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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-03-01 · Nr. 2 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 2 - März
Date
1907-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Erzeugen Ton Stimmung sein, einer genussfreodigen, gehobenen Stimmung, die sich belebend allen mitteilt und die sich auf allen Gesichtern widerspiegelt. Dieses frohgemute Empfangen, dieses wortlos und unausgesprochene dankbare Geniessen ist der schönste Lohn für die Bemühungen 'der Veranstalter. Wenn die Ehrendamen der Toynbeehalle während der Etfrischungspause Tee und Kuchen herumreichen, wenn sich die Besucher plaudernd und gedankentauschend gütlich tun, um sich dann in herzhaftem Vergnügen an den künstlerischen Gaben des geselligen Teils zu ergötzen, dann muss man sagen, dass keine elegante Soiree, kein nobler five o'clock sich messen kann mit dem Erfolg eines Abends in der Toyabeehalle. Hier ist nichts zu spüren von gelangweilter Nonchalance, von Unaufmerksamkeit, von nörgelnder Kritik; hier herrscht in der Tat Stimmung, Spannung, reges, ehrliches, angeregtes Interesse, kein Hörsaal und kein Konzertsaal der Welt hat ein so dankbares Publikum wie die Toynbeehalle. Sie bleibt in erster Reihe für die vom Leben meist Gedemütigten benimmt. Sie will vor allem diejenigen, die freudlos vom halten Leben gebeugt sind, über ihren Jammer hinausheben, unsere menschliche Achtung für sie zum Ausdruck bringer. ihnen die Wertschätzung, das eigene Ich stärken und kräftigen. Der Wohlhabende vetmag sich manche Befriedigung in Gesell* schalt, an Lektüre, am Verkehr mit Gleichgesinnten, im Theater, auf Reisen und mancher kunstgeweihten Stell* ei bauende Anregung zu schaffen. Der Bedürftige trägt die Scheuklappen seines mühseligen Broderwerbs. Das geringe Einkommen gestattet der kinderreichen Familie nur eine enge kleine Wohnung. In dumpfen Zimmern ist Kummer und Sorge oft zu Gast. - Die Kinder vernachlässigt. Die Eltern abends ermattet .und abgestumpft. Ohne Bildung spielt sich auf niedrigem Niveau das Leben einföimig ab. Und doch offenhält der Genius der Kunst sich nicht nur für Bemittelte, der Poet dichtet nicht gerade für Wohlhabende-, Poesie und Kunst sind unterschiedsloses Gemeingut aller Menschen. Soll daher die Arbeit derjenigen, die um ihr täglich Brot ringen, nicht zum Frondienst werden, dann genügt es nicht, ihnen gelegentlich geistige Brosamen in den Schoss zu werfen, sondern es muss das System festgehalten, weitergeführt und ausgestaltet werden, allen Bedürftigen die Quellen zu erschließen, die labend und erquickend über Mühen und Sorgen hinweghelfen. Planmässig haben wir die Zugang^-zur Bildung zu ebnen und anzubequemen, um auf diesem Wege vor allem zweifelhafte Vergnügungen und Zerstreuungen abzulenken, zu denen die Grosstadt in so reichem Masse verlockt. Die jungen Leute, Angestellte jeder Art und jeden Alters suchen das Wirtshaus, das Kartenspiel, die Singspielhallen vielfach nur aus dem Grunde auf, weil ihnen bessere Möglichkeiten und Gelegenheiten fehlen, sich gesellschaftlich würdiger zusammenzufinden! * Die Toynbeehalle, die buchstäblich genommen ein „gemischtes" Publikum besitzt, kann nicht als eine Institution lür junge Leute schlechtweg gelten. Immerhin birgt sie in sich schon die Möglichkeit der Ausdehnung auf Veranstaltungen von Vereinen junger Männer, also