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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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steht, so ist sie doch mit ihm ans derselben Wurzel entsprossen und der in den letzten Jahrzehnten entstandenen Wiedergeburt des deutschen Judentums. Diese Wiedergeburt, diese Renaissance hat uns von einer übertriebenen und missverstandenen Assimilationsleidenschaft, von dem Verzichte aut unsere berechtigten Eigentümlichkeiten als Israeliten, von d<sr blossen Furcht vor dem Bekenntnis zum Judentum und zir Judenheit erlöst. Sie hat uns das Bewusstsein und den ernst« n Willen eingeflösst, nicht nur gute Deutsche, echte und dankbare Söhne der hochstehenden deutschen Kultur, sondern anch aufrichtige und charaktervolle Bekenner unseres väterlichein Glaubens zu sein, und als solche hervorzutreten und zu handeln. Hier, auf diesem Gebiete liegt das grosse Verdienst der würdigen Deutschen Reichsloge und ihrer Begründer. Sie hat ein Beispiel gegeben, das glücklicherweise in weiten Kreisen gezündet und Nacheiferung erweckt hat. Deshalb schliesst sich die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums aus vollem Herzen dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund in den Glückwünschen für dieGrosiloge und der Deutschen Reichsloge an. Möge der deutsche Distrikt des Bnei Briss-Ordens sich auch in Zukunft immer stärker, imrnir mehr entwickeln! Möge dieser kräftige Zweig des uraltejn Baumes unserer Religionsgemeinschaft weiter gedeihen urid wachsen, immer kräftigere Blätter, Blüten und Früchte treiben, zum Segen für die Judenheit, zum Segen für unser Vaterland, zum Segen auch der Menschheit, in deren Dienste wir alle stehen. Möge er immer Gärtner und Leiter finden, wie unslr hochwürdiger Grosspräsident, wie die Mitglieder der GrossloJe es sind! Das ist meiner Kollegen und mein innigster Wunsch. ih ' .- * y '. ■ ' 's Rumänien. E, F. Ijie von dem nationalistisch-antisemitischen Verbände, an dessen Spitze hohe Beamte, Professoren und Geistliche stehen, hervorgerufenen Unruhen, die dann einen agrarischen Charakter annahmen, haben sich gelegt. Die von wüsten antisemitischen Agitatoren aufgereizten Bauern wurden, als sie sich mit der Plünderung der Juden nicht begnügten und gegen die bojarischen Grossgrundbesitzer wandten, durch Militär und Kanonen zur Ruhe gebracht. Der Aufruhr iit unterdrückt, die Ordnung wieder hergestellt. Ist aber dadurch auch die Lage unserer Glaubensgenossen eine bessere gewordei? Ist Hoffnung vorhanden, dass sie in Zukunlt eine bessere werden wird' Wer die Schicksale der Juden in Rumänien in den letzten Jahrzehnten mit Aufmerksamkeit verfolgt halt, wird betrübten Herzens zugeben müssen, dass wenig Aussicht auf Besserung vorhanden ist. Ob die Regierung, die sich am Ruder befindet, sich konservativ oder liberal nennt, das Geschick der Juden bleibt immer dasselbe. Die Juden werdet trotz der Blutsteuer, die sie im hohen Masse leisten, trotz der staatsbürgerlichen Pflichten, die sie erfüllen, als Ausländer angesehen, und zwar als solche,' die unter dem Schutze keiner fremden Macht stehen. Sie sind daher schutzlos, der Willkür und den Schikanen "der hohen und niederen Beamten preisgegeben. Die Judenpolitik, die die rumänische Regierung se[t Jahrzehnten treibt, ist einzig in ihrer Art. Ahr wie der grosse Nachbar, das unzivilisierte Russland, vertat das kleirie Rumänien, das Träger und Vertreter westeuropäischer Zivilisation sein will. Es verfolgt