Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 6 - September
- Article
- Beilage zu Nr. 7 - November
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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wollens inmitten aller Nationen, in allen Ländern durch unsere Stammesgenossenschaft ihre vor-; nehmste, nie ermattende, führende Vertretung finden sollen. Die eine dieser beiden Bestrebungen schliesst die andere nicht aus, sondern umgekehrt, es wird jede von beiden durch die andere erst richtfg unterstützt. Unter keinen Umstanden dürfen sie zueinander in Gegensätz gebracht werden. Ks war im letzten Feil des achtzehnten Jahrhunderts, als, gleichsam wie der Phönix aus der Asche, die vom bürgerlichen Leben völlig ausgeschiedenen, in kleine Gemeinwesen zerspaltenen Judenschaften aufs Neue zu kraftvoller Eigenart sich erhoben. Von Deutschland ging wiederum die Bewegung aus. Sie erzeugte schwere Erschütterung-'im eigenen Lager. Die ihr innerstes Wesen nicht erfassten, glaubten, dass die Verkünder einer, von der damals herrschenden, abweichenden Richtung im Judentum nur aus Rücksichten auf ihr leibliches Wohl und das ihrer Anhänger eine Neuordnung erstrebten. Sie wollten es diesen nicht zugestehen, dass neben den älteren auch eine andere Auffassung auf tiefer sittlicher Grundlage zu beruhen vermöchte. In jener Sturm: und Drangperiode war man nicht des Lessing'sehen Wortes eingedenk, dass der Knorr den Knubben hübsch vertragen müsse und das Zweigelchen sich m % I 1 nicht vermessen dürfe, als ob es allein der Krde nur entsprossen. Bis in unsre l äge schlagen die Wellen jener Periode; doch haben sie nichts aufregendes mehr an sich, weil immer mehr im Laufe der Zeit die geschichtliche Bedeutung der Kreignisse gewürdigt wird. Die historische Notwendigkeit der Mendelsohnschen Epoche gipfelt darin, dass die Judenheit Kenntnis davon nehmen musste, wozu es die übrige Welt gebracht, und dass sie dieser, Aufklärung über die eignen* letzten Auffassungen zu verschaffen, verpflichtet war. Hätte diese Strömung nicht mit einer alles fortreissenden Gewalt sich durchgesetzt, so war der moralische Einfluss Judas auf die Völker der Erde mangels aufrechten Bewusstseins auf unabsehbare Zeit gebrochen. Wer s'cn selbst helfen will, muss die Hindernisse ergründen, die ihm entgegenstehen. So auch in unserm Falle! Bis dahin hatte man für die Aufrichtung Zions wohl auf Gott vertraut; dem Spruche aber: ..Hilf Dir selbst, so wird Gott Dir helfen", hatte man keine Berücksichtigung geschenkt. Die fast erstorbene Vorbedingung zur Selbsthilfe und zum Selbstbewusstsein war mit dem Eindringen in fremdes Wesen und mit dessen Ueberwältigung ins Dasein zurückgerufen. Damit vermochte aber auch für jenen andern Teil unserer Aufgabe, den"wir in die Worte kleiden: „Sei ein Segeii für alle Völker", die unumgängliche Vorbedingung zu erwachen. Es bedurfte zunächst energischer und nie ermattender Anteilnahme an jeder Art fruchtbringender Forschung und Arbeit. Rasch und unaufhaltsam Und hingebungsvoll rangen die Juden auf den neu ihnen eröffneten Bahnen. Sie vergossen ihr Blut in den Kriegen und Kämpfen für die Nationen, in deren Mitte sie aufgewachsen waren. Ihre Schaffensfreudigkeit im weit- und volkswirtschaftlichen Leben braucht hier nicht erst hervorgehoben' zu werden. Sie lieferten den Staaten bedeutende Denker. Sittenlehrer und Dichter; Staatsmänner und Politiker. Künstler, Lehrer,,'sowfe Praktiker der Heilkunde, des Rechts, der Naturwissenschaften und der Technik. Alles dieses war Vorarbeit. Wohl strauchelten und fielen gar manche auf dem Wege, tauchten unter oder wurdea zu Fall gebracht. Tdusende wurden durch den Fanatismus der Völker vernichtet, wie jeder Daseinskampf unvermeidlich es erheischt. Allein unverkennbar bleibt eine siegreiche Gesamtwirkung. .Anfangs spriesst sie unbemerkt. Seit nunmehr 63 Jahren giebt sie sich in einer Neuerscheinung deutlich kund. Es erwacht unter den Unsrigen der Gedanke wieder und die Gemüter fühlen sich entflammt in der höheren Einsicht, dass weder die Teilung nach Landsmannschaften, noch nach religi<>6en Parteien oder wie" die Scheidungsmomente sonst heissen mögen, uns zurückhalten dürfen; es gilt die Zerstreuten um das Banner der jüdischen Idee in ihrer geschichtlichen Entwickelung zu scharen und eine unerschütterliche Phalanx herzustellen. Das darf nicht missverständlich gedeutet I y - ' - ■ ■ werden. Es soll nicht damit gesägt sein, dass wir für das Land, worin wir geboren, dessen Spräche wir sprechen, wo wir äuferzogen-wurden und wirken, wo sich die Gräber unserer Dahingeschiedenen befinden, oder dass wir für seine Bewohner, deren freudvolle und leidvolle Geschicke wir teilen, in unsern Gefühlen ermatten wollen. Aber für die Hochhaltung unserer, als der erhabensten .Menschheitsideale dürfen wir vermittelst-Hingebung in lebensvoller Berührung an alle " Völker, ja müssen wir eintreten. Und grade deshalb, nicht nur um unsrer Sonderstellung,- sondern um dieser Aufgabe willen dürfen wir die Anerkennung verlangen, däss erst mit der Aufrichtung jüdischer Territorien die jüdische Eigenart sich wieder frei zu gestalten und die höchsten Ziele, ihrer Mission zu erringen vermag. . . Im Bund der B. B. wurde von der kleinen