Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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- 13 — nach seinem Inslebentreten dem Ordeusleben zu geben verstanden und der auf das amerikanische Urdensleben befruchtend zurückgewirkt hat. In dieser Rückwirkung kommt der Dank der deutschen Judenheit au die amerikanische für die Schaffung der Ordensidee zum vornehmsten Ausdruck. Wenn wir die ersten J.thre der Tätigkeit des deutschen Distrikts an der Hand der Protokolle der Grosslogeusitzungeu studieren, so ergibt sich uns eine Art Suchens nach jüdischer Arbeit, die der Orden aufnehmen soll, und es sind gar oft Fragen materieller Natur, wie die der materiellen Wohlfahrt der Ordensbrüder und ihrer Hinterbliebenen, die einen breiten Raum in den Verhandlungen der Glossloge und der Einzel- Iogeu einnehmen. Doch gär bald zeigt .»ich dank namentlich dein Eingriff der neuen süddeutschen Logen, denen die, norddeutschen Brüder willig hierin* folgen, ein Sichheraushebeu über materielle Fragen, der energische Versuch, den sich in dem Losuugswiii t ausdrückenden Zielen eure rein ideale und zwar ideal-jüdische Richtung zu geben. Dieser Versuch musste um so eher gelingen, je mehr eiuerstits der Orden in Deutschland uameutlich in deu grossen Städten sich ausbreitete und die intelligenteren uud potenteien Kreise der jüdischen Bevülkeiung an sich zog. und je breiter und tiefeiandererseits die soziale Kluft zwischen Juden und Xichtjuden infolge des auch irr die Geister und Herzen der sozial hochstehenden Nii hiJuden eindringenden Judenhasses sich gestaltete. Scharen von Akademikern, die/ die verderbliche Macht des Antisemitismus am eigenen Leibe verspürt uud sich an interkonfessionellen und jüdischen Vereinen zur Bekämpfung desselben zusanimengetau, aber eikannt hatten, dass es mit der blossen Abwehr ohne innere 'Einkehr uicht getan sei, befreundeten sich nach uud nach mit dem Gedankeu einer aus Gründen eben dieser inneren Einkehr notwendig gewordenen und daiauf freiwillig auf sich zu nehmenden Abs'chliessunp uud traten dem Orden in der Hoffnung bei, dass er zu einem Mittelpunkt lür alle Bestrebungen zur geistigeu und sittlichen Bebung der deutschen Judenheit gestaltet werden könnte. Diese Hoffnung Hess sichXum so schneller verwirklichen, je mehr sich das Verständnis für (Tie soziale Seite der jüdischen Frage innerhalb des Ordens erweiterte und vertiefte. Aber auch umgekehrt, je giüsser dieses Verständnis wurde, in'je mehr Taten es sich umzusetzen begann, um so mehr mussteder Orden ein Anziehungspunkt auch für die weiten Kreise derer werden, denen die angestammte Religion uicht mehr der ausschlaggebende Faktor ihres jüdischen ßewusstseins war. Dank den erwähnten treibenden Kräften, die alle anderen Biüder mit sich fortrissen, hat diese Hoffnung sich in glänzendster Weise ei füllt ■— ich blanche nur zu erinnern an die vielen seither getioffenen Veranstaltungen zur Hebung des sozialen und Bildungsniveaus der deutschen Juden, zur Abstellung beitclitigter Beschwerden gegeu mancherlei Auswüchse des jüdischen Lebens namentlich auf dem Lande, zur sozialen Flu sorge für die wirtschaftlich Schwachen und Krankel), die, weil sie Juden und aini, doppelt'leiden, an die Massiegelu zur Schaffung Detter Ei Wctb-z.weige für Juden und .Jüdinnen und zur Hei beifühl ung-einer zusammenfassenden Tätigkeit auf dem Gebiet der Atmenptie>e