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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 3 - April
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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22 - sich anschliessende gemütliche Beisammensein hielt 1 die Brüier in anregender and traulicher Unterhaltung bis nach Mitternacht zusammen. Das Jubiläumsfest selbst am Sonntag verlief überaus glänzend; es war eine imposante Kundgebung, eine Heerschau des Ordens, um den sich seine Getreuen, Freunde und Gönner geschart hatten Der Beginn der Feierlichkeiten war auf fünf Uhr angesetzt, aber schon halb vier Uhr strömten die Festteilnehmer in den stimmungsvoll geschmückten grossen Konzertsaal der Ausstellungshallen des Zoologischen Garten;, um sich einen guten Platz zu sichern. Imposant war der Eindruck des riesigen Raumes mit der überwältigenden Menge der Teilnehmer, malerisch das Bild. Neben dem Greise mit den Silberhaaren bemerkte man jlen Jüngling in strotzender Frische, neben dem alten Mütterchen mit gefurchter Stirn und runzligem Gesicht die anmutige, schmucke Jungfrau im Festgewände, neben dem ernsten Mann in Frack den lebensfrohen Studenten in ,,Wichs." Alle waren sie erschienen, um den Logenbrüdern ihre Teilnahme zu bekunden und sich mit ihnen an diesem Jubeltage zu freuen. Eine freudig-ernste Stimmung herrschte im Saale; einige betagte Brüder aus der Reihe jener schlichten Männer, die an der Wiege des Ordens in Deutschland gestanden und ihm in unentwegter Treue über alle Kinderkrankheiten hinweggeholfen hatten, sassen da voll staunender Bewunderung und freudiger Genugtuung und riefen das eine Mal über das andere: „Wer hätte das vor 25 Jahren geahnt, dass unser schwaches Kind sich zu einem solch gewaltigen Riesen entwickeln würde." Und als einer in Ehrerämtern ergrauter Bruder aus jener Sturm- und Drangperiode des Ordens in den Saal trat, da standen diese wackeren Pioniere auf und sprachen: „Wir wollen sehen, ob der General seine Soldaten noch kennt." Jener trat an sie heran — ein hetzlicher Händedruck, eine glänzende Perle in den Augen qer Greise verrieten dem Beobachter die Gefühle und Wünsche, die ihre Herzen in dieser Stunde durchzitterten und erfüllten.k- Kurz nach fünf Uhr leitete der verstärkte Chor der Synagoge Lützowstrasse unter Leitung des Herrn Professor Rehfeld mit den Gesängen ,.Das Niederländische Dankgebet" und ,Die Himmel rühmen'' das Fest ein. Hierauf hielt der Grosspräs. Br. Timendorfer, von der Versammlung lebhaft begrüsst, die Festrede." die mit folgenden Worten begann: „Mit freudig-ernst gestimmtem Herzen trete ich an d*m :25jährigen .Stiftungstag der Errichtung der lieben Deutschen Reichsloge, der Stammmutter aller Logen des U. O. B B. in Deutschland, an diesen Platz, um dem Geburtstagskinde herzlich zu gratulieren und ihm zu darken, dass es allezeit vorbildlich für die anderen Logen geblieben ist, um Sie, die hochwürdigen Vertreter des österreichischen'und rumänischen Distrikts, Sie, meine lieben Brüder und Schwestern, die Sie so zahlreich heut erschienen sind, Sie, meine hochverehrten Vertreter der uns befreundeten Korporationen, die wir eingeladen haben, die Bedeutung dieses Tages durch Ihr Erscheinen zu erhöhen, um Sie alle, meine lieben Anwesenden, auf das herzlichste zu begrüssen. Freudig-ernst nenne ich die Stimmung, denn es ist keine Freude, die für keine andere Empfindung, ausser der der Lust des Behagens, einen Raum übrig lässt; freudigernst wird unser Gemüt ergriffen, indem es zurückschaut auf herrliche Früchte, die ein Vierteljahr hundert getragen und indem es von der Höhe dieser Vergangenheit den Mut gewinnt, auf noch schönere Früchte der Zukunft hinaus zu schauen. Dass wir zu dieser Hoffnung auf die Zukunft berechtigt sind, ergibt die Geschichte des Ordens Bnei Briss in Deutschland, die von dem berufensten Mitgliede des deutschen Distrikts in monatelangem Fleiss und Mühen verfasst ist, von Br. Maretzki, der 11 Jahre an der Spitze des Ordens in Deutschland gestanden und das Ordensschiff durch alle Klippen und Brandungen hindurch in das ruhige Fahrwasser der Entwicklung gesteuert hat. Die wertvollste Gabe an unserem Jubeltage hat er uns dargebracht und nicht genug herzlich und innig kann unser Dank dafür sein. Die Grossloge hält dieses Werk von solch grosser Bedeutung, dass sie es in 10 000 Exemplaren hat herstellen lassen, um es zu Ehren des heutigen Tages jedem Mitgliede des deutschen Distrikts, allen übrigen Grosslogen und sonstigen Freunden des Ordens als Jubiläumsgeschenk der Grossloge zur Verfügung zu stellen als Quelle der Erbauung und Belehrung. Auch eine Festnummer unserer Berichte ist heute erschienen; ich danke herzlich allen Mitarbeitern an dieser Nummer, namentlich unserem heute anwesenden Br. Prof. Cohen aus Marburg. Ernst ist unsere Stimmung, wenn wir an die 937 verstorbenen lieben Brüder trauernden Herzehs und dankerfüllt denken. Freudig aber ist unsere Stimmung, wenn wir an die fast 7000 lebenden Mitglieder denken, die sich auf 66 im deutschen Distrikt bestehende Logen verteilen. Der Freibrief für eine 67. Loge in Nordhausen ist bereits erteilt. Im Oktober 1843 ist der Orden in Amerika durch eine kleine Anzahl deutscher Männer, denen nichts als die Verlassenheit und der Glaube gemeinsam war, begründet worden. Erst 39 Jahre später ist er nach Deutschland überführt worden. Mit Amerika besteht jetzt unsere Verbindung nur insofern, als für die Auslegung der Grundgesetze das höchste Ordensgericht auch für uns massgebend ist; der deutsche Distrikt hat sonst eine eigene Spitze in der Grossloge, hat volle Selbstverwaltung und eigene endgültige Rechtsprechung. Der Orden hat seinen Einzug ferner gehalten auch in Oesterreich, in Rumänien, in der Türkei, in Palästina, in Aegypten und zuletzt auch in der Schweiz durch Gründung der Basel-Loge in Basel, deren Vertreter wir zu unserer grossen Freude heut ebenfalls hier sehen, wie es überhaupt eine Genugtuung ist, festzustellen, dass fast alle Logen des deutschen Distrikts hier heute vertreten sind. Der Orden besteht augenblicklich aus 425 Logen mit über 30000 Mitgliedern und mit Recht sagt der Verfasser der Geschichte des Ordens, dass in der Welt unserer Wohlfahitsbestrebungen die Sonne nicht untergeht. Eine Anzahl der besten Juden Russlands, so namentlich die Mitglieder der Familie Günzburg sind unsere Logenbrüder geworden, um den Versuch zu machen, sobald die Verhältnisse in Russland es gestatten, auch dort durch Errichtung von

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