Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 6 - September
- Article
- Beilage zu Nr. 7 - November
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Zahl seiner Begründer die Tragweite des Gesamtstrebensnicht bis zu d-en letzten Folgerungen klar durchdacht; aber sie wurdet) richtig vorgefühlt. Mit zwingender Gewalt tra: die richtige Bedeutung des Satzes vor Augen und drang ins Bewusstsein, dass alle Israeliten als Genossen zu verbinden seien. Das'Trennende is zu bannen, das Gemeinsame ist zu fördern. — Ilm in' einem freien Lande konnte mit dem Zusammenschluss begonnen werden. Kr musste absiehtsgemäss alles parteipolitische und religiös-differenzierende bei Seite setzen. Kraftvoll ist das Wer< -ins Leben gerufen und es hat sich im Laufe der Jahrzehnte dahin entfaltet, dass heutzutage übe - 40 000 Mitarbeiter, darunter fast . 7000 in Deutschland, zu seiner Weiterführung ruhig und unbeiirt verbunden sind. Wohl entstanden seitdem grosse Institutionen gemeinsamen Charakters. Bis i 1 die neueste Zeit waren es solche, die sich einzelnen oder einer Gruppe von-Zielen widmeten, z. B. dei Verbreitung von Bildung im Orient, dem Schulze der Ver-, folgten. Bodensesshaftigkeit in Palästina und anderen Landern. Linderung des Massenelends, Schulgründungen, wirtschaftlicher V iterstützung. — In den letzten Jahren entstand eine aufrechte politische Bewegung. Vielleicht kan sie1 etwas zu früh. Vielleicht waren bei ihrer Pi oklamierung die staatsmännischen Vorbereitungen nicht weitsichtig g4nug getroffen. Vielleicht hatte man die Massen eindringlich darauf aufmerksam machen müssen, dass der grösste Staatsmaj in, den die Judenhcit je besessen, — dass Moses selbst eine vierzigjährige Uebergangszeit gebrauchte. Vielleicht auch hätte man, bevor man überhaupt sich an die Volksmasscn wandte, auf eine imponierende •Organisation sich stützen müssen. Endlich — nach aussen hin — ermangelte es, wie weiterl in nochmals ausgeführt werden soll, eines ethisch ästhetischen Zukunftsprogramms.— Indes schon die», — dass die ottene Kundgebung dieser Bewegung unumwunden in der ganzen Welt erfolgte, dass neben ihr Territorial-, desgleichen in Russland und Oesterreich nationaljüdische Gruppierungen sich an der Arbeit befinden. — ist in seiner Bedeutung unbedingt anzuerkennen. Alle? nun, was auf philantropiscl en, sozialen wirtschaftlichen Gebieten oder in einer der genannten politischen Parteiungen ui ternommen wird — wohlverstanden, nicht die. Parteiungen selbst —, erquillt aus der Geistesstr imung. die das Ordensprogramm der B. B. beurkindet. Die Brüder sind verpflichtet, dieses Programm mit gänzer Seele, mit ganzem Herzen und mit allen Kräften zu erfüllen. Der scheinbare Gegensatz, der darin besteht, dass auch Bestrebungen, die sich bekämpfen, gleichwohl innerhalb des Ordens die gemeinsame Stätte finden, wird dadurch aufgehoben, dass es eben die Tendenz des Bruderbundes ist, die Parteiungen unter einem höheren Gesichtspunkt auszugleichen. Das der ganzen Stammesgenossenschaft gemeinsame Band soll sie fest, innig und einheitlich umschliessen. Sehr geehrte Versammlung,; meine lieben Brüder und Schwestern!. Im Eingang unserer heutigen Betrachtungen wurde gesagt, dass die B. B. in der Begründung ihrer Institution ' einen Wendepunkt zu aktiver Einigung der über die weite Erde zerstreuten Millionen von" Juden erblicken. Was hierunter verstanden sein soll, hat den Gegenstand der weiteren Ausführungen dieser Stunde gebildet. Die Leiden, das Martyrium der Jahrtausende braucht nicht für immer auf unserm Stamm 'zu lasten. In unsern Kreisen hat die Selbstkritik fortdauernd den Spruch betont: „Um unserer Sünden willen sind wir aus unserm Lande verbannt worden.'- Woher aber mag es kommen, dass andre Völker — selbst solche von sehr geringer Menschenzahl, die nicht gesitteter, nicht klüger, nicht fähiger, nicht besser, als wir es sind, sich ihrer Selbstständigkeit und Geltendmachung erfreuen dürfen, während das gleiche in dieser ganzen Zeit uns versagt blieb: Wir müssen es dahin beantworten, dass wir nicht den unbeugsamen geeinten Willen, die aktive Aufrichtung hervorzubringen imstande waren. Darin besteht, volkspolitisch betrachtet, unsere grosse, gemeinsame Sünde. Es ist die Abkehr von dieser Sünde, die vor 63 Jahren von unserm Orden unternommen wurde. ,\\s Hauptelement seiner Aktion hat er die ethische und ästhetische Belebung, die Arbeit am eigenen Menschen, die sittliche, ' geistige ■ und kulturelle Hebung der Gesamt-Judenheit. sowie den Beistand für die Verfolgten, Schwachen und Bedrückten gepflegt. Es musste gleich anfangs die Erkenntnis sich aufdrängen, dass eine der Zahl nach sehr schwache Minderheit ihre Grundsätze und . Forderungen nur dann achtunggebietend verfechten kann, wenn sie wirtschaftlich starke Stützpunkte besitzt. Diese Logik der Tatsachen bildet das kategorische Gebot der Real-, w ie der Sozialpolitik. Die Brüder in der nordamerikanischen Fnion haben deshalb immer als eine ihrer wesentlichen Pflichten es betrachtet, die Einwandernden zu sich heranzuziehen, ihre Gleichwürdigung, ihre geistige und wirtschaftliche Befreiung herbeizu- :i —