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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 3 - April
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 24 - dem ,,Hilfsverein" und der ,,Aliance" gestanden habe and endlich der Fürsorge für die rassischen Pogromwaisen, von denen 53 noch jetzt unter der Aufsicht und dem Schutze der Grossloge ständen, sich gedeihlich entwickelten and zu der Hoffnung berechtigten, dass sie zu brauchbaren und guten Menschen heranwachsen würden. Trotz der gewaltigen Summen, die unsere Logen in den letzten Jahren zur Linderung der Not der russischen Glaubensgenossen haben aulbringen müssen, liessen sie auch das Jubiläumsfest nicht unbenutzt vorüber ziehen, ohne an ihm Werke der Liebe und des Wohltuns zu schaffen.. So haben sie zu Ehren des heutigen Tages in bewährter Opierfreudigkeit als Jubiläumsfonds 387,479 Mk. gesammelt, die verschiedenen sozialen Zwecken dienen sollen. Ein Bruder hat am heutigen Tage 500 Mk. als Grundstein zu einer Timendorfer- Stiftung gespendet. Ausserdem ist in den letzten Monaten die Gründung des Jaffaschen Fürsorgejund .Waisenheims, sowie die Errichtung einer Anstalt für schwachsinnige Minderjährige gemeinsam mit dem D. J. G. B. beschlossen worden. Für noch wertvoller als die genannten Leistunger nach aussen erklärt der Redner die innere Logentätigkeit, die das Ziel verfolge, jeden Bruder zu der menschlichen Wirksamkeit nach aussen vorzubereiten und zu stärken. Unsere Logen sind eigenartige Schalen, Arbeitsstätten, in denen an unserem eigen Ich gewissenhaft gearbeitet wird, um es zu veredeln. Die Verhandlangen in unseren Logensitzungen, bei denen strenger, sittlichster Ernst mit traulich brüderlichem Verkehr gepaart ist, beeinflussen unser Wirken und versittlichen unser Tun draussen im Leben. Unsere Brüder verlassen unsere Logentempel mit dem ernsten Vorsatz, durch ihr Verhalten and ihre sittliche Arbeit unserem Bunde und der jüdischen Religionsgemeinschaft Ehre zu machen, die Tendenzen unseres Ordens zu erfüllen, die uns die dreifache Pflicht auferlegen, zu sein: gute Menschen, gute Staatsbürger und gute Juden. Redner schloss mit den Worten: „Wir ^stehen am Anfange eines neuen Frühlings, und wenn wir auch zugeben müssen, dass für ans Jaden die letzten Jahre ebenfalls noch ernste Jahre waren, so wird doch die Gerechtigkeit es erfordern anzuerkennen) dass sie uns auch Erfreuliches gebracht haben, dass auch für das Judentum ein neuer Frühling gekommen ist, der alle Wurzeln des Judentums neu und kräftig ausschlagen lässt. Und wenn wieder nach 25 Jahren ein anderer hier an diesem Platze stehen wird, so habe ich für das Geburtstagskind and für uns alle keinen aufrichtigeren Wunsch als den, dass der Festredner nach 25 Jahren berechtigt sein möge, nicht nur von einem neuen Jjiühling, sondern von einem neuen Sommer für das Judentum mit allen Früchten eines Sommers spjrchen zu dürfen. Wir verlangen keinen Dank, der schönste Dank für uns ist das Bewusstsein, dass wenn einmal dieser neue Sommer für das Judentum gekommen sein wird, man [anerkennen wird, dass dies zum TeiKwenigstens die Frucht derjenigen Saat ist, die wir aasgestreut haben durch Errichtung der Logen auf deutschem Gebiete vor 25 Jahren, im Frühling des Jahres 1882". Mächtig war die Wirkung, die diese gehaltvolle Rede unseres Grosspräsidenten auf die Gemüter der Anwesenden ausübte; in stiller Ergriffenheit und in feierlicher Andacht folgten sie den Ausführungen des Redners and zollten ihm ihren Dank durch minutenlangen, rauschenden Beifall. Nach Br. Timendorfer dankte Br. Bach der Grossloge sowie den Schwesterlogen und allen Erschienenen für die Glückwünsche, mit der sie die Deutsche Reichs-Loge an ihrem 25. Stiftungsfeste erfreut haben und erzählte in schlichten, herzlichen Worten die Entstehung. Entwicklung, Schicksale and Leistungen dieser ersten Loge auf deutschem Boden. Hierauf entzückte eine hervorragende Künstlerin die Festversammlung durch einige Lieder, die sie mit Innigkeit and Wärme vortrug. Nach dem Gesänge folgten die Beglückwünschungen der auswärtigen Grosslogen, Logen und der eingeladenen Korporationen.*) Im Namen der Grossloge von Rumänien, des ältesten Distrikts unseres Bundes in Europa überbrachte Br. Dr. Stern aus Bukarest brüderliche Grösse und Wünsche; Br. Dr. Edmund Kohn aus Wien in Begleitung vieler Vertreter der österreichischen Logen sprach für die Grossloge in Oesterreich, die warmen, brüderlichen and herzlichen Anteil nehme an dem Geschicke des deutschen Distrikts und ihm Anerkennung zolle für dessen hervorragende Leistungen nach aussen und erfolgreiche Arbeit nach innen. Für alle deutschen Logen sprach R.-A. Br. Peiser aus Breslau und überreichte den Berliner Schwesterlogen die Bilder der drei Grosspräsidenten Fenchel, Maretzki und Timendorfer. Br. R.-A. Story überbrachte die Glückwünsche der hiesigen Logen und betonte besonders die innigen herzlichen Beziehungen, die die Berliner Logen verbinden, und die sie zu gemeinsam segensreicher Arbeit und gemeinsam errungenen Erfolgen führten. Die von ihnen geschaffenen Institutionen, wie Arbeitsnachweis, Ferienkolonien und Toynbeehallen sind ehrende und rühmende Zeugnisse dieses engen und innigen Zusammenschlusses. Redner schliefst mit einem Gelöbnis an die Grossloge auf dem bestrittenen Wege weiter zu wandeln zum Heile und Rahme des Ord^fesr''? Im Auftrage des Vorstandes der jüdischen Gemeinde überbrachte San.-Rat Dr. Stern herzliche Grösse und hob in seiner Ansprache hervor, dass die jüdische Gemeinde nicht aus konventioneller Höflichkeit, sondern aus innerem Herzensdrange ihre Delegierten zum Logenfeste entsandt habe, da sie aufrichtige Sympathie und volle Anerkennung für die Leistungen des Ordens besitze. Im Namen des Hufsvereins der Deutschen Juden überreichte Br. James Simon der Grossloge und der Deutschen Reichs-Loge geschmackvoll ausgeführte Adressen mit herzlichen Worten, in denen er auf das gemeinsame Streben and Zusammenwirken des Hilfsvereins mit den Logen zum Wohle unserer Glaubensgenossen hinwies. Als Vertrete/ des Deutsch-Israelitischen Gemeiadebundes und zugleich im Auftrage der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums beleuchtete Br. Prof. M. Philippson das Zusammenwirken des Ordens mit dem D. I. G. B. auf 3 Gebieten: Auf dem religiösen, wissenschaftlichen und sozialen durch Förderung des Religionsunterrichtes in den kleinen Gemeinden, durch die *) Die gehaltenen Ansprachen, die Uberreichten Adressen und den Prolog gedenken wir in einer der nächsten Nummern der Monatsberichte zu bringen.

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