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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 8 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 8
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Willensfreiheit seien Jahre fleissigen Studiums notwendig, umdasLabyrinth dieses uralten Problems zu durchforschen. Verzweifelnd säge ein grosser wahrhafter Forscher ,,ignorabimus". Immer weiter suchten und grübelten, wägten und wagten andere. „Es gibt keine Willensfreiheit, sagt Häckel, der Streit ist endgültig entschieden, sie ist nichts weiter als ein auf Täuschung beruhendes Dogma. •Gibt es wirklich Menschen, denkende Menschen, die es sonst wohl verstehen, schillernden Glasfluss von kostbarem Edelstein zu. unterscheiden und einen gaukelnden Taschenkünstler von einem Zauberer, und die dennoch von solcher Rätsellosung sich blenden Hessen? Unmöglich! Nur wer gedankenlos nachspricht, wer alles Glänzende für Gold hält und kritiklos an alles glaubt, was in wissenschaftlicher Garnierung aufritt, kann jene dogmatischen Behauptungen als Sprüche der Wahrheit akzeptieren, kann glauben, dass sich so einfach eine Brücke bauen Hesse über den . Abgrund, der uns von der Erkenntnis trennt. Wer aber weiss, wie tief und breit «lieser Abgrund ist, wie viel tausend arme, schwitzende Menschen- Häupter sehnsuchtsvoll hinüberschauten, ohne die Wahrheit zu erkennen, der wird nur ein Achselzucken übrig haben für die in ihrer Kühnheit naive Behauptung, es gäbe keinen Ab grünet, wir seien ja schon drüben und ständen fröhlijch vor dem entschleierten Bilde, vor dem gelösten Rätsel. Aber es genügt doch nicht, einfach zu behaupten, man habe das Grosse erreicht; man muss es kämpfend erringen! ' Und die Menscheit ringt und kämpft, und sie wird weite? ringen und kämpfen, getrieben von der grossjen" Sehnsucht nach der Wahrheit, niemals die Hoffnung verlierend, sich ihr zu nähern. Mit Gefühlen des Dankes und der tiefsten Verehrung nennt sie die Namen der grossen Forscher, welche ihr neue; Pfade gewiesen, sie durch den dichten Nebeil um einen Schritt weiter brachten auf dem Wege zu '1er. aus Sternenweite lockenden Wahrheit. Aber mit mitleidigem Lächeln, ohne Groll, blickt sie auf die Irrenden, die den Nebel nicht ahnen und die Abgrunde nicht sehen und glauben, mit einem Ruck sich hinttberzuzwingen in das Reich der Wahrheit, wo es keine Rätsel mehr gibt und keine Narren, da ja alle Antworten gefunden sind. Ohne Groll, aber mit Wehmut blickt die denkende und stetig weiter forschende Gemeinde auf den gedankenlosen, verführten Haufen, der jenen Irrenden zujubelt, sich gross fühlt in dem törichten Wahne alles erreicht, alles beurfi i heU griffen zu haben, und in naiver Verblendung ein Irrlicht mit der Sonne verwechselt. Aber das Irrlichtj verlöscht, und die Stürmer sehen-sich weiter von der Wahrheit als die bedächtig Schreitenden. Kein Groll — aber dennoch eine böSe*" Rache, eine bittere Strafe trifft zuletzt die falschen Propheten, über sie hinwe"g schreitet weiter dje Menschheit und -- vergisst ihre Namen'-. - . -' Zu den speziellen Eigentümlichkeiten jeder PseudoWissenschaft gehöre allbekanntermassen der Ersatz eines klaren Gedankens oder •eitler wissenschaftlich begründeten und in ihren Konsequenzen verfolgten Annahme durch eine ganz' neue, wunderschöne Kombination von Worten oder durch ebensolche neue Wortbildungen, deren Stämme durchaus den klassischen Sprachen zu entnehmen seien. Leere, blendende Worte, die der Autor vorschiebe, den Glauben zu erwecken, er Habe die Wahrgefunden und ein Rätsel gelösj. - Stäunehd höre der naive Laie das neue Wort und glaube ehrlich an ein wissenschaftliches Sein, wo"nichtssei, als ein leerer Schall, ein inhaltsloser Schein. Chwolson bekennt, er habe die „Welträtsel'-' aufmerksam studiert in der festen Hoffnung, in einer Reihe wichtiger Fragen belehrt zu .werden, die von seiner Spezialität weit ablägen und dennoch sein lebhaftes Interesse erregten. Er habe sich ein Verzeichnis von sieben Fragen angelegt, die jeden gebildeten Menschen tief ..•berühren müssten, und auf die Häckel geantwortet habe. Es seien die Fragen: 1. Wie entstand die erste.Bewegung: V.'-* - 2. Was ist das Leben? 3. Was ist die Seele? - '..t , 4. Wie entstand die bewusste Empfindung?.- f>. Was ist der Wille? ' * 0. Was geschieht bei der Befruchtung? 7. Wie erklärt sich die Vererbung? ... Chwolson prüft »He Häckel sehen Antworten der Reihe nach, ohne Spur einer Erhitzung, vielmehr mit der Ruhe und Sicherheit"eines Geistes, der seiner Sache gewiss ist. Ich habe, als ich diese Ausführungen las, an «las tiefe Wort- Jakob Böhme*s denken müssen: ,,Es ist der Seele zugelassen, dass sie eitere. Aber besser tut sie, wenn sie in der Kraft der Majestät einhergeht, wie ein liebes Kind." Nur ein Beispiel! Auf die ' Frage: Wie entstand die bew usste'Empfindung? antwortet Häckel: „Durch Spiegelung der Empfindungen in einem Zentralteile des Nervensystems Darauf erwidert Chwolson mit unübertrefflicher Prägnanz: „Einen Spiegel hat jeder gesehen, also

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