Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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christlichen Charakter nicht ganz wohl. Die Ferienpensionate ■ind meist nur für Mädchen. Die-Knaben, die zuweilen als Anhängsel mitgenommen werden, langweilen sich in der Gesellschaft der Backfische. Ausserdem sind diese Ferienpensionate sehr teuer. Auf Grund dieser Darstellungen kam ich vor drei Jahren zu dem Schluss, dass wir Ferienkolonien oder Ferienheime für Kinder bemittelter Eltern schaffen müssten. Der edle Menschenfreund, den ich für diese neue Aufgabe zu gewinnen hoffte, da er sich in seinem Antwortschreiben beifällig über diese Anregung aussprach, ist jäh ans unserer Mitte geschieden. Wir sind daher, bis sich ein reicher Bruder gefunden haben wird, um uns solche Heime zu gründen, auf uns selbst angewiesen. Wir sollen es daher mit Freuden begrüssen, dass gerade ein Arzt es war, der diese Angelegenheit in dem früher erwähnten Monatsberichte wieder zur Sprache brachte, der auf Grund seiner beruflichen Erfahrung noch betonen konnte, „dass unsere Kinder, auch wenn sie nicht ausgesprochen krank sind, einer gründlichen Erholung in den Ferien bedürfen". Das Bedürfnis solcher Kolonien für bemittelte Kinder wird wohl jeder zugeben, über den von Br. Dr. Grunwald vorgeschlagenen Weg aber dürfte noch manches Wort zu reden sein. Zunächst entsteht die Frage: Sollen diese neugeplanten Kolonien sich selbst erhalten oder durch Zuschüsse der w. Logen' Br. Grunwald bat kurz entschieden: .jeder Vater zahlt für ein Kind etwa 50 Mk, die anderen Kosten trägt die Loge.'' Diesem Vorschlage dürften, wie ich befürchte, viele Logen nicht beistimmen. Denneinmal sind die Logen, zumal die kleineren, zu sehr in Anspruch genommen, und zum zweiten werden die Logen, da es sich um Kinder bemittelter, wenn auch nicht reicher Eltern handelt, keine Opfer bringen mögen; denn das Moment der Wohltätigkeit fällt hier weg. Träten wir mit dem Wunsche an die Logen heran, solche Kolonien zu subventionieren, s 3 würden uferlose Debatten entstehen und die an sich gute Sache könnte ad calendas graecas hinausgeschoben werden.4) Aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, dass Kolonien bemittelter Kinder sich selbst erhalten müssen, ohne den Etat der Logen oder die einzelnen Brüder zu belasten. Ja noch mehr, sie sollen jedes Jahr womöglich noch einen kleinen Ueberschuss abwerfen, der zu einem Fonds gesamme t wird, aus dem nach einigen Jahren eigene Erholungs- und Ferienheime in bescheidenem Stile gebaut werden könnet. Denn mit gemieteten Räumen geht es, wie Sachkenner und die Leiter unserer Ferienkolonien es bestätigen werden, auf die Dauer nicht. Ich gestatte mir daher folgenden Vorschlag zu machen: Die in der Nähe der See oder des Gebirges liegenden Logen**) setzen Komitees ein. Diese wenden sich an die Mitglieder Die Einrichtung einer Ferienkolonie für Kinder unserer Legen brttder* hat, wie ich nachträglich in dem Berichte der Grossloge voih Dezember 1899 gefunden habe, die drei Berliner Logen in der gemein schaftlichen Sitzung am 21. November 1899 bereits beschäftigt. Der diesbezügliche Vorschlag üel, weil man eine pekuniäre Schädigung der bestehenden Ferienkolonien für Unbemittelte befürchtete. Bei Ferienkolonie!, die nach meinem Vorschlage si. h selbst erhalten sollen, fällt die damals gehegte Befürchtung weg. *•) Zu diesen zähle ich die Logen in Berlin. Breslau, Stettin, Dan zig Krankfurt. Heidelberg. Freiburg u. a. m., die nur 3—4 Stunden von Kui orten entfernt sind. ihrer Logen mit einem Rundschreiben etwa folgenden Inhalts: Wir beabsichtigen, ohne den Etat unserer Logen zu belasten, Ferienkolonien (Ferienpensionate — auf den Namen kommt es nicht an) für Kinder bemittelter Eltern zu arrangieren und fragen ergebenst an, wieviele Kinder Sie, lieber Bruder, uns anvertrauen, und wieviel Sie uns für jedes Kind bei einem vierwöchentlichen Aufenthalt in einem Kurorte an Pflegegeld geben wollen. Auf Grund der eingegangenen Antworten wird zunächst festgestellt werden können, ob ein Bedürfnis nach solchen Kolonien tatsächlich besteht, ferner werden die Komitees unterrichtet sein, wieviele Kinder sie haben und wieviele Mittel ihnen zur Veifügung stehen und werden rationell, ohne Defizit, womöglich mit Ueberschuss, wirtschaften können. Die Frage betreffs der minderbegüterten Brüder möchte ich nicht erörtern, sondern die Lösung derselben dem Verständnis und dem Takte der einzelnen Komitees überlassen. Zahlt beispielsweise der wohlhabende Bruder für sein Kind 100 M für die Ferienzeit, während die Erhaltung eines Kindes nur 70 M. kostet, so werden die überschüssigen 30 M. den Kindern minderbegüterter Brüder stillschweigend zugute kommen. Auf diese Weise wird dem minderbegüterten Bruder oder auch dem wohlhabenden Bruder geholfen. Denn trotz des vollen Pensionspreises, den dieser bezahlt, erweisen wir ihm dennoch eine Wohltat dadurch, dass wir sein Kind in unsere Obhut nehmen, sodass er mit seiner Frau über die Ferienzeit frei verfügen kann, dieselbe zu weiten Reisen zu benutzen, oder zu Hause zu bleiben, wenn sein Beruf es erfordert. Und nun noch eine Frage. Sollen diese geplanten Ferienkolonien für Kinder bemittelter Eltern nur Kinder von Brüdern aufnehmen, oder auch andere? In erster Linie kommen selbstverständlich unsere Brüder in Betracht, an sie wird jaldas Rundschreiben gerichtet sein. Wir werden aber nicht engherzig sein dürfen, wenn es sich um die Aufnahme solcher Kinder von Nichtbrüdern bandeln sollte, die mit den Kindern. unserer Brüder durch verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande verknüpft sind. Mit jenen verkehren diese das ganze Jahr und es dürfte ihnen daher zur besonderen Ferienfreude gereichen, wenn sie mit ihren Spielgenossen auch in frischer Luft während der Ferienzeit zusammen sein könnten. Ueberbaupt möchte ich jede Engherzigkeit aus unserer Mitte gebannt wissen. Ich erinnere an das schöne Wort des bekannten menschen- und judenfreundlichen Dichters: ,,Dies ist einer von uns — dies ein Fremderl" so sprechen niedere Seelen. Die Welt ist nur ein einziges Haus.' Auch dürfte ein solches Entgegenkommen Nichtbrüdern gegenüber von wohltuender Wirkung sein. Denn haben sie einmal unsere Freundschaft und unsere Wohltat genossen, werden sie über kurz oder lang sich uns anschliessend F. Installation der Jacob Plaut-Loge, Nordhausen. Sonnenschein, Frühlingsahnung lagerte am 14. April über der Stadt Nordhausen. FrühliDgsstimmuDg, die Erwartung von etwas Grossem, Schönem, Unbekanntem war auch in den Herzen der Mit-