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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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— 47 — die Exzesse und Plünderungen gegen die Juden nicht als! Aosfluss des langgeschürten Judenhasses eingestehen, sondern sucht sie, weil die Bauern auch einige Glossgrundbesitzer plünderten, als einfache Bauet nunruhen hinzustellen. Dabei gehen die Regierungsorgane rücksichtslos vor, und gestatten den während des Aufruhrs ans den Landgemeinden geflohenen Juden nicht in ihre früheren Wohnsitze zurückzukehren. Wohl mag es Rumänien gelingen, die Signaturmächte des Berliner Vertrages zu beruhigen, die Welt zu täuschen, weil i sie nach bekanntem lateinischen Sprichwort getäuscht werden will, nicht aber unsere schwer heimgesuchten Brüder, die ihr Elend genau kennen und wegen der Plackereien und Beschränkungen mit jedem Tage ärmer und widerstandsunfähiger werden. Gebrochen, verzagt, verzweifelt strecken sie hilfeflehend ihre Hände zu uns aus und rufen: ,.Helfet, rettet!" Dieser Hilferuf darf nicht wirkungslos verhallen. Wie bei allen solchen Unglücksfällen und Katastrophen wollen wir auch jetzt uuseien verfolgten Brüdern wirksam beistehen. Wir haben, wie die hochw. Gro&loge am 22. April in ihrem Schreiben an die w. Logen betont hat, ein« dreifache Aufgabe zu erfüllen, und zwar für die Linderung des gegenwärtigen j Notstandes und für die Aufrichtung der vernichteten Existenzen der Kleinhändler und Gewerbetreibenden zu sorgen, äber auch Vorbereitungen für die bevorstehende Auswanderung , unserer Brüder zu treffen, damit sie nicht fluchtartig wie vor mehreren Jahren sich vollzieht, sondern planmässig und in geordneten Bahnen. Hit den bekannten und bewährten Hilfsorganisationen wollenwir uns verbinden, und in gemeinsamer, treuer Zusammenarbeit das Hilfswerk für die rumänischen Brüder organisieren. Wir wollen keineswegs bei den heimgesuchten Glaubensgenossen in Rumänien das Verlassen des ungastlichen Landes anregen, oder sie zu demselben ermutigen. Denn wir wissen, welch' ungeheure Mittel erforderlich sind, um grosse Massen von Menschen irgendwo anzusiedeln, zumal das „Irgendwo*' noch gesucht und gefunden werden muss. Aber wir dürfen uns von dem Strome der Auswanderung nicht überraschen lassen. Die lieblosen und engherzigen Gesetze, die Rumänien trotz des berliner Vertrages gegen seine jüdischen Bewohner erlassen hatte, haben unsere Brüder an den Bettelstab gebracht; sie müssen nun den Wanderstab ergreifen. —--- Nochmals zum Thema Ferienkolonien. Ein nicht gehaltenes Referat. „Wie es in der Natur keinen, Stillstand gibt, darf es auch bei uns keinen geben. Wir müssen und werden weiter arbeiten". Diese Worte hat unser bewährter und hochverdienter Führer Br. Maretzki uns, den Jüngeren, kurz vor der Jubelfeier unseres geliebten Ordens in der Festnummer der Monatsberichte zugerufen, um uns zur weiteren rastlosen Arbeit, zur unermüdlichen Betätigung der heiligen Aufgaben unseres Bundes anzuspornen. Und sicherlich haben diese Worte, die uns die Richtschnur geben für den weiteren Lebensweg unserer Logen, in den Herzen aller Brüder den gebührenden Widerhall gefunden und in ihnen den ernsten Vorsatz geweckt, in unserer humanitären Aibeit nicht zu ermatten und zu erlahmen. Hat ja das frohe Fest nur aus dem Grunde uns hohe Befriedigung verschaff«, weil