk Die unter waren, das einst an den Patriarchen Abraham erging (1. M. 18, 19) und es als ihre heiligste Aufgabe ansahen, ihren Kindern und ihrem Hause nach ihnen zu lehren, dass sie den Weg Gottes wahren und Gerechtigkeit und Milde üben. Diese Aufgabe betrachtete auch Israel als seine Mission inmitten der Völker-Familien. Dieser von unseren Ahnen behüteten und gepflegten Religion verdankt Israel seinen Fortbestand; sie war sein Lebensmark nach dem Zusammenbruche der politischen Selbstständigkeit, sie hütete ihre Hüter und bewahrte sie als Volk, wie der Midrasch diesen Gedanken so sinnig ausdrückt: „die Bundeslade trug ihr Träger." In dem babylonischen Exil bleibt Israel das Volk der Offenbarung, denn dorthin nahm er seine Tora, die Gesetze und Lehren seiner Propheten, die heiligen Lieder seiner gottbegnadeten Sänger, die in der Fremde auf das Volk eine viel tiefere Wirkung ausübten als früher auf dem heimatlichen Boden. Und als später nach der Rückkehr eines kleinen Teils des Volkes aus Babylon der Tempel zu Jerusalem unter endlosen Schwierigkeiten und Mühen von neuem entstand, da traten allerdings keine Propheten mehr auf, aber in ihrem Geiste und in ihrem Sinne wirkten die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer, die durch die von ihnen getroffenen Einrichtungen die Religion Israels in Kraft, Wärme und Bewegung erhielten. Sie haben der Welt die heiligen, Urkunden Israels gerettet, dem Judentum einen festen Bestand in dem Wechsel der Zeiten und der Geschlechter gegeben, das Leben des einzelnen Israeliten durch religiöse Satzungen geheiligt und geweiht. Ohne die Tätigkeit und Schöpfungen dieser Männer wäre auch die Entstehung des Christentums unmöglich gewesen. Denn Jesus knüpfte nicht, wie die christlichen Gelehrten behaupten, unmittelbar an die Propheten, sondern an das Judentum seiner Zeit an, an das, was er im Elternhause kennen gelernt, an die Worte und Lehren, die er in den Lehrhäusern und Synagogen vernommen hatte. Die Einrichtungen der Schrift-' gelehrten sind auch die Vorbilder Tür die Schöpfungen der Kirche gewesen. Und welchen Dank ernteten diese Schriftgelehrten für alles das, was sie der christlichen Kirche geboten haben? Sie werden von der protestantischen Theologie als trockene Naturen mit engem, beschränktem Gesichtskreise hingestellt, deren Streben es war, Israel mit einem Wall von Satzungen zu umgeben, und es so von den übrigen Völkern abzusondern. Noch düsterer werden die letzten Jahrhunderte vor dem Auftreten Jesu gezeichnet. Dank den neuern Forschungen jüdischer Gelehrter, Wagt man zwar nicht mehr, die führenden Männer jener Zeit, die Pharisäer, als Heuchler und Scheinheilige zu bezeichnen, dafür sind sie nach christlicher Darstellung hölzerne Pedanten, das von ihnen vertretene Judentum wird als die Religion der Buchstabengelehrsamkeit hingestellt. Diese düstere Schilderung der Zeit des sogenannten Spätjudentums ist nicht ohne Absicht. „Nacht muss es sein, wenn der Stern von Bethlehem aufgehen soll." Falsch und ungerecht ist ferner die christliche Auffassung von dem jüdischen „Gesetze". Seit Paulus, der in den Paulinischen Briefen den schärfsten Gegensatz zwischen Glauben und Gesetz aufgestellt hat, wird von christlicher Seite das Judentum als eine starre, verholzte, des inneren

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