Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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edlere Gefühle. Und dieses religiöse Wissen schärft zugleich j die geistige Kraft für das allgemeine Wissen. Das ist ein unwiderleglicher Satz unserer gesamten Geschichte. Wir j hätten nimmermehr so schnell und so vielseitig in die allgej meine Kultur eingreifen können, wenn wir nicht aus unserer religiösen Wissenschaft dieses geistige Kapital in unserem Kopfe trügen. Und es ist auch darauf noch besonders zu j achten, dass das religiöse Denken und Wissen die spezifische Quelle des ganzen geistigen Wesens unseres Stamme.-; ist. j Könnte es möglich werden, dass die Kia't des religiö«en Denkens in uns erlahmte so wäre dann allerdings unser geistiger Fortbe^taud in Frage gestellt. Mein Vorschlag geht, nun dahin: dass unser Orden diese : Gedanken in Erwägung nehmen wolle, um i n m ö glichst grosse iv Anzahl solche Anstalten zu gründen, in denen Kinder unbemittelterer Eltern Aufnahme finden, um erstens die allgemeinen Schulen der Stadt zu besuchen, wobei ihnen in der An>talt die Beaufsichtigung und normale Nachhilfe geleistet wird, zweitens aber um einen kräftigen Unter-; rieht in den Elementen unseres jüdischen Wissens zu empfingen.; Pädagogische Rücksichten werdeu dabei mitsprecheu müssen. | Es sei jedoch wiederholt, dass wir von dem Vorurteil der | Ueberbürdung uns nicht abschrecken lassen dürfen: unsere allgemeine geistige Kraft wird durch unsere religiöse Ausbildung '• gestählt. Wir werden dabei nicht zu geistigen Doppelwesen; denn wir entfalten so vielmehr unsere einheitliche Wurzelkraft.! Was die Oertlichkeit und die Anzahl solcher zu errichtenden Anstalten betrifft, so könnte man hierbei die mittleren Städte mit guten Schulen vorzugsweise ins Auge fassen. Und wie in unserem Falle, so würde mau sich am besten wohl von den statistischen Erfahrungen leiten lassen, in welchen Gegenden die Hebung unserer Bevölkerung am unmittelbarsten nottut. Im allgemeinen will ich nicht unterlassen, es auszusprechen, dass mir eine b e t r äc h 11 i c h*e Anzahl solcher Anstalten als durchaus wünschenswert erscheint. Der zweite Vorschlag, den ich unseren Brüdern bei diesem testlichen Anlass unterbreiten möchte, scheint noch höher zu greifen; er hängt aber mit dem ei>teu eng zusammen, könnte vielleicht sogar als seine Fortsetzung bezeichnet werden. Wenn wir uusern Fortbestand sichern wollen, so tun wir dies unserer Religion wegen. Diese soll fortbestehen, und ihr Fortbestand soll gesichert werden. Wenn wir aber schon bei der Jugenderziehung auf die Befestigung unseres religiösen Wissens zu achten hatten, so müssen wir allgemein bestrebt sein, unsere Religionswiss e-n s c h a f t zu erhalten und für ihre Fortbildung aus dem eiörterten Gesichtspunkte zu sorgen. .Es könnte scheinen, als ob die christliche Welt hier die Ausrottung nicht bezwecken könnte, da sie ja ihr eigenes Fundament alsdann abgraben würde. Indessen hat es gerade die jüngste Zeit in erschreckender Weise klargestellt, wie sehr der BZass die Einsicht verdirbt. Wenn schon überhaupt eine gesunde wissenschaftliche Entwicklung durch den Gesichtspunkt gehemmt wird, ans dem man die Wissenschaft des Judentums auf den Universitäten und in der Literatur pflegt, nämlich aus dem der Vorstufe des Judentums für das Christentum, so macht jener zentrale politische Gedanke der Ausioiiung die allgemeine Befangenheit nur immer verstockter. Der Fall N ö 1 d e k e ist ein Warnungsoei'spiel, wie es nicht genauer für ein Musterbeispiel ausgedacht" werden kann. Kenntnis, persönliches Wohlwollen, grosse . Freiheit von theologischen Vorurteilen, werden diesem Mann* nachgerühmt: und dennoch hat auch nach ihm das Judentum'kein.Recht auf Fortexisten?. Das sagt der Professor der semit ischen sprachen uud Literaturen, d**r gauze Generationen von Semkisten herangebildet hat. Bedenken wir nur, wie mancher Keim von religiöser Kraft selbst bei judischen Schülern von solchem gefährlichsten aller Missionare* erstickt worden"' sein mäg. l ud weun da« am e leisten Alter sich herausstellen ko:Hite. wa< kann man da von den Anderen verlangen. Wir' haben jedoch nicht allein und ausschliesslich für die Quellen unserer Religionswissei^chift -hierbei bedacht au sein, indem wir müssen zugleich auch ihre Zusammenhänge mit den allgemeinen Wissenschaften'bedenken: Die Philosophen, die Philologen, die'..Historiker; die Juristen und die Xatioisalökonoineii, um nur bei den Vertretern der sogenannten Geisteswissenschaften stelmti m bleiben, müssen eine weit bessere Kenntnis von uusereni religiösen Wesen erlangen, wenn unsere Religion zu einer e r Ii ö Ii t e.n. g e-s c h i c h t I i c Ii e-n Wi r ksämkeit kommen soll. .Dann werdeu auch die Naturforscher von dieser besseren'Eiusicht beeinflusse werdeu. Es fyleibt wahr, was Z u n z geschrieben hat: »Die Gleichstellung der Juden in Sitte Und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judentums hervorgehen.-' Die Gleichstellung unserer Wissenschaft ist die unerlässliche Vorbedingung unserer wahrhaften, lebendig durchgeführten sozialen Gleichstellung Die Gleichstellung der Wissenschaft aber kann in Deutschland wenigstens, wo ich' die Verhältnisse genau kenne, nur auf der Universität erzielt werden. Und auch in Amerika geht man jetzt denselben Weg. Die deutsche Wissenschaft hat sich vorwiegend auf den Universitäten entwickelt. Daher hat einen nachhaltigen Erfolg, der sich von dem sensationellen des Tages unterscheidet, nur die .Wissenschaft, die auf den Universitäten tortgepflanzt wird. 'Sie hat trotz manchen Schwächen und Trübungen doch immer die Geltung einer gereiften objektiven Ueberzeugüng uncL Lehre. Was wir daher an eigenen Lehranstalten für die Wissenschaft des Judentums aufbringen, kömmt. sicherlichuns selbst mannigfach zugute,! und hoffentlich auch geht manche Einwirkung davon auf die allgemeine Wissenschaft über. Dennoch' aber bleibt diese Einwirkung unterbunden, gehemmt, vom Vorurteil des Ghetto verdunkelt und verdrängt, . Es muss daher unsert Bestreben werden, die W i s s e n s c h af t d e s J u d e nt u ms an den Universitäten einzubürger n. i Wir wissen, dass der Staat in seiner jetzigen Lage sich nichts dazu entschliessen wird,' unserem Verlangen zu entsprechen. Er wird es um so weniger tun, als wir darauf bestehen müssen, dass nur Juden die Wissenschaft des Judentums lehren. Das Judentum ist unsere lebendige Religion; nicht ein Gebiet lediglich der Altertumswissenschaft schlechthin, noch siuch der christlichen Theologie, noch auch nur der