Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 8
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Chwolson behandelt nun in seiner vor kurzem in deutscher Uebersetzung herausgekommenen kleinen Schrift: ..Hegel, Häckel, KrJssuth und das zwölfte Gebot"*) mit vollkommener Unparteilichkeit alles das, was sich in Häckels „Welträtseln" an Physikalischem vorfindet und zwar mit besonderer Ausführlichkeit ein von Häckel als „sicheren Leitstern" proklamiertes Gesetz, das angeblich ..die monistische Philosophie durch das gewaltige Labyrinth der Welträtsel zu deren Lösung führt". In populärer Form vgndet sich ("hwolson an den grossen Kreis der Gebildeton, h . - ° •» I welche Interesse an den modernen Geistesbewegungen nehmen. Er zeigt bis zur Evidenz, wie viel Unheil dadurch entsteht, dass gewisse Autoren ein ebenso einfaches wie selbstverstärwlliches Gebot nur zu häufig übertreten, nämlich das zwölfte Gebot ,denn das elfte existiere berpits in verschiedenen Formen): „Ehe man' zur Feder greift, um über einen Gegenstand zu schreiben, welcher von der eigenen Spezialität weit entfernt liegt, nmss.man jenen Gegenstand mit grotsem Fleiss und gewissenhaft studieren. . . . Dii| sollst nie über etwas schreiben, was Dunicht verstehst." .Der berühmte. Apostel der Sele(<tionslehre. Professor Häckel, habe mit seinem Werk „Die WeiträtseJ" einen buchhändlerischen Erfolg gehabt, der auf dem Gebiet rein wissenschaftlicher Werke kaum seinesgleichen habe. Der Erbig dieses Werkes sei begreiflich-. Zeitungen, Journale, populäre Schriften vergrösserten beständig die Zahl derjenigen, die'von verschiedenen Wissenschaften einiges wüssten und auch zu verstehen glaubten. In immer breitere und tiefer; Schichten iier Bevölkerung dringe das. was. mjan Bildung nenne, und .immer grosser werde die Zahl derer, die nach einer klaren, abgeschlossenen Weltaiv scliauun" rinnen, den Rätseln der Welt ratlos _ . gegenüberstehen und nach einem Messias ausschauen, der ihnen in ihren Kämpfen helfe und die fatalen Widersprüche erkläre, die uralten Rätsel löse. ihnen Häckel. Jahrtausende habe die über die Rätsel der Welt,- des Daseins, ides Lebens gegrübelt „Häupter in Hiroglypjienmützen, Häupter in Turban., und schwarzem Barett, Perrückenhäupter und tausend andere, aime schwit- /ende. Menschenhäupter." Verzweifelnd rufe der Dichter: „Und ein Narr wartet aufj Antwort". Man könne daher die" Leser, welche die „Welt- \ls ein solcher -Messias erscheine . Menschheit Vcr m Vicwcjf X Scilin. Kraim>.-hwei|; 1906. 90 S. rätsei" befriedigt und beruhigt aus der Hand legten, welche die monistische Weltanschauung und die in ihr enthaltene Losung aeeeptierten, nur beglückwünschen und beneiden, denn es sei ihnen dank diesem Buche gelungen, das zu erreichen, was in langen Jahrtausenden tausend anderen armen, schwitzenden 'Menschenhäuptern versagt geblieben sei — die Lösung der Welträtsel. Chwolson fährt fort: „Selbstverständlich liegt es mir unendlich fern, Häckels monistische Weltanschauung, die sein Lebenswerk ist, hier kritisch zu untersuchen, denn ich denke an das zwölfte Gebot und werde mich hüten, über etwas zu schreiben, was ich nicht „verstehe" d. h. nicht in langen Jahren mit grossem Fleiss studiert habe. Nur über das zu meiner Spezialität Gehörige und im Laufe dreier Jahrzehnte Gelernte, Ueberdachte und Gelehrte darf ich mir eine kritische Betrachtung erlauben. Ausserhalb dieser Spezialität darf ich mir als Laie nur erlauben, bescheiden einige Fragen zu stellen. Das Buch ist ja durchaus für Laien geschrieben, soll und muss diesen verständlich sein, soll sie überzeugen. Wenn also einem Laien Zweifel in den Sinn kommen, so darf er fragen, unil er braucht dabei nicht an das obige Dichterwort von. dem Narren, der auf Antwort wartet, zu denken." In Häckels Werk soll nun der Laie angeblich die Lösung der uralten, quälenden Rätsel finden und zwar nicht nur der sieben du Bois Reymond sehen, sondern auch vieler anderer, teils biologischer, teils allgemeiner Natur. Ein Hauptwelträsel liege z. B. in der Frage: „Ist die Welt endlich oder unendlich:" Häckel löse das sehr einfach, sehr bündig, auf sehr bequeme.-Welse, ohne sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung einzulassen, ohne das zu besprechen, was für oder wider vorgebracht sei. Zahllose Beispiele, aut solche Weise Welträtsel zu lösen, fänden sich in der stetig wachsenden Flut naiver Laienliteratur, die ja bei naiven Laien nur zu oft ein dankbares und gläubiges Publikum linden. Sqllte Häckel etwa schon in dieser Frage gegen das zwölfte Gebot gesündigt haben, indem er ein Rätsel löste, ohne in naiver Ahnungslosigkeit seine Bedeutung und seinen Umfang zu kennen? Und sollte der Narr, der soviel Jahrtausende auf Antwort gewartet hat. wirklich sich narren lassen und nicht wissen, dass diese Lösung gar keine Lösung ist, sondern ein inhaltloses Wort, mit dem sich nicht einmal „trefflich streiten" lässt? Auch in der abgrundtiefen Frage nach der — 28 —