Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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44 - Die Einigkeit, sie hat die Berliner Logen nach innen uud aussen stark gemacht. Zu der äusseren Erstarkung, zn der erfreulichen Zunahme der Mitgliederzahl der Berliner Logen hat allerdings noch ein anderes beigetragen. In der eben erschienenen Geschichte des Ordens ist ausgeführt, dass das in den letzten acht Jahren erfolgte Hinaustreten des Ordens aas seiner stillen Arbeits&bgeschiedenheit, sein Bekanntwerden in weiteren Kreisen, kurz, ein mehr uach aussen gelichtetes Wirken vor allem den Berliner Logen zugute gekommen ist. Mit Recht auch weist der Verfasser der Ordensgeschichte darauf hin, dass der dritte Präsident I der Grossloge, unser allverehrter Br. Timendorfer es war, j auf dessen persönliche Wirksamkeit diese Erfolge zurückführen. Ja! Der grosse Aufschwung, den die Berliner Logen genommen haben, der ungeahnte Zuwachs an Zahl und Art der Mitglieder, er ist in erster Linie die Frucht der Bemühungen der Grossloge und ihres Präsidenten. Ihnen, m. würdigen Brüder, die Sie die Logen lenken, Ihnen gebührt am heutigen Jubeltage unser heisser herzlicher Dank. Nicht in Worten allein wollen wir diesem Dank Aus-! durck geben. Wir wissen es wohl: unser Dank, er muss in j unentwegter Arbeit abgestattet werden. Grosse Aufgaben Warten unser, insbesondere der Berliner I Logen, die sich mancherlei Arbeit auf dem Gebiete sozialer Fürsorge vorgesetzt haben. Diese Aufgaben, sie sollen uns bereit und gewappnet | rinden, bereit, sie aufzunehmen und durchzuführen mit all den Mitteln, den Kräften und der Energie, die unserer Gesamtheit, den drei Berliner Logen, zu Gebote stehen. Wohltätigkeit und Bruderliebe in kraftvoller Einigkeit üben, das sei auch ferner unser Wahrsprach. Dieses Gelöbnis 'legen wir als hoffentlich willkommene - Jubelgabe heute vor Ihnen nieder! Sanitätsrat Dr. Stern-Berlin: Hochgeehrte .Festversammlung! Zu den wohl unfruchtbarsten und undankbarsten Aufgaben, die mit der Aasübung eines Amtes — sei es ein öffentliches oder ein Ehrenamt — verbunden sind, gehören die offiziellen Reden, weil einerseits der betreffende Gegenstand dem Redner nicht immer geläufig ist und fernliegt und anderseits die in Frage kommenden Persönlichkeiten ihm unbekannt sind und fernstehen. In erfreulichem Gegensatze und in umso angenehmerer Lage befinde ich mich am heutigen Tage und in dieser Stunde, in der ich mich des ehrenvollen Auftrages, mit dem ich betraut wurde, entledige nnd Ihnen zu der 25jährigen Jubelfeier Ihrer segensreichen Tätigkeit, die Sie heute festlich begehen, im Namen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin, nicht nur um einer konventionellen Höflichkeitspflicht zu genügen, sondern aus innerem Herzensdrange aufrichtige und wärmste Glückwünsche ausspreche. Der Gemeindevorstand nimmt lebhaften Anteil an Ihrer erfolgreichen Arbeit und bringt Ihren idealen menschenfreundlichen Bestrebungen volle Sympathie entgegen. Ich glaube der Hoffnung und Zuversicht Ausdruck geben zu dürfen, dass die gegenseitigen Beziehungen sich freundlicher und fester gestalten und in Zukunft deutlicher in Erscheinung treten werden, zumal der Gemeindevorstand in der Person Ihres um Ihre Sache hochverdienten Grosspräsidenten, meines alten, verehrten, lieben Landsmannes und Freundes, Heim Justizrat Timendorfer, ein geschätztes und weit volles Mitglied gewonnen hat. — Meine Damen und Herren! Rund 2000 Jahre sind verflossen, seitdem ein alter Lehrer in Israel seine Lebensauffassung, seine und seiner Zeitgenossen Weltanschauung in den prägnanten Satz zusammen fasste, dass die menschliche Gesellschaft auf drei Dingen beruhe, auf der Gotteslehre, der GottesverehruDg and den Liebes werken. Und eigenartig wahrlich mutet es uns an, dass trotz der Schwankungen und Wandluugen welche das Judentum während der Jahrhunderte durchlebt und durchgemacht hat, dieser Satz noch heute seine volle Geltung und Berechtigung hat. Die eine der Grundsäulen insbesondere, welche das Wohltätigkeitswesen kennzeichnet, hat trotz der Bürde der Jahi hunderte nicht nur nichts an Kraft and Wirksamkeit eingebüsst, sondern in hellem strahlenden Glänze and in angebrochener Anziehungskraft steht sie da, ausgestattet mit dem Rüstzeug der Neuzeit, angepasst den modernen sozialen Anforderungen und Bedürfnissen. An diesem schönen Erfolge kann die rast- und selbstlose Arbeit Ihrer Logen einen nicht unwesentlichen Anteil für sich in Anspruch nehmen. Das vor 25 Jahren über den Ozean hierhergelangte Samenkorn hat unter Ihren bewährten rührigen Händen sich zu einer reichen üppigen Saat entwickelt und köstliche Früchte gezeitigt. In allen Gauen unseres Vaterlandes haben sich edle, hochherzige, arbeitsfreudige und opfei willige Männer um Ihr Banner geschart, das in goldenen unvergänglichen, weithin glänzenden, vom Schilde Davids umrahmten Lettern das Wort Zdokoh lührt in seiner doppelten Bedeutung, als Wohltätigkeit und Gerechtigkeit, als Wahrzeichen der hohen Kultur aufgaben, denen Sie sich widmen und der wahren edlen Nächstenliebe, welche Ihre Bestrebungen kennzeichnen. Und , dieses Wort prangt nicht nur als äußerliches Symbol auf Ihrer Flagge, sondern, was weit wichtiger und wertvoller ist, mit ehernem Giifiel ist seine Bedeutung, die Betätigung echter und wahrer Menschen- und Nächstenliebe in Ihre Herzen und Gemüter eingegraben. Meine Herren! Mit Stolz, Freude und Genugtuung dürfen Sie auf die während des 25 jährigen Besiehens Ihrer Logen geleistete Arbeit zurückblicken; Sie dürfen aber auch auf Grund Ihrer glorreichen Vergangenheit mit froher Zuversicht und freudiger Hoffnung in die Zukunft schauen, Sie dürfen die Beruhigung haben, dass Ihre Nachfolger den von Ihnen gegründeten and begonnenen Bau in Ihrem Sinne weiterführen, ausgestalten und zu> hoher Blüte föidern werden. Ich schliesse mit dem herzlichen Wunsche, dass Ihre segensreiche Arbeit fernerhin von bestem Erfolge gekrönt sein möge zu Ihrer eigenen Befriedigung and Genugtuung, zur Freude und zum Stolze des Judentums, zum Heil und Segen für unsere hilfsbedürftigen'Glaubensgenossen! Br. James Simon-Berlin. Hochansehnliche Versammlang! Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat meine, Freunde und mich entsandt, der Grossloge für Deutschland and der Deutschen Reichsloge zum heutigen Jabelfeste die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. ■. -St - :-----;-:-:-