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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-09-01 · Nr. 7 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 7 - September
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im September 1007. No. 7. Bericht der Möge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel ans diesen Berichten verboten. Fernspreeher: D. Wolff, VI. No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Inhalt: Zum neuen Jahre. — Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie. — Die Würzein des Uehels. — Wie " fördern wir die bei uns ansässigen osteuropäischen Juden. — Sitzung des Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels. — Im Jaffa'schen Kinderheim. — Aus dem Gedachtnisbuch der Grossloge. — Mitteilungen, der Logen. Zum Neuen Jahre. Wiederum sind wir an einem wichtigen Abschnitt unseres Lebens angelangt, an die Jahreswende gekommen, wo das alte Jahr, ein Teil unserer Lebensfrist, ins Meer der .Ewigkeit taucht, und ein neues, mit dem wir unsere Wanderung fortsetzen sollen, beginnt... Ein solcher Zeitpunkt regt den Menschen zum Nachdenken an und stimmt ihn ernst und wehmütig. An seinem geistigen Auge zieht all das vorüber, was er im Laufe des scheidenden Jahres erlebt hat; erfreuende und betrübende Erinnerungen drängen sich vor seine Seele. Er blickt auf manch rauhen Weg, den er im alten Jahre gewandelt, auf manches Leid, von welchem er betroffen wurde, auf manchen versagten Wunsch, manche ^vereitelte Hoffnung. Wie es dem Einzelnen ergeht, so ergeht es auch einer Gesamtheit, einer Vereinigung, einer grossen Familie, wie unser Orden es ist. Auch unser Blick richtet sich an der Grenzscheide zweier Zeiten auf die zurückgelegte Wegstrecke und unser Auge füllt sicji mit Tränen bei der Erinnerung an die lieben Brüder, die vor Jahresfrist unter uns geweilt, die in unseren Reihen gestanden, von gleichem Streben beseelt, mit uns mitgearbeitet hatten. Mit aufrichtiger Trauer und schmerzerfüllten Herzens gedenken wir all der lieben Brüder, die, sei es als Mitbegründer von Logen, sei es als Beamte, sei es sonst als Brüder durch ihre Tätigkeit und Mitarbeiterschaft, durch ihr rastloses Wirken für die hohen Ideale unseres Ordens leuchtende Vorbilder in Logenkreisen waren und inmitten ihrer segensreichen Tätigkeit von uns abberufen wurden. Das abgelaufene Jahr hat viele Wunden geschlagen, die jetzt bei dem Rückblick aufs neue zu bluten beginnen. Aber wir wollen nicht murren und hadern, denn das alte Jahr hat auch viel Erhebendes uns geboten; es hat genommen, aber auch gegeben. Im scheidenden Jahre war es uns vergönnt, die fünfundzwanzigste Wiederkehr des Tages zu feiern, an welchem unser geliebter Orden auf deutschem Boden seinen Einzug hielt. Bei diesem Jubiläumsfeste, an dem sich unsere Tochterlogen, die Freunde und Gönner unserer heiligen Sache um uns geschart haben, hatten wir die hohe Genugtuung zu sehen, wie mächtig der Ordensgedanke im Bewusstsein der Jaden Wurzel gefasst hat. Nicht nur nach innen sind wir erstarkt, sondern auch nach aussen sind wir gewachsen. Wir durften auf herrliche Früchte zurückblicken, die ein Vierteljahrhundert gezeitigt, die uns ungeteiltes Lob und neidlose Anerkennung gebracht haben. Diese erreichten Erfolge dürfen aber keineswegs uns stolz machen und uns etwa veranlassen, als „Beati possidentes" die Hände in den Schoss zu legen. Denn noch ist unsere Mission nicht abgeschlossen, noch .sind unsere hei-" ligen Aufgaben nicht ganz gelöst. Es harren unser der Arbeiten gar viele auf den verschiedensten Gebieten des geistigen, ethischen und sozialen Menschentums, die wir teils begonnen, aber noch nicht vollendet haben, und die wir zum Teil erst in Angriff nehmen müssen. Das jüdische Neujahr 'wird in unserm Schriftuni auch ein Tag des Gerichts genannt. So möge denn ein jeder unserer Brüder eingedenk dieser sinnigen Bezeichnung mit sich selbst ins Gericht gehen, sich selbst Rechenschaft ablegen, ob er im vergangenen Jahre seine Ordenspflicht ganz erfüllt, ob er stets mit seinem Sinnen und Denken unserm Orden gedient habe, ob er es nicht hie und da an ehrlichem Streben, an aufrichtigem Wollen, an der nötigen Energie, an der erforderlichen Tatkraft habe fehlen lassen. Wohl haben wir in der kurzen Spanne Zeit unseres Bestehens Grosses und Schönes geleistet aber es bleibt noch viel zu leisten übrig. Noch immer ist der Himmel über unseren Glaubensgenossen in den osteuropäischen Ländern mit Finsternis und dichtem Gewölk bedeckt; noch immer ringen sie um ihr Dasein und ihre Menschenrechte und leiden unsäglich ihres Glaubens wegen. Die unausgesetzten Bedrückungen und Verfolgungen, denen die osteuropäischen Juden ausgesetzt sind, wirken schädigend und verderbenbringend auf Leib und Seele. Diesen Bemitleidenswerten und Unglücklichen zu helfen, sie materiell zu kräftigen und ethisch zu heben, soll auch ferner neben den hohen Aufgaben, die wir in unseren Kreisen zu erfüllen haben, unser stetes Streben sein. . Unsere heiligen Ideale aber können wir nur dann zu verwirklichen suchen, wenn jeder von uns ohne Unterschied des Ranges und Standes rüstig mitarbeitet und tatkräftig mit angreift. Keiner unserer Brüder darf zurückbleiben, keiner

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