der Fortführung zu Jünglingsvereinen. Die organisierten Zusammenkünfte für jüdische I junge Leute gewöhnlicheren Standes ist eine beim Ausbau der | Toynbeehalle ins Auge zu fassende Aufgabe. " Nicht minder wichtig^, j* vielleicht noch weit wichtiger! erscheinen Veranstaltungen für. die Jugend besserer* Kreise, j auch für die Söhne und Töchter unserer Brüder, für unseren 1 eigenen N ich wuchs. Je mehr diesen Jugendkreisen Wohlleben und gesellschaftlich einwandsfreier Verkehr geboten ist, desto : mehr tritt ihnen das Judentum in den Hintergrund. Die; seltene Gelegenheit zur Stärkung des jüdischen Bewusstseins unserer Jugend macht die Veranstaltung von Jugendvereinen notwendig, deren Tendenzen im Wesentlichen immer wieder den Logen- und Ordensgeist anzuschlagen hätten. Solche Jugendvereine bestehen bereits in mehreren deutschen Städten,! und es sind mir auf eine Rundfrage eine Rsihe ausserordentlich : befriedigender Berichte pber die Tätigkeit solcher Jugendj verbände zugegangen. Eider dieser" Berichte enthält folgenden ■ Passus- : . * - V r „Die Anregung, sich der Jugend mehr zu widmen, kann [ von den Logen nicht, hoch'und wichtig genug aufgenommtu i werden. Wir halten es für unbedingt erforderlich, dass gelegentlich eine eingehende Aussprache von Delegierten der Logen über diesen Punkt stattfindet. Wenn für die Jugend nichts geschieht, verfällt *ie extremen Strömungen." In der Tat sollten unsere Logen .es sich angelegen sein lassen, a'lüberall Jugend verbände zu-begründen, ., Jugendlogen", wenn man so will, Veranstaltungen, die "dazu dienen, junge Männer- und Mädchen neben der Pflege edler Geselligkeit, allgemeiner Belehrung, Bildung und Anregung, ganz besonders mit echt jüdischem Geiste zu. erfüllen. » Die Monteriore-Logein Berlin hat in diesem Semester einen interessanten Versuch gemarht mit der Veranstaltung eines Zyklus voa Jugendvorträgen, umfassend die jüdische Geschichte und Literatur. In fünf Vorträgen, vierzehntägig je ein Vortrag, wurde von fünf verschiedenen Rednern die gesamte jüdische Geschichte populär" und anziehend behandelt. Der Versuch fiel auf ausserordentlich fruchtbaren Boden. Die j Vorträge waren von zahlreichen erwachsenen Söhnen und | Töchtern unserer Berliuer Logenbrüder . durchweg sehr gut besneht und fanden lebhaftestes und wärmstes Interesse. Diese erfolgreiche Veranstaltung der Montefiore-Loge beweist, wie viel nach dieser Richtung hin zu leisten wäre. Arnold Toyubee (geb. 1852,-gest., 18S3), der Schöpfer der grossen, nach ihm benannten Londoner Volksheime hat diesen Institutionen weite Perspektiven -gesteckt. Er selbst ging nicht nur darauf aus,;die Bildung zu popularisieren, das leibliche und geistige Wohl; der* Armen zu fördern und ihnen zu einer menschenwürdigen Erholung zu verhelfen. £ 1 des Siatuts der ersten Londoner Toynbeehalle fordert nicht allein: „Gelegenheit zur Belehrung,. Vergnügen und Erholung für die ärmereu Klassen,* sondern darüber hinaus: „Untersuchungen über die Lebenslageder Armen und über Unternehmungen, die geeignet scheinen, die Verhältnisse zu verbessern. Alle daliin mündenden Bemühungensollen eifrigst unterstützt werden." Unsere kontinentalen jüdischen Tovnbeehallen (in Berlin, Wien, Hamburg) sind zunächst noch bei dem ersten Teil des Programms Arnold Toynbee's' stehen geblieben. Es gilt unter

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