nicht die Juden offen und brutal, 4Ü — \ sondern hält es für ratsam, sie hinterlistig mit einem Netze | von Gesetzen zu umgeben, die ihnen die Lebensadern unterj binden und jede Erwerbsquelle verstopfen. Rumänien will j in den-Augen der Völker als Rechtsstaat gelten, und darum; sucht es das an den Juden begangene Unrecht in Gesetzesartikel und Paragraphen zu bringen, sie mit ausgeklügeltem Scharfsinn fein zu stilisieren und zu begründen. Die Ausnahmegesetze gegen die jüdische Bevölkerung werden noch durch geheime R*>kripte, Verfügungen und Rundschreiben an die Präfekten, Schulleiter und Unterbeamten ergänzt, mit denen die Regierung, um das Renommee eines ,,Kulturträgers im Orient" nicht einzubüssen. in die Oeffentlichkeit zu treten nicht den Mut hat. Im Namen des Gesetzes ist den nicht naturalisierten Juden der Erwerb von Grund und Boden verboten*); auf Gruud des Gesetzes werden die Juden aus den Dörfern und Marktflecken, die sie selbst gegründet haben, vertrieben, und in die Stadt gedrängt. Dadurch wächst die Zahl der Arbeitslosen und das Elend wird immer grösser. Denn auch in der Stadt haben Gesetze dafür gesorgt, dass der Jude nicht jeden Erwerbszweig ergreifen darf und kann. Von allen öffentlichen Arbeiten und Aemtern ist der Jude ausgeschlossen. Er darf weder Richter noch Notar sein, weder Polizeinoch Zollbeamter, weder Postnoch Eisenbahnbeamter, weder Staatsnoch Stadtingenieur, weder Leiter noch Lehrer einer Staats- oder Gemeinde-Schule, weder Arzt eines öffentlichen Krankenhauses, noch Apotheker. Auch viele andere freie Berufe sind den Juden jetzt verschlossen. Er darf nicht die Advokatur ausüben, nicht Administrator einer Kommandite oder Aktien-Gesellschaft, nicht Wechsel-, Waren- und Schiffsmakler sein. Er darf weder Tabak noch Salz, weder Pulver noch Zündhölzchen, weder Alkohol noch Droguen verkaufen u. dgl. m. Selbst gegen die Aermsten der Armen, gegen die Kleinhändler, kleinen Handwerker, Hausierer und Arbeiter sind harte Vorschriften erlassen worden, die ihnen das kärgliche Brot rauben. Um die Juden auf ein niedriges; geistiges Niveau zu bringen, um sie konkurrenzunfähig zu machen, verschloss man ihnen die niederen und höheren Unterrichtsanstalten, versagte ihnen den Zutritt zu den Handels- und Fortbildungs-, Ackerbau- und Gewerbeschulen. Durch diese von der Regierung erlassenen engherzigen Gesetze werden die antisemitischen Zeitungen, die antisemitischen Verbände in ihrem gottlosen Treiben ermutigt. Ueberallhin tragen sie die Lehren des Hasses, sie reizen die Bauern gegen die Juden auf, indem sie diese als Ursache des Elends des Landes hinstellen. Selbst die Schulen, die doch die Aufgabe haben, Kinder zu erziehen, die Charaktere zu veredeln, sind Brutstätten des Antisemitismus geworden. In das jugendliche, unverdorbene Herz der Kinder werden von den Lehrern die verderbenbringenden Keime des Judenhasses gepflanzt, durch antisemitische Aulsatzthemata und judenfeindliche Merksätze, die sich in den Schulbüchern befinden. Kein Wunder, dass die antisemitische Saat von Zeit zu Zeit aufgeht, und grosse Verheerungen unter den Juden anrichtet. Aber das „liberale" Rumänien will noch immer ein Kulturstaat sein; darum will das „Belgien des Orients" *) Seit dem Jahre 1879 sind von 2ö9 000 .luden 200 naturalisiert worden i B. Lazare, die Juden in Rumänien i und die Naturalisationen in Rumänien geborener Juden werden mit jedem Jahre seltener. ^HlH^Ml^l^l^Bfl^H

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