Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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über gemeinsames Ungemach zu schelten oder schweigend Uebles zu erdulden, sondern die deutschen Juden zu fortdauernder sozialer Arbeit aufrief, das ist wohl der Kernpunkt seines grossen Werkes. Wir erhoffen eine Besserung der Lage unserer Glaubensgemeinschaft nicht von aussen her, nicht durch einen plötzlichen Umschwung der äusseren Verhältnisse, sondern von innen heraus, durch soziale Selbsthilfe — so ganz im Sinne des schönen Wortes unseres Dichters Heinrich von Kleist: „Nicht aus des Herzens blossem Wunsche keimt Des Glückes schöne Götterpflanze auf — Der Mensch soll mit der Muhe Pflugschaar Sich des Schicksals hatten Boden öffnen — Söll des Glückes Erntetag sich selbst bereiten Und Taten in die offenen Furchen streun!" Meine lieben Brüder und Schwestern! Den harten BoJen zuerst geöffnet hat unsere liebe Deutsche Reichsloge ün 1 sich ebendamit den Dank aller Schwesterlogen iür alle Zeiten erworben, und ist es nicht etwas Grosses und Erhebendes zu sehen, wie diese erste Pionier-Arbeit im Laufer des Vierteljahrhunderts das deutsche Judentum immer stärker zur Xacheiferung angespornt hat! Wahrlich nicht ohne tiefere Gründe! Hat doch der Orden mit der Wiederaufnahme des altehrwürdigen Wortes: Du sollst ein Segen werden! und dessen Er - j liebung zu einem Programm unseren Glaubensgenossen eine soziale Botschaft übermittelt, wie sie der Zeitgeist nicht bedeutender hätte verkünden können! Und mit dieser Botschaft ist uns zugleich der Weg zur j Einheit gewiesen und als Repräsentant der durch die bisherige Ordensatbeit erzielten Einheit Tausender deutscher Juden darf ich der Hoffnung Ausdruck geben, dass, j e länger, je mehr in unserer Glaubensgemeinschaft sich die Ueberzeugung kräftigen möge, dass der vom Orden beschrittene Weg des sozialen Zusammenschlusses hinführt zur Besserung der Lage unserer gesamten Glaubensgemeinschaft überhaupt. Werte Festgenossen! Mit einem Festesk ranze verglich ich die Glückwünsche, die Ihnen die Schwesterlogen aussprechen. Aber an welcher Stätte könnte ich wohl einen solchen Festeskranz niederlegen? Fehlt es doch hierin Berlin noch an einem äusseren Symbole unserer Einheit! Möge unsere heutige Gabe den Anfang zur Behebung dieses Mangels bedeuten! Wir deutschen Logen glaubten diesen Festtag nicht vorübergehen lassen zu können, ohne unsere Dankbarkeit für die Männer, die in dem abgelaufenen Vierteljahrhundert die Geschicke des Ordens tatkräftig geleitet haben, äusserlich dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass wir die Bilder der drei Grosspräsidenten des deutschen Distrikts, von Kunstlerhand hergestellt, zur dauernden Erinnerung an diesen Tag stifteten. So falle denn die Hülle, die unsere Ehrengabe schützt! Werte Festgenossen! Das Dreigestirn: Fenchel — Maretzki— Timendorfer —, welche Erinnerungen weckte, es nicht in uns allen im Rückblick auf die Geschichte unseres Ordens! Grosspräs. Br. Fenchef: der Begründer des Ordens, der Repräsentant seiner Sturm--und Drangpeiiode! Grosspräs- Br. Dr. Maretzki: der Leiter der Periode der Sammlung, der Idealisierung des Ordensgedankens im Siane deutscher Auflassungen! Grosspräs. Justizrat T i m e n d o r f e r : der! amtierende Voisitzende der Grossloge, der Repräsentant der! beginnenden M a c h t p e r i p d e,. von der wir hotten, dass sie uns unter seinem erfolggekrönten Szepter zu immer weiteren Siegen führen wird! '*? Was diese trefflichen Männer für uusern Distrikt im einzelnen geleistet haben, hat. Br. Dr. Maretzki in seiner rühmenswerten Festschrift selbst anschaulich geschildert. Indem wir unseren gemeinsamen Empfindungen der Anerkennung und der Dankbarkeit durch diese Ehrung unserer Grosspräsidenten äusserlichen Ausdruck geben — wollten wir zugleich das erste äusserliche Symbol unserer Eiujieit schaffen. Somit habe ich denn die Ehre, diese Festgabe der; deutschen Logen des VIiL Distrikts den drei Berliner Logen i zum Eigentum zu übergeben. Mögen diese Bilder immer auf , eine glückliche Brüderschaft herabschauen und möge das in ihnen verkörperte unersetzliche Gut unserer Einheit in aller Zukunft uns ungestört erhalten bleiben! Das ist der Festwunsch/der deutschen Logen! Vizepräs. Br. R.-A. Story-Berlin: / - Hochansehnliche Fest Versammlung! Die beiden Berliner Schwesterlogen der Jubilarin, die <B. A.-L. und die M.-L., die hier zu vertreten ich die Ehre habe, begrüssen mit Freude und Genugtuung die Gelegenheit, ihren besonderen Glückwünschen Ausdruck zu verleihen. Sind es doch besonders enge und nahe Beziehungen, die die drei Berliner Logen miteinander verbinden. Nicht die rein örtliche Zusammengehörigkeit ist es. die ein schönes Band um die Berliner Logen geschlungen hat. sondern das I hehre Bewusstsein gemeinsamer in enger Verbindung geleisteter Arbeit, gemeinsam errungener und gemeinsam,gefeieiter Erfolge. Wenn Ihnen heute ein überwältigendes Bild von den Erruogeuj schalten des Ordeus in einer verhältnismässig kurzen Spanne i Zeit von 25 Jahren geboten worden ist, so darf es ausgesprochen werden: an diesen Ei folgen gebührt den Berliner Logen ein reichlicher Teil. Aber dieser AnteiK er verteilt sich nicht-auf die drei; einzelnen Logen. Das was wir au giossen Aufgaben unter-! nommen, das was wir an edlen Zielen angestrebt und vorbereitet haben, wir haben es in gemeinsamer Kraft, in gelneinsamem Streben getan. Die drei Berliner Logen als eine grosse staike Gemeinschaft sind sie in die < Mfentlichkeit getreten. Gerade das rechnen wir uns zum Ruhmestitel, dass wir es verstanden haben, durch den engsten Zusammenschluß unsere wirtschaftlichen und ideellen Kräfte zu sammeln und damit unsere Arbeit fruchtbringend und ausgiebig zu gestalten. „Arbeitsnachweis",,„Toymbeehalle'\ „Ferienkolonien", sie legen beredtes Zeugnis dafür ab, dass Eiuigkeit für die drei Berliner Logen kein leeres Wort. geblieben ist. Dankbar und neidlos erkennen wir es heute an dieser Stelle au, dass die würdige Deutsche Reichsloge uns oft genug Führerin! gewesen ist, dass ihre Mitglieder es waren, die in immer neuen Gedanken und Plänen zu neuer segensreicher Arbeit anregte.