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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 6 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 6 - September
Article
Beilage zu Nr. 7 - November
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Es war zur Zeit des römischen Kaisertums, dass mit Fug erwartet werden durfte,, die-Leitung von Kultur und Zivilisation werde in segensreicher Weise in die Hände unseres Volkes , übergehen. Politisch war um 40 vor der bürgerlichen Zeitrechnung die Laye überaus günstig. Rom lag in blutiger Zerklüftung. Judäa konnte sich entweder auf die starke Gemeinschaft mit den Parthern stützen oder umgekehrt seine äusserst wertvolle Bündesgenossenschaft den Römern aufdrängen. — Zur Erringung einer bedeutenden Machtstellung hätte es aber .eines staatsmännisch klügeren Königs, als des schwächlichen Antigonos bedjurft, der es verstanden hätte, den unheilvollen Ijlerodes aus der jüdischen Herrschaft auszumerzen. Indes selbst beim Verzicht auf machtgebietende Politik, ja sogar ungeachtet staatlicher Selbständigkeit hätte d zivilisatorische, soziale Sieg unter jüdis sich vollziehen müssen. Denn zur l's Verlustes ifr ethische, <:hem Banner selben Zeit war die aus mosaischer Lehre entsprungene Auffassung in Syrien und Kleinasien, Griechenland und Rom weit verbreite, fortwährend grössere Anerkennung. Der Einfluss eines Hillel, eines später der eines Josephus und vinlcr anderer machte sich geltend. Ja, selbst de Essäer Johannes und Jesus von Xazareth standen vollständig innerhalb des alttestamentlichen Der ehemalige Pharisäer Paulus unc n Egypten, und errang Philo, etwas [deenkretses. seine * Epigonen, denen es mit der Ausbreitung des Juden tums unter den Massen der verschied snen Völker Schäften nicht rasch genug ging, imgaben es mit einem Gewände des Dogmas, des Mystizismus und der Sinnfälligkeit. Von nun an gab sich das Christentum als neue Lehre, und als es ihm doch nicht gelingen konnte, seinen geistigän und ethischen Ursprung, d, i. das Judentum durchaus zu verleugnen, half es sich damit, siel gegen die Personen, gegen die Gesamtheit der Juden zu wenden, sie als verstockteste Sippe anzuklagen, in Bann und Acht zu erklären. Mit der orientalischen Tochterrelligion verhält es sich ähnlich, wie mit der okzidentalischen. Christentum wie Islam schöpften aus jüdischer Ouelle. Sie zu erschöpfen vermochten sie nicht, so suchten sje das, was sie nicht jbernahmen, auf andere Weise zu ersetzen und iu ergänzen. Auch Mohammed hielt sich anfängli :h streng an alttestamentliches Gesetz, an die Schri "t und Ueberlieferung. Er stand zu Juden in verwandtschaftlichem Verhältnis, fasste unter ilver Leitung seine Pläne, lernte von ihnen, bediente si:h ihrer, besonders im schriftlichen Verkehr und gedachte mit ihrer Hilfe und an ihrer Spitze sein Reich zu begründen. Und wiederum gleicht es einem Verhängnis, dass jüdische Gelehrte und Dichter ihn verhöhnten und lächerlich machten. Er hat es ihnen vergolten, sie bekriegt und ihre Uneinigkeit erleichterte es ihm, sie zu besiegen. Aus Freundschaft wurde Hass. Es lässt sich darüber streiten, ob , die daraus entsprungene Bedrückung grösser oder geringer bei Mohammedanern als bei Christen zur Ausübung gelangte. Für Mitteleuropa war die Zeit erfüllt, in der es unter der j Verdummung und Verrohung des Mittelalters geschmachtet hatte. Der Verkehr mit ' neuentdeckten Ländern, der Reichtümer über die alte Welt ergoss. schuf neue Gesellschaftsklassen. Grösserer Komfort und Luxus wurde weithin verbreitet. Die Renaissance rief bei den bevorzugten Ständen den Sinn wach für »höhere Bedürfnisse und edle Formen. Ceberall regte sich auch der Drang nach erweiterter Weltanschauung. Gar zu lange waren Verstandestätigkeit und Schönheitssinn zurückgedrängt worden. Von Deutschland aus erging der Weckruf zur Reformation und — die jüdische Literatur ist es gewesen, die Anregung zu dieser weltumfassenden Bewegung gegeben hat! Ein hervorragender Geschichtsforscher hat den Satz geprägt und, hat ihn ausführlich begründet, der da lautet: „Man darf kühn behaupten, dass der Streit für und wider den Talmud das Bewusstsein der Deutschen wachgerufen und eine öffentliche Meinung geschaffen hat, ohne welche die Reformation, wie so viele andere Versuche in ihrer Geburtsstunde gestorben oder gar nicht zur Geburt gelangt wäre." — Aus dem Attentat, das der Judentäufling Pfefferkorn zu seinem persönlichen Nutzen gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen unternahm, ist der grosse Streit um das jüdische Schrifttum zwischen den Dominikanern einerseits, Reuchlin, Ulrich von Hutten und deren Anhang andererseits entstanden. Reuchlins Name, des gelehrten, gewissenhaften Streiters für Recht und Wahrheit, wird unsererseits stets in Dankbarkeit gedacht werden. Sein Eintreten für die gute Sache hat es herbeigeführt, dass in ganz Europa das Interesse für das Hebräische geweckt wurde. Die gesamte gelehrte Welt warf sich auf das Studium dieser Sprache, las die Tora im Urtext und erkannte daraus die Fälschungen der lateinischen Vulgata. Der Anstoss war gegeben. Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche. Der Bruch mit Rom erfüllte die Lande. Der Wittenberger Reformator trat anfänglich warm für die — 20

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