paeh den Piinzipiei einer modernen sozialen Fürsorge. Dementsprechend hat sich der deutsche Ordensdistrikt gewaltig ausgebreitet: Aus deu 13 Logen, die im Jahre 1886 sich zur deutschen Distriktsgrossloge zusammengeschlossen, sind seitdem tili, einschliesslich der von Deutschland aus gegründeten Baselloge 67 gewordeu; von damals etwas über 11(K> ist die Zahl der deutschen Bnei Briss auf etwa fisOO gestiegen. Es ist nur natürlichdass eine so ansehnliche . Phalanx deutsch-jüdischer, für die Erhaltung und Mehrung der altererbten Kulturgüter des Judentums eintretender Männer unter zielbewusster Führung' auf das deutsch-jüdische Leben in seinen verschiedeneu Richtungen einen massgebenden Eintlass gewann. Sowohl die in der Grossloge zusAmineugefasste 'jesamtheit der Logen als-auch die 'einzelnen Logen und ihre duich die Logeu gestützten Mitglieder wurden Faktoren des Gemeinschaftslebens, mit denen jeder jüdische Verein, jede Gemeinde, jede Gemeinschaft, zu -rechnen hatte wegen, der moralischen und nicht zuletzt auch wegen der mateiiellen Kraft, die sie iri die Wagschale z'n Weifen hatten. So ist es mit der Zeit dazu gekommen, dass in den (Gremien fast aller gewichtigeren jüdischen Vereinigungen. .Gemeinde:) und Organisationen Logenmitglieder tätig sind-»ud'dass .bei Bedarf von Mitarbeitern und Mitteln auf• die Logen in erster Ruine rekurriert wird. Wo in den. letzten. Jahren ein. jüdisches . Unternehmen in die Wege geleitet, wo eine Zusammenfassung jüdischer Kräfte zur Erreichung von "Gemeinschaftszwecken inauguriert wurde, jedesmal werin ein; über die Gesamtheit heieiugebrochenes-Unglüek Autweüdung.vuii ausserordentlicher Arbeit und ausserordentlichen Mitteln erforderlich machte,\ waren die Logen nicht nur die eisten Spender und Aibeite;. sie stellten auch die Sammler, die Redner, die Rufer irn Streit. / ■ ■«' : . .' Kurz" ihre Organisation'wurde, die Basis, auf der jede jüdische Aktion tusste und mit deren Hilfe sie ihre ersten Schritte unternahm. Die grosseu Organisationen ihrerseits, die unter Mithilfe des Ordeus begründet- oder gestärkt worden waren,' haben ihre hervorragendsten Mitglieder, die dem Orden noch nicht angehörten, dazu vermocht, ihm. beizutreten, was wiederum zur Hebung des Orden nicht . unwesentlich beigetragen. Heute ist wohl allgemein die l'eberzeuguug durchgedrungen, dass der Orden, der beste Resonanzböden für alle iunerjüdischen Bestrebungen bildet, dass er-indir Hand einsichtiger, atü der Höhe ihrer Aufgabe stellender Männer zurzeit das beste Instrument ist, um die im Interesse des deutschen Judentums so unbedingt erforderliche soziale Arbeit zu leisten. Ob wir dieses Instrument uns in der Zukunit zu erhalte., haben? Wahrlich eine müssige Fi age angesichts der Lege, die der immer noch zunehmende: Antisemitismus tur .Inden und Judentum in Deutschland geschaffen hat. Manches ist .'. i . » 7 ■ fr geschaffen, aber jeder Kenner unserer -Vei hältnisse weiss, dass wir erst im Beginn der Arbeit sind Viel, sehr viel und för lai ige 'Zeit hinaus bleibt noch zur tun, um das deutsche Judentum auf die Höhe zu bringen. oie;je'de' Rec htfertigte Anfechtai g . ausscbliesst. Geiieiatiouen werden" an diese)-; im Interesse des Judentum« und des Deutschtums-deich notwendigen Arbeit zu leisten haben, und alle: bislang ivoch'schlummernden Kräfte,- werden autgeiuien werden müssen. -Nicht allein muss unsere.