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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-09-01 · Nr. 6 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 6 - September
Date
1906-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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wirtet, kehrten sie nach Einnahme eines frugalen Abendbrotes mit Anbrach der Dunkelheit wieder nach der Stadt zurück. Obwohl die erzielten Erfolge nicht unbedeutem waren, standen sie doch in keinem Verhältnis zu den aufgewandten Kosten. Infolgedessen sahen wir uns veranlasst, die Entsendung einer Vollkolonie ins Auge zu fassen, unc da die finanziellen Schwierigkeiten, dank der Opferwilligkeit der zur Tragung der Kosten herangezogenen BBr. unserer Loge, sehr bald in befriedigendster Weise tiberwunden waren, konnten wir an die Ausführung unserer Absicht gehen. Bei den Vorberatungen des Komitees, welches sich für diese Angelegenheit gebildet hatte, wurde beschlossen, dass die Kolonie nach einem leicht zu erreichenden Orte im Gebirge gehen, die Verpflegung — selbstredend rituell — in eigener Regie erfolgen solle, und dass die zu entsendenden Kinder, welche wohl erholungsbedürftig, aber nicht krank sein sollten, den unbemittelten Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinde zu entnehmen seien. Eine beschränkte Anzahl, etwa 2, sollte der Namhaftmachung durch unsere Tarnowitzer BBr., welche sich auch in hervorragender Weise finanziell beteiligten, vorbehalten bleiben. Sämtliche Kosten sollten durch unsr-getragen, dafür aber die betreffenden Kinder uns fürv die in Betracht kommende Zeit von ihren Eltern bedingungslos überantwortet werden. Um es der zur Leitung zu berufenden Persönlichkeit und uns selbst — wir hatten ja auf diesem Gebiete noch keinerlei Erfahrungen! — nicht allzusehr zu erschweren, wurde beschlossen, diesmal nur Mädchen in die Kolonie zn entsenden, es der Zukunft tiberlassend, auch in dieser Beziehung einen Ausbau vorzunehmen. Die Frage der rituellen Verpflegung war picht so leicht zu lösen, und wir mussten daher Orte, die sonst sehr geeignet für uns gewesen wären, aus diesem Grunde ausser Betracht lassen. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen gelang es uns schliesslich, unter tätiger Beihilfe des in Freiwaldau ansässigen Br. Schindler von der Friedensloge, die erforderlichen Räume in dem nahe bei Freiwaldau in Oesterr.-Schlesien gelegeneu B u c h e 1 s d o r f im Hause des dortigen Bauerngutsbesttzers Grams zu finden, wie sie für unsere Zwecke passender kaum sein konnten. Drei grosse, luftige Zimmer mit einer geräumigen Küche und einem langen Verbindungsgang, der in der Folge als „Speisesaal" diente, wurden von uns dort gemietet, wobei noch als besonders wertvoll in Betracht kam, dass der Besitzer über einen reichbesetzten Kuhstall verfügt und einen ziemlich ausgedehnten Wald sein eigen nennt, den er unseren Kolonisten zur freien Verfügung für ihre Spaziergänge überliess. Der Ort selbst, idyllisch am Fusse des Altvatergebirges in der Nähe des bekannten Kurortes Gräfenberg gelegen, bietet würzige, reine Gebirgsluit und bequeme, ebene und bergige Spaziergänge in Hülle und Fülle. Zur Leitung der Kolonie wurde uns in dankenswerter Weise von dem jüdischen Schwesternheim zu Breslau, zu dem wir ja durch unsere drei Beuthner Krankenschwestern, die diesem Heim vertragsmässig angegliedert sind, in innigen Beziehungen stehen, eine Krankenschwester gegen massiges Honorar überlassen, während wir für die Wirtschaftsfülirung eine jüdische Frau aus unserer Nachbarstadt Königshütte gewonnen hatten. Es sei gleich an dieser Stelle bemerkt, dass beide Damen nicht nur die in sie gesetzten Erwartungen vollauf erfüllt, sondern sich auch die allgemeine Liebe der ihnen anvertrauten Kinder und die uneingeschränkte Anerkennung all derer erworben haben, die mit der Ferienkolonie irgendwie in Berührung kamen. ' ' So konnten wir denn am!