Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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54 —! bildnng, begründete 1876 seine Advokatur in Karlsruhe u id schaf sich ein Jahr darauf den eigenen Herd. Was er seinsr Familie war und wie glücklich und hirmonisch er im Verein mit der gleichgesinnten Gattin sein — nur einmal durch d<sn Tod eines hoffnungsvollen Sohnes getrübtes — Familienleben ausgestaltete, ist Ihnen Allen vollauf bekannt. Seine ausgedehnte Tätigkeit als Anwalt hinderte ü n sieht, sich alsbald den weiteren Interessen seines Standes zu widmen und seine rührige Kraft auch in den Dienst der A 1gemeinheit zu stellen. So wurde er 1866 durch das Vertrauen seiner Kollegen in den Vorstand der Badischen Anwaltskammer gewähl:: so 1890 als Mitglied der Freisinnigen Partei zum Stadtverordneten; 1801 wurde er Vorstand der Ortskrankenkasse und 1864 Vorsitzender des Krankenkassenverbandes Neben diesen Aemtern, die er von Berufswegen, ais Staatsbürger oier als S >hn seiner zweiten Heimat zu übel nehmen sich verpflichtet fühlte und für deren aussergewöhi - lieh pflichttreue Versorgung er vom Landeshenn mit dem Ritterkreuz I. Klasse vom Zähringer Löwen ausgezeichnet wurde, entwickelte er eine fruchtbare Tätigkeit überall da, wo es galt seine Glaubensgenossen materiell zu fördern, dere i soziale Stellung zu heben oder, wenn die Not es erheischtt, ein Bollwerk zu errichten zum Schutze der Interessen und der verbrieften .»taatsbürgerlichen Rechte der deutschen Judenheit. Es sei diian erinnett, verehrte Trauerversammlung, dass Fiiedberg Mitglied der Badischen Laudessynode seit deren Bastenen und Piäfideut der letzten Tagung war; dass ersieh hervorragen 1 im Vorstande der Vtreinigung Badischer Israeliten t'-tätigtt- $!s einiger Kämpe bei der Abwehr antisemitisch Angriffe g--geu den Einzelnen oder gegen die Allgemeinheit, Ei war ferner Au*schus>mitglied des Hülsvereins der Deutschen Juden. Mitglied der Kuratorien des Altersheims inGailingei unl der Rotschildscheri Lungenheilanstalt in Nordrach. Icl liebe ferner hei vor seine ergiebige, unermüdliche Mitarbei al> Gründer des Vereins tür jüdische Geschichte und Literatur und als dessen Vorstandsmitglied 18 Jahre hindurch. Nieb unerwähnt :*ei endlich seine tatkrättige Mitwirkung bei vielei jüdischen Wohltahrtseinrichtungen in Baden, im übtigei Deutschland und namentlich in Palästina. Und neben all den Pflichten, die ihm diese zahlreichet Ehren>tellen, die ihm Amt und Familie auferlegten, fand ei Zeit und Müsse, seine ganze Person in den Dienst unsres Ordens zu stellen. . Als vor Jahren die Frage einer Bnei Briss-Logengründuug zu Kailsruhe in Fluss kam, da nahm Dr. Fiiedberg diesen Gedanken mit Feuereifer auf: er war der erste, der da begeistert warb und organisierte, und der dann auf aller Brüder Wunsch, die schwierige Aufgabe übernahm, die junge Loge als Präsident zu schützen und zu fördern, wozu er als fertiger Parlamentarier, als gewandter Debatter, als universell gebildeter Jude mitt ausgeprägten gesellschaftlichen Vorzügen wie geschaffen war. f Xach seiner Erziehang und nach seinem Vorleben der geborene Ben Briss verstand er es wie kein Zweiter,, Begeisterung lür die edlen Bestrebungen des Ordens in die Herzen der Brüder zu pflanzen. Seine Tätigkeit für den Oiden war programmatisch bestimmt durch zwei hervorragende Eigenschaften, durch seine glühende Liebe zum Judentum und seine warme Hingebung an das deutsche Vaterland. Er, der als Jüngling vom Ideal der Einigung Deutschlands geschwärmt, der oft mit gleichgesinnten Freunden begeistert den Sang von Vaterland und Freiheit angestimmt hatte, der im Kriege die deutsche Einheit hatte erkämpfen helfen, er musste erleben, dass den Juden ihres Glaubens wegen die durch die Verfassung verbürgte Gleichstellung geschmälert, dass ihre gesellschaftliche Stellung mit System untergraben wurde. Das schmerzte ihn, den Juden und Deutschen tief, und wir könnten oft Zeuge sein eines heiligen Zornes, der ihn überkam, wenn er den schmachvollen Antisemitismus geisselte. Und ebenso heilig war seine Entrüstung, wenn er. aus Anlass der schmählichen Judentaufen nicht nur die Renegaten als charakterlos, sondern auch das Verhalten des Staates, der eine Prämie auf die Taufe setze, als unmoralisch brandmarkte. Solche Momente werden uns unvergessen bleiben. Wenn auch Mancher von uns sich zuweilen in sachlichem Gegensatz zu Br. Friedberg befand, dem Eindruck seiner Persönlichkeit konnte sich "Niemand entziehen, und ich bekenne gern, dass ich mich stets freute, wenn Br. Friedberg an einer Logensitzung teilnahm, denn wir waren dann sicher, dass die Sitzung ihre bestimmte Note hatte, ich kann ruhig sagen, über das gewöhnliche Niveau gehoben wurde. Seiner edlen Schwärmerei für das Judentum entstammte der Eifer, mit dem er die Brüder auf die Schönheiten der jüdischen Literatur hinzuweisen nicht müde wurde, ebenso wie er keine Gelegenheit verabsäumte, die veredelnde Wirkung der Feiertags-Heiliguug auf das Familienleben und die Eiziehung unserer Kinder zu betonen. Und nicht nur für unsere ernsten Arbeiten, sondern auch für die frohen Feste stellte er sich und seine Familie in dankenswerter Weise in den Dienst der Loge. — Als schwere Erkrankung ihre Schatten auf sein arbeite* volles Leben warf, empfand er es schmerzlich, dass die unfreiwillige Müsse, die ihm das ernste Leiden auterlegte, ihn auch zwang, den Logensitzungen fernzubleiben. Doch als sein Gesundheitszustand sich in erfreulicher Weise getestigt hatte, nahm er wieder rege an unseren ihm liebgewordenen Arbeiten teil und noch in allerletzter Zeit hatte er es übernommen, auf der beabsichtigten gemeinsamen Tagung der Süddeutschen Logen in Mannheim unseren Standpunkt in einer wichtigen Frage zu vertreten. — So steht Fiiedberg vor uns als ein Mann, der berechtigt war den Wahlspruch zu führen: Aliis inserviendo consumor, im Dienste für Andere, im Dienste für das allgemeine Wohl vei brauche ich meine Kräfte. Er lebte ein reiches Lebenvoll fruchtbringender Arbeit bis zu der Stunde, da er uus jählings entrissen wurde, nach unerforschlichem, uinyso härterem Schicksalsschlus.se, als wir seine Gesundheit volfjtommen im Gleichgewicht glaubten. Es ist tragisch zu nennen, dass ein unerbittliches Geschick gerade einem Manne, der nnunterbrochen tätig war, ein otium cum dignitate versagt bat. Verehrte Trauerversammlung! Die Carl Friedrich-Loge steht im Kreise der Trauernden ttm Dr. Max Friedberg in erster Reihe, weil sie in ihm den Führer, den Berater verliert, von dem reicher Segen ausging. Er war ein Segen für