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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-03-01 · Nr. 2 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 2 - März
Date
1907-03-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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— 17. - für eiiie Zeit wie die unsere, wo die Jugend von allen Seiten her dem heftigsten Ansturm preisgegeben ist, wo ringsum Gefahren sie bedrohen, wo sie bald dem offenen Angriff des schwer gerüsteten Gegners ausgesetzt ist, bald dem hinterlistigen Vorstoss des heimtückischen Feindes, der mit süsser Ueberredung sie zu umgarnen strebt. Unerschütterliche Widerstandskraft, unzerstörbare Begeisterung brauchen wir für unsere Jugend, und die Jugendschrift soll mit dazu helfen sie zu erzeugen. 'Unsere Jugend muss erkennen, dass das Judentum einen hohen Kulturwert für sie darstellt, und dass es eine erhabene Sendung zu erfüllen hat in der Kulturwelt. Erzähler und Dichter sollen unserer Jugend Kenntnis des Judentums vermitteln, sie sollen ihr berichten von seinem Ursprung und seiner Entwicklung, von seinen Führern und seinen Gegnern, von seiner Glaubensnot und seinen Glaubenskämpfen, von seinen Trübungen und seinen Läuterungen, sie sollen ihr künden von der Stärke seines Glaubens und der Innigkeit seiner Frömmigkeit, von der Erhabenheit seiner Sittenlehre und von der Hoheit seiner Moral, von der Freudigkeit seines Gotlvertrauens und der Festigkeit seiner Zukunftshoffnungen, sie sollen berichten von der Schönheit seiner Bräuche, von der Poesie seiner Feste. Seine reiche Geschichte und seine umfassende Literatur, seile Volkstradiiionen, seine, Sagen und Legenden, der umfassende Gedankenkreis, die gesamte Kultur .des Judentums sollen unserer Jugend vertraut, zum Gegenstand gern gewählter Unterhaltung gemacht werden. Wir wollen unserer Jugend von den Juden erzählen, von den alten mit dem eisernen, zähen Willen und dem unbeugsamen Freiheitsdrang, von ihrer Treue zum Vaterland, von ihrer Begeisterung für den Glauben, von ihrem Heroismus und ihrem Martyrium. Wir wollen die Juden des Mittelalters vorführen in ihren Wanderungen und Siedelungen, mit ihrer Anfeindung und ihrer Anerkennung, in ihrem Handel und Wandel, in ihrem Dichten und Trachten, wollen die Ausgestossenen zeigen in ihrem Streben nach Bildung und Gelehrsamkeit, in ihrem Kampf für Menschenrechte, in ihrem Festhalten an Menschenwürde und Menschenliebe. Wir wollen von den Juden der Neuzeit berichten, von ihrem Kampf um die Gleichberechtigung, wollen die Lebensbilder grosser Glaubensgenossen vorführen, die in Wissenschaft und Kunst, -.die in Staat und Gesellschaft, die im praktischen und gewerblichen Leben, die als Philantropen und Sachwalter ihrer verfolgten Glaubensbrüder die Unsterblichkeit sich erworben haben. Nicht dass wir durch unsere Bücher jede andere Lektüre verdrängen wollten, unsere Jagend soll nach wie vor sich bilden an den klassischen Werken der deutschen Literatur, soll an den besten Jugendbüchern unserer Zeit sich erfreuen. Wir wollen mit den modernen Bestrebungen auf dem Gebiet der allgemeinen Jugendliteratur in innigem Zusammenhang bleiben, wollen ihnen nachstreben in den Anforderungen an Form und Inhalt. Gleich ihnen erheben wir den Anspruch, dass die Jugendschrift ein Kunstwerk sei, dass sie von-aufdringlich tendenziöser Darstellung sich fernhalte, dass sie im inneren Aufbau und in der äusseren Form, dass sie in Aus- Buchdruckerei Max Colin (Iuh.: A. M. stattung und Druck vollkommen auf der Höhe der Zeitforderung stehe. „Für die Jugend ist das Beste gut genug!'1 In der Betonung dieser Forderungen sieht die von der Grossloge eingesetzte Jugendschriften-Kommission ihre hauptsächlichste Aufgabe. In ihrem Organ, dem „Wegweiser für die Jugendliteratur" hat sie einen Mittelpunkt geschaffen, in dem Fachmänner die Richtlinien zeichnen für eine gute Jugendliteratur; in eigenen Abhandlungen und Besprechungen von Büchern werden die Stoffe gesichtet, die für die Jugendliteratur sich eignen, werden die Methoden erörtert, welche , die Jugendschrift zu verfolgen hat, wird über die Stellung berichtet, welche die einzelnen Länder zu dieser Frage einnehmen. Auf diesem Wege sollen Schriftsteller von Ruf und Begabung für unsere Bestrebungen gewonnen werden, es sollen schlummernde Talente geweckt und aufgemuntert werden zur Mitarbeit für' unsere Jugend. Es ist nicht eine einseitige Richtung, nicht das-Interesse irgend einer Partei, das urtsere Kommission verfolgt, jeder Autor, der Gutes zu bieten vermag, ist uns willko'mmen, vorurteilslos und wohlwollend werden alle Schriften geprüft, die unserem Urteil «unterbreitet werden. Doch nicht Kritik, nicht theoretische Erörterungen über Jugendschrifteh bilden unser letztes Ziel, freudig gewährt die Kommission guien Jugendschriften ihre Förderung. Die Grosslöge für Deutschland ist stets" bereit, den von ihrer Kommission gebilligten Werken ein Erscheinen in würdiger Form zu ermöglichen, opferwillig beteiligt sie sich selbst an ihrer Verbreitung, durch nachdrückliche Empfehlung schafft sie ihnen Eingang in die Häuser der Brüder. Noch ist es wenig, was unsere Kömmission zu leisten imstande war, erst mit einer einzigen fertigen Schrift ist sie : vor die Oeffenllichkeit getreten — Major Burg von Dr. Eugen j Wölbe — mit einer vortrefflichen Jugendschrift freilich, die allseitige Anerkennung gefunden hat. Noch gilt es, das richtige Verständnis für unsere Bewegung zu schaffen, Vorurteile aus dem Wege zu räumen, tieferes Interesse zu erregen. Allein es mehren sich die Zeichen, dass unsere i Arbeit Anklang findet. Die literarische Welt wendet unserer Tätigkeit ihre Aufmerksamkeit zu, die bedeutendsten Fachmänner halten mit ihrem Beifall nicht zurück. Ein Preisausschreiben nach einem jüdischen Märchenbuch hat weit mehr Bearbeitungen hervorgerufen als Wir erwartet hätten. Tüchtige Kräfte, bewährte-'Schriftsteller wenden sich mehr als zuvor jüdischen Stoffen zu und verheissen wertvolle Leistungen für die Zukunft.' Rührige Verleger suchen mit uns Verbindung und stellen sich bereitwillig in den DnShst der jüdischen Jugendschriften-Bewegung. In den jüdischen Familien nimmt die Erkenntnis zu von dem hohen Wert, den die Lektüre hat für die Hebung des Stammesbewusstseins, für die Stärkung des religiösen Gefühls, es steigert sich das Verlangen, Geschenkwerke aus dem Bereich unserer Literatur i zu wählen. Und so sehen wir der weiteren Entwicklung unserer Tätigkeit voller Hoffnung und. Zuversicht entgegen. .Weiss doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt, Dass Blüt' und Frucht die künfivgen Jahre zieren." Dr. Elbogen (Berlin). Brodacz), Berlin SW., Ititterslras.se 73. Jei« * ■ - i

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