Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 6 - September
- Article
- Beilage zu Nr. 7 - November
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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I und ihre2Zeit damit abgelaufen, dajnn hörten sie auf zu bestehen. Die dauernde i Leistungen Griechenlands und Roms blieben ii ihrer Nach-' Wirkung der Kultur erhalten, ohne dass es des Weiterlebcns dieser Weltreiche bedurfte. Aber hinsichtlich Judas liegen die Dinge;.nders. Denn seine führende Einwirkung erstrec-ct sich ausser auf die Kultur auch auf die Zivilisation: sie soll nichts abgeschlossenes sein, sonde-n mit den je nach den Zeitbedürfnissen erforder ichen Formen aufwärts Und höher leiten. Das eben ist das Eigenartige unseres Stammes, dais durch ihn sowohl Individualismus und Nationalismus, als auch Sozialethik; allumfassendes Menschentum auf das Energischste und Innigste verkörpert ist. Der begriffliche Untersclüed, den wir zwischen Kultur und Zivilisation aufstellen. Stelle wiederholt erklärt worden. hier nochmals folgendermassen zu: ammenerefasst sein. Es soll verstanden werden: das Ergebnisder Geltendmachung und Durchsetzung des Willens der Einzelin ist an anderer Kur/ mag er unter Kultur lividuen, d. die persönliche Freiheit, ihre Begrenzung und Festigung ^ermittelst des Rechtsstaats, die rtua.st, die Wissenschaft und alles, wasdank zusammenhängt, — unter Zivilisation abei das Gegenseitigkeits- und soziale Verhältnis. Moral und Gesittung, mit einem Worte das. was wir mit dem Höchstausdruck: Menschenliebe bezeichnen. Nun bernfen wir uns dafür, dass die Kinder Israels stets die Bahnbrecher der Fieiheit und des Volkstums gewesen sind, auf iin;rschütterliche Zeugnisse, vor Allem auf Mos», des erhabensten Künders und Betätigers der Mensc hebung. Wir stellen ferner fest, dass ungeachtet mehrtausendjähriger Loslösung vom des Verlustes mancher sonstiger nationalen Zusammenhangs hoch die Hochhaltung von Judas Volk Persönlichkeit die Geister von Millionen der Urisrigen fesselt und ihre Herzen erbeben macht. Nach verhältnismässig kurzer Selbständigkeit im eigenen Staatswesen gingen zwar die hohen Güte r persönlicher und. nationaler Freiheit den Juden verloren. 'Es ist aber gezeigt worden, dass in allen hervorragenden Epochen derGeschichte diejenige Minderheit, der von "den Zeiten der alten Völker; bis auf die heutige Stunde gar selten der Sonnenschein leuchtete und die fast -immer unter der Last und dem Elend erdrückt unt zermalmt zu werden schien, den Völkern das Licht und die Entfesselung aus Knechtschaft gebiacht hat Be sässe Juda sonst kein einziges Verdienst um die lenrechtc, Er- F.rblande und Bedingungen leutigen Tags Geschlechter der Menschheit, hieraus allein ergibt sich, dass es nicht nür ein Faktor, sondern das eigentliche Element der Kultur gewesen ist, und — fügen wir hinzu — auch bleiben wird. Anerkannter, als um die Kultur, sind die Verdienste unseres Stammes um die Zivilisation. Alles, was sich monotheistisch, was sich ethisch nennt, hat unsere Gesetze der Menschenliebe, der Moral und Gesittung, als unbedingt und unabänderlich verkündet und aufgenommen. Erst der N'euzeit^st es vorbehalten geblieben, zwei Anschauungen zu vertreten, die in ihrem Mass die Abtrennung verfechten. Es tauchte eine kirchliche Partei auf. die sich bemüht, das Christentum vom alten Testament unabhängig zu erklären und zu gestalten. Eine andere unkirchiiehe Partei verwirft das Christentum mit der Begründung, es sei nichts anderes, als jüdischer Geist und jüdisches Machwerk. Um dieser Ausgeburten willen brauchen wir nicht besorgt zu sein. Denn ohne Zivilisation, die unlser Ureigentum ist und besser und vollkommener, als von uns, nie gcpllegt wurde, werden aufwärtsringende Menschengeschlechter nimmer auskommen. Indes soziale Gesinnung unel soziale Aeusserungen erfassen nur einen Teil menschlichen Wesens, das auch der Kultur in gleichem Masse bedarf. Hierin nun besteht ein Grundunterschied zwischen den verschiedenen Religionen einerseits, jüdischer Lehre und Praxis andererseits. Jene stützten ihren Werdegang auf gewaltsame Unterwerfung und Vernichtung. Im Gegensatz hierzu heischt unsere Sendung echtes, ehrliches Liebeswerk verbunden mit geistiger Erleuchtung und Aufrichtung. Als Finsternis ehe Völker der Erde umnulcte, hatten die Kinder Israels bereits Licht in allen ihren Wohnungen. Die Forderung von Kultur und Zivilisation gilt uns als untrennbare Aufgabe. Zu ihrer Durchführung sind zwei 'im Wesen wurzelnde Bestrebungen erforderlich : Nur in wie;lererrungener selbständiger Volkspersönlichkeit kann die jüdische Auffassung rein zur Darstellung gelangen. Ein solcher Zustand dürfte jedoch nimmer einen Abschluss von der übrigen menschlichen Gesellschaft in sichschliessen. Schon daraus ejgiebj sich, dass er eines Korrelates bedarf, einer gleichwertigen, notwendig damit zusammenhängenden Bedingung. In ihr erfüllt sich die Bedeutung unserer Zerstreutheit über die ganze Erde. Denn diese zeugt dafür, dass wie in früherem/so auch in zukünftigem Zeitenlaufe die Tugenden der Freiheit und Gerechtigkeit, sowie diejenigen der Gesittung und des Wohl- ■ -.