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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 6 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 6 - September
Article
Beilage zu Nr. 7 - November
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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führen. Aehnliches gilt vom Deutschen Distrikt hinsichtlich des von ihm angebahnten, weiten Zielen gewidmeten osteuropäischen Rettungswerkes. — Eine tiefere Erkenntnis muss darin bestehen, dass die Politik jedweder Volkspersönlichkeit, die sich ihren Platz erringen und ihn dauernd behaupten will, ihren besonderen ethischen und ästhetischen Vorzug, oder dürfen wir sagen: ihre Ueberlegenheit in diesen Dingen programmatisch betonen muss. Eine Politik, die dies nicht vermöchte oder es versäumt, begibt sich ihres Anspruchs auf Recht und Billigkeit, ihr Nationalismus müsste als hohl gelten. Meine Hochverehrten! Als unsre Stammesgenossenschaft lediglich im passiven Widerstand ihre Stärke erblickte, legte sie durch den Tod von Tausenden und Abertausenden auf dem Scheiterhaufen davon Zeugnis" gegen die Dogmen der Kirchen ab. Auch heute noch gehen ungezählte Massen um ihrer Zugehörigkeit zu Jud'a willen in grauenerregender Weise zu Grunde. Nur geschieht es weniger der Dogmen,halber. Diese haben die Kirchen jetzt gegen gar'viele aus ihrer eignen Mitte erwachsenen Feinde zu verteidigen. Sie kämpfen, wie es der verstorbene Philosoph Ed. von Hartmann ausdrückte, gegen die Selbstzersetzung des Christentums. Nichtsdestoweniger ist es verdienstlich, wenn auch von unsrer Seite gegen die neuerlichen Versuche, den Wert des Christentums demjenigen des Judentums überzuordnen, wie es von Harnack und anderen versucht wurde, Front gemacht wird. Es ist erfolgreich u. a. von unsern BBr. Professor Dr. Hermann Cohen-Marburg, Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin, Rabbiner Dr. Bäck, ferner von'Dr. Moritz Güdemann, von Dr. Kellermann geschehen. Indes neben dem Werk der Verteidigung geziemt es uns in der Gegenwart, auch noch durch Wort und Tat einen gewichtigeren Beweis zu erbringen. Heutzutage meine Lieben, durchzieht, wenn auch für Viele, die durch die Tagesereignisse abgelenkt werden, nicht gleich erkennbar, nach ihren letzten Gründen eine zweifache Gührung die W'elt. Dem Problem einer tiefinnig-ethischen steht eine energisch-strebend ästhetischeBewegunggegenüber. Die jüdische Idee verleiht uns den VorzugV für beide Seiten menschlichen Wesens die Träger zu sein, die Träger der Zivilisation, d. i. der sozialen Hilfe, der seelischen Aufrichtimg einerseits, der Kultur, d.i. der persönlichen Freiheit, <JtS> Rechts und der Arbeit, der Bildung, 'der. 'Wissenschaft, und Kunst andererseits. Wie das Programm ein zweiseitiges ist, so soll auch. die Ausführung eine gedoppelte sein. Sie muss nach Selbständigkeit und unermüdlicher Hebung der jüdischen Volkspsyche ringen; und damit soll verbunden sein, dass unser Stamm zum Segen sef iind bleibd für alle Zeiten und Völker, der Erde!/- Das ist der Gedanke, der die m Amerika, in Europa und im Orient verbreiteten Sammel- und Arbeitstätten, die Lo^en der B. Bzur Einigung Israels hat erstehen lassen. Und ob eine Welt der Verirrung uns umtose und schwere Schäden an Leib und Leben und Gütern den Unsrigen zufüge, unter diesem Zeichen feiern wir in begeisterter Stimmung den Stiftungstag unseres geliebten Ordens, der nicht für sich selbst besteht, noch bestehen soll, sondern für die Jüdenhcit, auf dass diese die edelsten und heiligst e n G ii t e r der M e n S c Ii Ii e i t; w_a h r e und entlalte! ' An den Grenzgebieten der Theologie, Philosophie und Naturwissenschaft. Von Gustav Tuch. Von altcrsher gaben die Probleme übersinnlichen Charakters zu Kämpfen Veranlassung, die, wie allseitig bekannt, nicht auf das geschriebene und gedruckte Wort, auch nicht auf Kanzel und Katheder 9ich beschränkten, sondern gar oft bis zur Masslosigkeit sich steigerten, auf die Lebensbeziehungen übergriffen und in heftiger Erregung der Volksleidenschaften die Schranken der Achtung vor Dasein und Besitz der Menschen zertrümmerten. — Es kam eine Zeit — ihr Anbruch ist kaum länger als 150 Jahre alt —, wo man Glaubens-, Gedankens- und Gewissensfreiheit zu würdigen begann, wo man die Menschen weniger nach ihren Dogmen und Axiomen, sondern nach ihren Taten und Leistungen zu beurteilen sich anschickte. Die Früchte dieser geläuterten Erkenntnis beginnen zu reifen. Was in einer freien deutschen Stadt seit fast 50 Jahren verfassungsmassig gilt,' wessen sich die nordamerikanische-Union rühmen darf, Frankreich ist im Begriff es durchzuführen. Es steht mitten in der Trennung der Kirche, vom Staat. Aber auch in England regt es sich mächtig. Dort verhandelt die Regierung mit den beiden Häusern des Parlaments über die Entfernung des Religions-Unterrichts aus den Schulen. Ja, selbst in Spanien will sich die Regierung die.Uöbergriffe der Kirche nicht. mehr gefallen lassen. Man heischt dort die Unabhängigkeit von der alleinherrschenden katholischen Religion und will es jeder gesitteten Bestrebung, jeder ethischen Be-

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