Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Organisation weiter ausgebaut und bis in die kleinste Gemeindt; hin verbreitet werden, auch die Frauen werden zu unserer Arbeit heranzuziehen sein. — was bislang nur in geringem Mitsse-geschehen ist. — weil sie die vornehmlichsten Erzieher unserer Jugend und die Jugeud unsere Zukunft ist. Es mus<; ff ner danach gestrebt werden, dass die einzelnen Logen ilnv Kreise immer weiter ziehen und mehr wie bisher die sozia Höchststehenden für sich gewinnen, um nicht nur sie, sonden auch ihre Kinder und Kinde<kiuder für das Judentum sich präiudizieren zu lassen. Der Feiud im eigenen Lager muss vor allen Dingen bekämpft werden. Wer dieser Feind ist, braucln angesichts der in ersehreckendem Masse zunehmenden Tauft v >n Erwachsenen und Kindern nicht erst gesagt zu wei den Abraham Geiger hat einst den Vorschlag gemacht, ii allen jüdischen Gemeinden Vereine zu gründen, in deueu all wöchentlich jüdische Gemeiuschaftsfragen zu behandeln seien um so das Interesse für alles Jüdische wachzurufen und n rr» zu erhalten. Diese Vereine sollten die alten Cüewras, die s< (■Jiosses im innerjüdischen Leben geleistet, im mo lernen Ge wand repräsentieren. Nun, unsere Logen sind die moderner Onewras geworden, in denen sich das jüdische Leben der Gegenwart konzentriert. /Mögen alle jüdischen Männer unt Frauen, denen es um ihr Judentum ernst ist, sich in der Log«i um das bedrängte Banner des Judentums schalen! Wir liabei unsere Zukunft selber in unseren Händen. R--. htsanwalt Dr. Blau (Frankfurt a. M.). Löge — Toynbeehalle — Jugendvereine. -Mehrere Jrihre hindurcn tauchten in Berlin wiederholt»; Versuche auf. eine Toynbeehalle zu begründen. Erst nachden die Logen sich ihrer Begründung annahmen, konnte sie er richtet werden. Die Logeu aliein hatten genügend geschult«! l'er>önlichkeiten für eine solche Organisation verfügbar. Di» Idee einer derartigen Institution wurde von Logeuzugehörigei M hnell erfasst und wurde ihnen bal 1 geläutig. weil in der Loge selbst das Modell auch für die Toynbeehallen gegeben war, sowohl hinsichtlich der Form wie der grundlegende 1 Tendenzen. Die Toynbeehalle ist die Loge der Armen. Di»; hier in einer billigen volkstümlichen Ausgabe für Bedürftig»! gebundenen und bekundeten Prinzipien der Vereinigung v>/i Menschenrr ihrer Erhebung. Belehrung, Annäherung, seelischer Bereicherung, berühren sich in ihren Unterströmungen voll kommea mit unseren Logenideen. Sie sind vielfach nichts alü ihre Umsetzung in» Volkstümliche. Wie die Begründung von Toynbeehallen sich als eine geradlinige Abzweigung der Logentätigkeit darstellt, so solltet auch zur allgemeinen Errichtung^von Jugend vereinen von der Logen aus Brücken geschlagen werden. Am Alexanderplatz, umbrandet und umwogt von umliegenden geschäftlichen Betrieben liegt unsere Toynbeehalle Kaiserstrasse 10 in nächster Nähe der Synagoge Dies»! Nachbarschaft ist von bedeutsamer Symbolik. Was im Gottes hause gelehrt und von der Kanzel tröstend gemahnt wird, das wird fortgeführt in der Toynbeehalle. Sie ist die natürliche Ergänzung der Synagoge, in vielerlei Beziehung. Sin( 14 es doch auch vielfach dieselben Redner und Prediger, die dort im Talar himmlische Verheissung künden und dann in der Tonbeehalle Kultur- und Weltgeschichte, Literatur und Ethik vortragen. Auch in der Toynbeehalle künden um? lobpreisen wir die Wunder der Schöpfung und des Universums, und wenn hierbei auch nicht nur aus der heiligen Schrift geschöpft wird, sondern aus allen Quellen des "Wisse»:, *° ^ar^ auch dies als Gottesdienst gelten, gleich der ehrwürdigen Nachbarin, der Synagoge. Im Altertum war Bethaus und Lehrhaus zumeist eins. Mau erzählt von einem unserer grössten jüdischen Weisen, 4ass er als armer Jüugling. als junger Handwerker oder Tagelöhner heimlich auf das Dach des Lehrhauses zit steigen pflegte, um durch eine Oerthung lernbegierig den Lehren zu ' tuschen, die vorgetragen wurden. Unsere heutigen Jünglinge klettern seltener auf die Dächer der Lehrhäuser, um ihren Wissen.viurst zu stillen. Darum mussteu wir unsete Toynbeehalle bequemer gelegen etablieren, mit offenen Türen, Jedermann leicht zugänglich. Alle Veranstaltungen für die verschiedensten Kreise junger Leute werden dem Geschtnack, den Neigungen und Gewohnheiten entgegenzukommen haben. Die Besucher derToynbeehalle im allgemeinen sind jejtzt dieAermsten der Armen. Männer, die tagsüber die schwersten Arbeiten verrichten, Hausierer, Tagelöhner, Arbeiter. Handwerkerl ja selbst Nichtstuer, besonders solche wider Willen, sindjin der [Toynbeehalle willkommene Gäste. Es hat jedenfalls das Charakteristische einer Toynbeehalle zu sein, dass der einzelne Besucher nicht viel gefragt wird, woher kommet Du, wohin gehst Du, sondern dass Jeder,* der sich in der f^alle einfindet und sich dort anständig beträgt, auch unbehelligt dort; vet wdlen darf. Eiu bemerkenswertes Kontingentier Bjesucher unserer Toynbeehalle bilden allenfalls auch junge Leute, jüdische Angestellte, Handlungsbeflissene, die sich sonst in zweifelhaften Lokalen herumtreiben würden. Die Toynbeehalle konkurriert bereits mit den - Kaffeehäusern, Tingeltangels und anderen Giftstätten, die von jungen Leuten frequentier^ werden, denen bereits in der Toynbeehalle Anschlus<, Anregung, Zerstreuung und Geselligkeit geboten wird. Die Toynbeehalle ^ill ebensowohl Gutes schaffen wie Bösem vorbeugen, indem sie an winterlichen Abendstunden allen denen, die mit sich selbst und ihrer Zeit nicht viel anzufangen wissen, ein Heim schafft, das sie vor der Wirkuug des Spruches behütet: Mnssiggang sei aller Laster Anfang. Bildung ist Menschlichkeit. „Vermögen, das ist das Geld der Anderen-, sagen die Franzosen. Nur bei den unermeßlichen Goldfeldern der Bildung kann jeder sein eigener Schatzgräber sein, ohne einen anderen zu berauben. Wissen und Bildung ist Freigut. Die Besucher der Toynbeehalle können sich verschwenderisch alle Taschen davon vollstecken und sich an geistigem Vermögen noch so sehr bereichern, es wird Niemandem etwas genommen, es wird Niemand verkürzt. Das merkbare Bildungsbedürfnis, das den Veranstaltungen dieser Art willig entgegenkommt, ist der überzeugendste Beweis für die Existenzberechtigung aller derartiger Veranstaltungen- Das Charakteristische an der programmatischen Zusammensetzung der Abende in der Toynbeehalle mag das