Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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IC Mitwirkung der Logen die Institution auch unsererseits fortzuführen zu weiteren umfassenderen sozialen Einrichtungen und Behelfen. Unser ganzes Zeitalter ist ein soziales. Es trägt durchaus den Stempel wirtschaftlicher Sorge und Fürsorge. Sie hat Furchen gezogen in alle Erscheinungen und Bewegungen moderner Kultur. Es heisst darum die Zeichen der Zeit richtig deuten und erfassen, wenn wir auch die Aufgaben unserer Logen und deren Schöpfungen in immer stärkerem Masse in das Xeitbedürfnis hineinversetzen und die Fäden sozialer Betätigung immer mehr und mehr mit unseren Aufgaben verknüpfen. Unsere Logen haben mehr noch als bisher Werkstätten sozialer Arbeit zu werden. Ein erheblicher Teil der sogenannten j-Jadenfrage" läuft auf wirtschaftliche F'robleme -hinaus, an deren Lösung wir Bnei Briss mitarbeiten. Ein Staatsmann sagte einmal: Es gibt keine soziale Frage, es gibt nur-soziale Fragen. So gibt es für uns Judenfragen. Zu ihrer Lösung gelangen wir am ehesfen. wenn wir im Einzelnen, an den verschiedenen Stellen und Winkeln sozialer Not Schutt für Schritt die lokalen einzelnen jüdischen Erfordernisse zu bannen uns 'bemühen. Die Errichtung von Toynbeehallen bedeutet einen wichtigen Schritt auf diesem Boden. Alle Humanität ist im Grunde ein K^mpromiss, ein Appell auf Gegenseitigkeit mit besonderer Berücksichtigung der Schwachen und Bedürftigen. Nun ist es mit theoretischen Exempeln, mit Systemen und Plänen sozial-ökonomischer Architekten nicht getan. E* gibt auch eine nach innen gekehrte soziale Frage, die abseits von den Problemen wissenschaftlicher Struktur mehr dem-sozialen Interieur dient. Bestrebungen, wie sie unsere Toynbeehalle darstellt, sind Schrittmacher der Kultur. Innerhalb derartiger Bestrebungen werden erst die Sprossen gebildet, die zu dem emporleiten, was man Lösung der sozialen ] Frage nennt. So bescheiden dieses unser Institut, an grossen Aufgaben gemessen sich ausnehmen mag, so ist es doch ein markanter Ausschnitt der Kultutbewegung unserer Tage. Die Kultur schreitet nicht mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts, sie bedarf der Stützpunkte. Auch von diesem Gesichtspunkte der! Kultivierung gebührt unserer Tuyubeehalle volle Beachtung unl tatkräftige Forderung. In der Toynbeehalle zu Berlin sind die Wände geschmückt mit den Bildern von Moses Mendelsohn. Leopold Zunz, Berthold Auerbach und Theodor Herzl. Ziehen wir den Durchschnitt aus dem Wirken dieser grossen Männer, führen wir uns das, was ihnen allen gemeinsam war, vars Auge, so ist es nicht allein das jüdische Herz, in dem sie zusammenströmen, nicht nur die gleiche Liebe "und Begeister ung zum Judentum, sondern ebenso sehr die Freude an dessen Fortschritt, der Wunsch nach Fortentwicklung und Höher biMung. Wie al! diese hervorragenden Männer und Führer des Judentums io enger Fühlung mit dem Zeitgeist gewirkt haben, so gilt es den Zusammenhang des Judentums mit den geistigen Strömungen und Verbindungen zu finden für alle diejenigen, dit sonst des rechten Anschlusses ermangeln. Diese Verbindun von Zeitgeist und Judentum, aus Material geformt, das dt. Treue zum Judentum nicht Abbruch tut, ist von weittragendster Bedeutung gerade für unsere Jugend. Denn sie muss noch erst befestigt und erhalten werden in der Erkenntnis der ethischen Werte unseres Glaubens und der Würde der ji.dischen Zugehörigkeit. Wie die Loge es sich angelegen seinlässt, zunächst durch vermehrte Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur das jüdische Bewasstsein unserer Jugend zu stärken, so haben wir weiterhin durch Begründung un<J Förderung von Jugend vereinen Organisationen zu schaffen, die methodisch unsere Jugend zu den Ideen leiten, die innerhalb unserer vornehmsten Logenbestrebungen liegen. Es gilt die Jugend beizeiten einführend vorzubereiten auf die grundlegenden Prinzipien unseres geliebten Ordens. Maximilian Stei n.(Berlin). Jugendliteratur. Sie gehörte nicht von Anfang an zum Programm des Ordens, doch die Notwendigkeit ihrer Förderung machte sich in so gebieterischer Weise geltend, dass die Grossloge für die Dauer sich der Betätigung auf dem Gebiete der Jugendliteratur nicht entziehen durfte. Nicht dass de|r Orden mit dem Anspruch aufträte, eine neue eigene Literatur zu schaffen, es Hegt ihm völlig fern, irgend eine Bewegung auf diesem Gebiete zu durchkreuzen, irgend eine Unternehmung zu stören, nur zu fördern, nur zu helfen ist er da, alle guten, -alle heilsamen, alle segensreichen Bestrebungen zur Ausgestaltung der jüdischen Jugendliteratur sollen seine Unterstützung gemessen, sollen in seiner Kommission eine Stätte der Fürsorge und des Schutzes finden. Dem Verdienst zu der ihm gebührenden Ehre und Anerkennung zu verhelfen, ist der Wunsch und die Aufgabe des Ordens. Die hohe erzieherische Bedeutung guter Jugendschriften findet in der Gegenwart ungeteilte Anerkennung, mannigfache Bestrebungen widmen sich der Vervollkommnung und Verbreitung dieser Literatur. Dem Zwang des Unterrichts soll die freigewählte Lektüre zu Hilfe kommen, die Trockenheit des Lehrbuches abgelöst werden durch den frischen anmutigen Stil der Unterhaltungsschrift, die Nüchternheit des alltäglichen Lebens veredelt werden, durch die poetische Welt der Dichtung. Mit Lust und Liebe nimmt die Jugend aus ihrer Lektüre Belehrung auf, dem weichen kindlichen Gemüt prägen sich Gedanken und Empfindungen gar tief, oft fürs ganze Leben unerschütterlich ein; aus der Jugendzeit das Lied erklinget immerdar! Auch in unserer jüdischen Jugend sollen durch die Lektüre die besten und edelsten Anlagen entwickelt werde/i; sie soll in Treue zu ihrem Stamme, in Festigkeit der religiösen Ueberzeugung, in Geradheit und Wahrhaftigkeit der Lebensanschauung bestärkt werden. Was kann unsere Jugend über die jüdische Vergangenheit, was über den jüdischen Glauben aus ihren Unterhaltungsschriften erfahren? Ihre Jugendbücher rühmen fremde Kulturen, verherrlichen <r.m Religion, die nicht die -ihre, ist, sie schweigen völlig von Juden und Judentum oder erwähnen sie vielfach nur, um sie herabzusetzen, um sie verächtlich zu machen. So droht unserer Jugend die Gefahr, dass ihr von früh auf eine Ueberschätzung des Fremden, eine Entfremdung vom Eigenen s ch einpflanzt, Juden und Judentum werden ihr wandelnde Geheimnisse. Das ist wahrlich eine schlechte Ausrüstung