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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-09-01 · Nr. 6 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 6 - September
Date
1906-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 78 — i ethischer Aufgaben zusteht, kann mit einem gewissen Stolz auf die Tätigkeit und die Erfolge der letzten 10 Jahre zurückblicken. Weit über 22 Tausend Bewerbern sind Stellungen verschafft worden. Der 70 jährige Greis und der bei einem Handwerksmeister untergebrachte 14 jährige Junge klopfte nicht vergeblich bei uns an. Dem ehemals wohlhabenden Kaufmann, der durch missliche Verhältnisse gezwungen ist, sich im reifen Alter nach einem Broterwerb umzusehen, zahlreichen Familienvätern, die für Weib un< Kind nicht das tägliche Brot im Hause hatten, war unser Arbeitsnachweis die Zufluchtsstätte, die manche Träne trocknen half, die alle diese Bewerber vor moralischem und materiellem Verfall bewahren konnte'- Der Vortragende wies darauf hin, dass^ die Möglichkeit, diese segensreiche Tätigkeit ausüben zu können, in erster Reihe der Initiative der Berliner Bnei-Briss-Logen zu danken ist, die im Jahre 1896 unter der Devise: „Arbeit — nicht Almosen" mit geringen Kosten die erste Arbeits-Vermittelungsstelle begründeten. Nachdem sich der Verein nunmehr 10 Jahre hindurch mit den allerbescheidensteu Ansprüchenin bezug auf seine Geschäftsräume begnügt hat, und infolgedessen den ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern, die jahraus, jahrein und Tag lür Tag, mit Eifer ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten, grosse Opfer zumuten musste, brach sich die Ueberzeugung Bahn, dass eine gedeihliche Weiterentwicklung nur möglich sein wird durch Beschaffung von neuen, zeitgemässen und erweiterten Räumen. Unser sehnlichster Wunsch ist nunmehr in Erfüllung gegangen. Wir sind heute in der Lage, gewisse jüdische Arbeitsuchende, die bisher einen bestimmten Erwerb nicht hatten, „produktiven'' Erwerbszweigen zuzuführen; wir werden jetzt in den Stand gesetzt, eine Schreibstube und Lehrkurse einzurichten," und wir hoffen, mit diesem Versuch einen weiteren Schritt auf dem Gebiete der grossen wirtschaftlichen Bestrebungen der Juden vorzunehmen. Der Vorsitzende wies in seinen weiteren Ausführungen darauf hin, dass unser Arbeitsaachweis eine segensreiche Schöpfung nicht nur für den einzelnen ist, sondern dass auch Stadt und Gemeinde ein erhöhtes Interesse daran haben müssten, unsere Einrichtung, die wesentlich zur Entlastung der öffentlichen und privaten Armenpflege beiträgt, in hervorragendem Maasse zu unterstützen. Wenn auch die bisher gewährte Gemeindesubvention neben der in so reichlichem Umfange bewiesenen Opfei Willigkeit der Logen und vieler anderer Gemeindemitglieder uns die Erfüllung der vielen Aufgaben erleichtert hat, so dürfen wir nicht verschweigen, dass neue grosse Anforderungen neue grosse Mittel erheischen, und dass wir demnächst unseren Freunden uud den humanitären Institutionen unsere gewissen Wünsche — mit hoffentlich glücklichem Erfolge — ausführlich zu uutei breiten Sias Vergnügen haben werden.- ) Dass aber in unseren Reihen He/z und Sinn für diese SchöpfuDg vorhanden ist, beweist die/überaus grosse Bereit? Willigkeit, mit der sich die sämtlichen Vorstandsmitglieder und neben diesen in besonderem Masse die Logenmitglieder Julius Bodenstein und S. Weile, sowie das Damen-Komitee an den Spe.i len beteiligt haben, die uns die Anschaffung der gesamten neuen Geschäftseinrichtung ermöglichten. Br. Dr. Ginsberg gab am Schlüsse seiner Ausführungen der bestimmten Hoffnung Ausdruck, dass diesen Wohltätern noch weitere viele Freunde dieser gemeinnützigen Anstalt folgen mögen. Die Anwesenden, unter denen Prof. Dr. M a y b a u m, ferner als Vertreter der Grossloge des Ordens Bnei-Briss Justizrat T i m e n d o r f e r , Br. D. W o 1 f f und die Präsidenten der drei Berliner Logen, sowie zahlreiche Mitglieder der Gemeinde-Kommissionen, vieler Vereine, der Logen usw. bemerkt wurden, unternahmen alsdann eine Besichtigung der Räume. Rabbiner Prof. Dr. Maybaum beleuchtete bei dieser Gelegenheit in einer kurzen Ansprache die Bedeutung und grosse Wichtigkeit dieser eminent sozialen, von echt jüdischem Geiste getragenen Einrichtung, der er den Segenswunsch für ihre weitere Entwicklung auf den Weg gab. Dass diese segensreichen Bestrebungen von bestem Erfolge gekrönt werden und dass sie weiterhin ein bedeutungsvoller Schritt sein mögen auf defn Pfade, der die Juden zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit führt, das walte Gott. E. C. Arrangements an Badeplätzen etc. Auf Veranlassung des Br. Dr. G i n s b e r g teil« ich Ihnen mit, dass wir in Kissingen verschiedene Logensitzungen abgehalten haben, unter anderen eine Sitzung, welche vom Kirchenrat Br. Dr. K r o n e r aus Stuttgart geleitet wurde, und in welcher wir das Vergnügen hatten, den Br. Prof. Dr. Hirsch aus Chicago zu hören. Br. Dr. Hirsch hielt uns einen 1stündigen Vortrag über das Logenwesen und Judentum in Amerika, und kann ich versichern, dass jeder der Anwesenden, es waren 3(5 Logen vertreten, von dem wundervollen Vortrage hingerissen waren. Ich hoffe, Br. Hirsch wird, wenn es ihm irgend möglich ist, uns auch in der Berthold Auerbach-Loge einen ähnlichen Vortrag halten. Dann haben wir in Norderney eine Sitzung abgehalten, wo uns Br. Dr. Elbogen ein glänzendes Referat über Toynbeehallen erstattete, das sicher, den Grund legen dürfte zu weiteren derartigen Einrichtungen, denn alle anwesenden Brüder waren voller Begeisterung für die Idee. Detmold Loewenstein, Mitglied der Berth. Auerbach-Loge. Wohlfahrtsbestrebungen der Logen. namreh-Loge in Beuthen. Nachdem die Arbeiten in unseren Logen nun allseitig wieder aufgenommen sind, halten wir den Zeitpunkt für gekommen, an dieser Stelle über die Erfolge und Erfahrungen zu berichten,, die wir in dem eben zu Ende gegangenen Sommer mit unserer Ferienkolonie gemacht haben. In den beiden letzten Sommern hatten wir bereits während der grossen Schulferien unter der Leitung und Oberaufsicht unseres Schwesternbundes eine grössere Zahl von Kindern unserer jüdischen Gemeinde in einer sogenannten Halbtagskolonie vereinigt, indem wir sie an den Nachmittagen — ausgenomnien Sonnabend und Sonntag — unter Aufsicht einer Lehrerin, der einige jüngere Damen aus Logenkreisen zur Seite standen, nach dem etwa 1 Stunde entfernten Stadtwalde sandten, wo sie die Zeit bei Gesang und Spielen zubrachten. Nachmittags in einfacher Art be-

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