>. Juli die 14 Mädchen, welche nach sorgfältiger Auswahl und -.ärztlicher Untersuchung sich vier Wochen der Segnungen der Ferienkolonie erfreuen sollten, unter Obhut der beiden vom wähnten Damen, von unseren besten Wünschen begleitet, nach Buchelsdorf entsenden. Vorher waren freilich noch einige Schwierigkeiten, die Bekleidung der Kinder, Anschaffung von Kücheninventar u. dergl. betreffend, zu überwinden gewesen, aber auch hier hatte uns der Opfersinn unserer Schwestern, ihre Geschicklichkeit und ihr Eifer nicht im Stiche gelassen. Die erzielten Resultate übersteigen bei weitem die Erwartungen, die wir gehegt hatten, und wir dürfen unsere Ferienkolonie nach jeder Richtung als einen vollen Erfolg bezeichnen. Das blühende Aussehen der Kinder, . ihre von Frohsinn und Dankbarkeit strahlenden Gesichter, ihr Bemühen, sich von der besten Seite zu zeigen» die röhrende Liebe zu den beidenJ)Amen, die sich nach der Heimkehr beim Abschiede kündgab, all das waren beredte Zeugen von dem segensreichen Erfolge. Hatten wir durchwe&s Gewichtszunahmen von 3—8 Pfd. erzielt, den Hauptzweck, die Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern, also erreicht, so erfüllt uns nicht minder das Bewusstsein mit Befriedigung, diesen Kindern, die sonst aus den engen und nicht immer günstig auf sie einwirkenden Verhältnissen ihres Elternhauses nicht herauskamen, die Schönheiten eines von der Natur so reich gesegneten Fleckchens Erde gezeigt, sie an Ordnung und Sauberkeit gewöhnt und dadurch auch erzieherisch auf sie eingewirkt zu haben. Auch finanziell haben wir ein ausserordentlich gutes Ergebnis zu verzeichnen. ' Trotz kostspielieger Inventaranschaffungen und anderer nicht vorhergesehener Ausgaben haben wir von dem zu unserer Verfügung gewesenen Betrage von Mk. 1220 — Mk. 400 hieivon hatten die Logenkasse und der Schwesternbund beigesteuert, während die übrigen Mk. 820 aus freiwilligen Beiträgen von Brüdern,unserer Loge herrühren — noch einen Fond von über Mk. 200 für das nächste Jahr übrig behalten. Die Verpflegung der Kinder, die kräftig und reichlich war, dje Hin- und Rückreise und alle sonstigen Ausgaben zusammen ergeben somit einen Durchschnittsaufwand von nicht ganz Mk. 73 pro Kind, so dass sicherlich auch in dieser Beziehung die allgemein bei uns zutagetretende Befriedigung über das Ergebnis unseres Unternehmens gerechtfertigt erscheint. Will's Gottj so gehen wir im nächsten Sommer mit noch grösserer Freude wieder an die Entsendung einer Ferienkolonie, und die in diesem Jahre« gemachten Erfahrungen werden dabei verwertet werden. Unser Br. Expräs. Z a d i g, der Vorsitzende des betreffenden Komitees, ist gern bereit, Anfragen aus den Kreisen nnserer Schwesterlogen über Einzelheiten eingehend zu beantworten, denn wir hoffen, dass, angeregt durch unseren heutigen Bericht, diejenigen Logen, welche noch keine Ferienkolonien haben, sich zu'deren Schaffung entschliessen werden. , »_ »T. \ Aus den Logen, des VIII. Distrikts. Lessing-Loge-Breslau. Der Finanzsekretär Br. Max Goldschmidt II erstattet den Jahresbericht pro 1905/06 der Lessing-Loge. Eingangs des Berichts führt Br. Goldschmidt ans:

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