Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 8 - Dezember
- Date
- 1906-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 98 — auswärts tage, dass "alsdann der betr. Loge strickte aufgegeben wird, yon jedem festlichen Arrangement abzusehen. — Der Präsident lasst zunächst darüber abstimmen, ob die rnä ihste Sitzung in Berlin oder auswärts abgehalten werden soll, Wo bei sich für Berlin 8, für auswärts 9 Brüder erklären. Die Abstimmung, ob die nächste Sitzung in Mannheim oder Trier abgehalten werden soll, ergibt kein positives Resultat, und wird schliesslich beschlossen, dem]Geschäftsführenden Aussoliuss die Entscheidung darüber zu überlassen. Von Br. Tuch ist die Mitteilung eingegangen, dasü die Hamburger Mitglieder des Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels ihre Demission aufrecht erhalten, -<und somit das Komitee eine weitere Tätigkeit hiebt entfalten kann. Die Angelegenheit wird dem Geschäftsführenden Ausschuss überwiesen mit der Massgabe, für die anderweite Organisation des Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhar dels Yuijchläge zu machen und bis zur Erledigung der Angelegenheit die Geschäfte zu führen. Namens des Reform-Komitees bezeichnet Br. Plaizek die Vorschläge, die dieses. Komitee zu machen beabsich igt, und erklärt derselbe, dass mit einer Besprechung der Alge legenheit dem Reform-Komitee gedient wäre, damit dasselbe tür seine weiteren Arbeiten die Richtschnur erhält. Defini tive Vorschläge werde das Reform-Komitee dem Geiieral-Kon itee in der nächsten Sitzung unterbreiten. Es knüpft sich bitran eine sehr eingehende Debatte, au welcher sich fast alle Anwesenden beteiligen, irgend welcher Beschluss jedoch vird entsprechend der Anregung des Reform-Komitees nicht geftsst Das Soziale Komitee der drei Berlii Logen. ner seit mit Zum dritten Male nimmt das ,,Soziale Komitee si.ir.eni eisten Zusammentreten am 21. Mai 1905 Veranlassung, nach der am H. Oktober d. J. abgehaltenen dritten Zusammenkunft, vor seine Auftraggeber, die drei Berliner Logen, einem Berichte zu erscheinen. Der irrtümlichen Auffassung, die in Logenkreisen über die Aufgaben und Absichten dieses Komitees immer noch steht nnd die in den bisherigen Berichten wiederholt richtig gestellt ist, und zwar die Ansicht oder die Befürchtung, wonach den Logeumitglitdern neue grosse Geldopfer zugemutet werden, um neue soziale Institutionen zu errichten, muss wiederum entgegengetreten werden. Wir weisen vielmehr auf den Inhalt des ersten Berichtes hin und betonen nochmals, dass das Soziale Komitee eine Art Zentralstelle sein soll, wo inffimatorische und instruktive Besprechungen stattfinden, wo das Material zusammengebracht werden soll, 'las nach geeigneter Bearbeitung alsdann den einzelnen Logen zur Verfügung zu stellen sein wird. 1 . Ein System in die praktische Fürsorgetätigkeit zu bringen, eine planlose Unterstützungsmethode zu verhüten, einen iielbewussten gemeinnützigen Wirkungskreis der Logen scharf zu umgrenzen und das Augenmerk dahin zu lenken, wo es in der jüdischen Wohlfahrtspflege noch an Vielem fehlt, und vor ailem eine Stelle zu schaffen, die zuverlässige Angaben über ajlles das, was schon besteht und nicht jedem Interessenten bekannt ist, gewähren kann, das ist in kurzen Umrissen das Programm des viel und ungerecht kritisierten „Sozialen Komitees". Wenn auch einige derartig skizzierte Wohlfahrts-Auskunfteien in Berlin bereits bestehen, wie die Zentralstelle der Wohlfahrtseinrichtungen der jüdischen Gemeinde — das Bureau des deutsch-israel. Gemeindebundes, die interkonfessionelle Auskunftsstelle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur —, so beschränken sich diese Einrichtungen grösstenteils nur auf die Auskunfterteilung über Personalien und vielleicht noch auf allgemeine Angaben über Zwecke und Bestimmungen einzelner Wohlfahrtsvereine, Stiftungen und Legate Die Absichten jedoch, die unser Soziales Komitee verfolgt, gehen weiter und es mögen hier die Worte wiederholt werden, die zur TCröffnung der jadischen Toyobee-Halle in Berlin gesprochen wurden und die wohl in erster Reihe beigetragen haben, die Begründung eines Sozialen Komitees anzubahnen: Unser ganzes Zeitalter ist ein soziales. Es trägt den Stempel wirtschaftlicher Sorge und Fürsorge. Es hat Furchen gezogen in alle Erscheinungen und Bewegungen moderner Kultur. Es heisst darum, die Zeichen der Zeit richtig deuten und verstehen, wenn wir auch unsere Ordensaufgaben in immer stärkerem Masse in das Zeitbedürfnis hinein versetzen und die Fäden sozialer Bestrebungen immer mehr mit unseren Aufgaben verweben. Unsere Logen sind ursprünglich Inseln der Ideale, inmitten allen ruhelosen materiellen und materialistischen Getriebes, Inseln, auf die wir unseren bedrängten Idealismus hinüberretten. Nun sollen sie mehr noch als bisher Werkstätten sozialer Arbeit werden. Die gesamte sogenannte Judenfrage, soweit sie nicht nach aussen hin Politik bedeutet, läuft im Grunde auf wirtschaftliche Fürsorge und Tüchtigkeit hinaus. Nichts anderes ist es, was die besten Geister in Israel bewegt. Alle religiösen und philosophischen Probleme sind davor bis auf weiteres zurückgetreten und haben den sozialen Aufgaben im Judentum Platz gemacht. Von diesen Gesichtspunkten aus, meine Brüder, mit diesen schönen, tiefen Gedanken und Grundsätzen über „Soziale Arbeit" nahm das Soziale Komitee seine Tätigkeit auf. Im Sinne Goethe'scher Worte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" oder im Geiste der Ordensideen, an der Lösung derjenigen Aufgaben mitzuarbeiten, die Humanität zu fördern geeignet sind, vor allem aber mitzuhelfen, die Not der Armen und Dürftigen zu lindern, hat es das Soziale Komitee übernommen, fruchtbringend auf die Wohlfahrtstätigkeit der einzelnen Logen einzuwirken. Dass sich alle drei Logen gemeinsam diesen Bestrebungen widmen, entspricht dem bisher befolgten System, das bei Errichtung des Frauen-Vereins, des Arbeitsnachweises, des Vereins für Krankenpflegerinnen und nicht zum wenigsten der Toynbee-Halle vorbildlich war. Gemeinsam soll gearbeitet werden, damit die Kräfte der einzelnen Logen sich nicht zersplittern, die Arbeiten sich nicht zerstreuen und keine Gelegenheit soll yerabsäumt wei den, zur Stärkung des Zusammenhangs der einzelnen Logen bei-