Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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KeiigicBsgeschicbte. oder der Religionsphilosophie, sofern beide, wie sogar iu den Orientalisten-Versammlungen und Religions- Kongresseu. das Judentum als Vorstufe des Christentums betrachten. Ein Andersgläubiger kann nicht die Wissenschart einer lebendigen Religion, unserer Religion vortragen. Eine lebendige Religion kann nui von Denjenigen wissenschaftlich vertreten werden, dei ihr mit seiner innerlichen Religiosität angehört Diese wii d>"ön koutessioneller Befangenheit durch die wissenschaftliche Gesinnung und ihre Kontrolle unterschieden. Aber mit einer andern Religion im Heizen kann man das 'Weseneine; lebendigen Religion uicht wissenschaftlich vertrete». Es wird die-Zeit kommen, fu der der Staat »ich gezwungen >ehen wird, die wissenschaftliche Vertretung unserer p"'-'»ioa ai> -riae eigene Aufgabe zu ei kennen, erstlich im 'Interesse seiner jüdischen Börger, sodann aber auch aus der Pflicht gegen die wissenscltattliche Wahl heit. Aber wie iahe oder fein diese Zeh sein :.ia^. können wi£jetzt nicht f*"ir isse« Wii haben vielmehr gerade hierbei mit der Absicht der Ausrottung ZU leiiiueil. Andererseits drjwgt sieh,uus nun abei die Erfahrung auf, IUB8 die Kräfte lmniei selteuei werden, welche sich unserer Wissejiscnatt widmen. Frnnei waren es unbedingt die Rabbiner, aai äse mau dei grossen Mein zahl nach sich verlassen konnte, letzt aber'siud iU| praktischen Anforderungen an den Rabbiner, un i zwa. die Pflichten dei sozialen Seelsorge so vielseitig und so dringlich geWoi,u-u. .dass sogar die Gefahr besteht, er möchte daruatei di" lehgiöse Kraft und Tiefe bei ihnen selbst Abbruch erleiden- Iinnierhiü wird umsomehr dafür Sorge getragen werden ntossen. dass ausserhalb des Rabbiuei Standes die Fliege unserei 'Wissenschaft gesichert bleibt. Und dei* he. >'••._•• . Öesi htspuakt bestärkt uns iu der Richtung, unsere; Wissenschaft au dei Universität ihr legitimes Asyl zu begründen. ' _ Hein zweiter Vorscniag geht .daher dahin, dass n a c h d e in Beispiel der grossen Stifter in Am« c i k a. unter denen sich ja auch unter unseren Edelen gr> >.-.^e Vorbilde! finden, und zugleich solche, welche in unserem Orden uavei gäägüche Verdienste haben. Gelder gestiftet werden, mit deuea eine Besoldung derjenigen Gefeinten bewirkt Weiden könnte, weiche unsere Wissenschaft, als die der lebendigen R-ügion des Jodei -ums. an den Universitäten -a dozier. befähigt und gewillt sind. Mail könnte den Ärgwolui oder Vorwand erheben, dass dadurch eine konfessio^eiie Beeinflussung den philosophischen Fakultäten zugemutet würde, wie allerdings solche theologische unl aatioaaiökonomische Eingriffe in die Lehrfreiheit neuerdings versucht worden sind. Indessen beruht diese Analogie auf einem blossen äusserhohep Schein. Denn in jenen Be- ■trenuageD »eil der Staat gezwungeu werden, die Fakultäten zu zwingen. Eine solche Nötigung ist nach unserem Plane ausgeschlossen. Die Fakultät bleibt iu ihrer Souveränität dem in t - .r'i Gelehrten gegenüber, der die venia legendi bei ihr tu ■ ht. Für ihn selbst braucht noch gar kein Zusammenhang mit derjenigen Behöi de zu bestehen, welche das auf- - de' Kapital verwaltet. Nur der Gedanke an :et lirn Ii iickiiah für ihn. Ei weiss alsdann, dass, wenn er in seiner wissenschaftlichen und Lehrtätigkeit sich bewährt, dann auch für seine Besoldung gesorgt sein werde, auch wenn der Staat dieser Pflicht sich entzieht. W i r verlangen weder Habilitation noch Beförderung zur Professur, weder der ordentlichen noch der ausserordentlichen Wir tragen nur dafür Sorge, dass der Gelehrte, welcher die Vertretung der Wissenschaft des Judentums an der Universität .-ich zu seiner Lebensaufgabe macht, ein Auskommen «rlange, welches dem des st aatlichen Professors entspricht. St in religiöser Idealismus wird ihm dann helfen, auf die amtlichen Eliten zu verzichten, welche und sofern sie der Staat ihm wrsagt. Aber der junge jüdische Gelehrte, welcher unsere Sache auf der Universität zu vertreten den Beruf fühlt, muss vor der Sorge geschützt werden, dass er damit '-^iche ergreife. Ich schliesse mit der Erinnerung an den Hailel: ,.Pu hast mich sehr gest« ssen, damit ich aber der Ewige hat mir geholten.'* (Psalm 13.) H e r m a u n Cohen Rückblick und Ausblick. Vers eine brotlose unseres fallen möchte; (Marburg) Jetzt, wo ein Vierteljahrhuudert veiHolsen ist, neit der U. 0. B. B. iu Deutschland wirkt, ist die Frage am Platze, ob und in welcher Richtuug der Orden das deutsch-jüdische Leben beeintlusst, ob er neue Werte geschaffen hat und ob das Interesse der deutschen Judenheit es erheiscjit. die Ordensai beit aufzugebeu oder in bisheriger Weise tortzufühi en oder ihr eine andere Richtung zu geben. Es ist das unbestreitbare Verdienst des Ordens um die amerikanische Judenheit. dass er den bei seiner Gründung in Amerika vorhanden gewesenen Gegensatz (zwischen den Juden verschiedener Ursprungsländer, ja der Juden eihes und desselben Lrspi uugslandes — ich erinnere nur an den einstigen Gegensatz zwischen norddeutschen und süddeutschen Juden in Amerika — überbrückt und die Kräfte der amerikanischen Juden zu seiner vornehmsten Aufgabe, der Bildung lebenskräftiger jüdischer Gemeinden, zusammengefaßt. A.ls der Orden diese Aufgabe, mit der ein gut Teil materieller Fürsorge für seine Mitglieder und deren Angehörige vei knüpft war. erfüllt hatte", konnte seine Organisation zwar noch manchen Gemeinschattszwecken nutzbar gemacht werden; sein geistiger Inhalt aber schien voreist wenigstens ausgeschöpft. Erst als der Eintritt einer neuen Aera von Verfolgungen, die Uber die Judenheit hereinbrach und die einen ungeahnten Sirom osteuropäischer Juden nach Amerika und damit der amerikanischen Judenheit eine ungemein schwere Autgabe, die der Unterbringung und Amerikanisierung dieser Massen, brachte, erst da wurde das alte Gefäss mit neuem geistigen Inhalt gefüllt. Wenn der Orden in Amerika heute wieder ein Mittelpunkt amerikanisch-jüdischen Lebens! geworden ist, so verdankt er dies zwar in erster Linie denjenigen hervorraget den amerikanischen Glaubensgenossen, 'die auf einer höheren Warte stehend die Zeichen der neuen Zeit zt deuten verstanden, aber auch — und nicht in letzter Linie — dem neuen Inhalt, den der deutsche Distnkt des Ordens schon kurz