wir das beglückende Bewusstsein hatten, dass es auf „saure Wochen* der Mühe und Anstrengung gefolgt'ist. Und wenn wir uns nach dem Festestrubel nach einer neuen, ertpriesslichen und segenverheissenden Tätigkeit umsehen, so scheint es mir zunächst zweckmässig, die Aufmerksamkeit der Brüder auf eine gar sehr beachtenswerte Anregung zu lenken, die Br. Dr. Grunwald-Erfurt in seinem Artikel: „Zum Thema Ferienkolonien" (Monatsbericht No. 7 1906) gegeben hat. Der Vorschlag dieses Bruders geht dahin, von Seiten der Logen Einrichtungen zu treffen, um den Kindern unserer Brüder für verhältnismässig geringe Ptlegekosten — etwa 50 Mk. — einen regelmässigen passenden Ferienaufenthalt zu schaffen. Wer über diesen Gegenstand jemals nachgedacht hat, wird zugeben, dass die Anregung des Br. Grunwald wohl verdient nicht nur besprochen, sondern auch bald realisiert zu werden. Bereits im August 1904 habe ich in meinem auf Wunsch meines 1 unvergesslichen Freundes Br. Konsul Simon s. A.-Hannover über die Ferienkolonien in Misdroy erstatteten Berichtes die'Errichtung eines Erholüngs- und Ferienheims iür Kinder bemittelter Eltern zwischen Heiingsdorf und Bansin etwa nach dem Muster des Friedrich Franz - Hot pizes in Müritz i. M. angeregt. Die Begründung meines Vorschlages war ungefähr folgende. In unserer sozial'arbeitenden Zeit ist das arme Kind in mancher Beziehung besser daran als das Kind bemittelter Eltern; so geniesst beispielsweise jenes dank den Logen und den Wohltätigkeitsvereinen fast jedes Jahr die Ferien in vollen Zügen, während dieses nur selten oder gar nicht dazu gelangt. Mit berechtigtem Neide müssen die Kinder des Mittelstandes auf ihre unbemittelten Altersgenossen sehen, die bald nach Empfang der Sommerzensuren nach den Bahnhöfen eilen, um sich von den bereitstehenden Ferienzügen an die See oder ins Gebirge,/oder nach einem Landstädtchen mit gesunder Luft bringen zu -lassen, wo sie Abwechslung, Erholung und Stärkung finden, während sie, die Kinder bemittelter Eltern, aus verschiedenen Gründen zu Hause bleiben müssen, sich selbst und den Elternzur Last fallend. Es gibt nämlich im Mittelstande Eltern, die nicht imstande sind, mit der ganzen Familie einen Kurort aufzusuchen, die aber wohl in der Lage wären, das eine oder das andere Kind abwechselnd an die See, oder ins Gebirge zu schicken. Wiederum gibt es Eltern, die gerade in den Ferien beruflich an ihren Wohnsitz gebunden sind, sodass sie beim besten Willen den Kindern keinen Erholungsaufenthalt bieten können. Dann gibt es Fälle, wo die Eltern auf Anordnung des Arztes einen Kurort, wie Karlsbad, Marienbad, Kissingen, Ems u. dgl. m. aufsuchen müssen, wohin sie die Kinder schon der grossen Entfernungwegen nicht mitnehmen können, und der auch den Kindern recht wenig Abwechslung und Erholung bietet. - Solche Eltern stehen vor Beginn der Ferien vor der bangen Frage: Wohin mit unseren Kindern? Jüdische Ferienheime für bemittelte Kinder gibt es nicht, unsere Ferienkolonien, sind als Wohlfahrtseinrichtung in erster Linie für unbemittelte Kinder; christliche Erholungsheime nehmen jüdische Kinder nur selten auf, und wo sie Aufnahme finden, da sind, sie eben nur geduldet. Auch fühlen sich jüdische Kinder, wie .ich aus Erfahrungen genau weiss, in solchen Anstalten mit ihrem ausgesgrochenen

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