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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-09-01 · Nr. 6 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 6 - September
Date
1906-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— : 7fi — gute Tat ständigen Ansporns bedarf. Dank dieser Observanz vermochten denn auch die zahlreichen Installationsreden UDsers liochw. Grosspräsidenten weit über den kleinen Kreis, an den sie gerichtet worden, hinaus ihre segensreiche Wirkung zu erstrecken. Ich denke ferner an die vor einigen Jahren erfolgte Einführung der „wissenschaftlichen Beilage", die mit gediegenen Gaben dem geistigen Bedürfnisse der Mitglieder Rechnung trug. Dennoch blieb dem literarischen Teile die rechte Entfaltung versagt aus dem Grunde, weil gewisse Gebiete, darunter das ausser dem Ordenswesen selbst nächstliegende Gebiet der Religion aus prinzipiellen Bedenken von der Besprechung ausscheiden miissten. Es sei mir gestattet, die Berechtigung dieser Bedenken zu untersuchen. Das Gesetz verbietet die Eiörterungdes religiösen Themas an sich nicht. Denn nach einer vor etwa 6 Jahren erfolgten Entscheidung des Appellationsgerichts (der Verfasser derselben war, wenn icli mich recht erinnere, der verew. w. Eipr. .lustizrat Staub ges. And.) ist der Passus des Grundgesetzes: „Religiöse Fragen dürfen niemals zum Gegenstände einer Erörterung innerhalb des Ordens gemacht werden'', dahin ausgelegt worden, dass die tendenziöse Besprechung von Parteistandpunkten, wie überhaupt innerreligiöser Streitfragen ausgeschlossen, die Veutilierung von Fragen allgemein religiöser Natur dagegen erlaubt i.-t. Eine andere Behandlung der Materie aber, als im positiven Sinne, als dem Grundsatze gemäss „zur Veredelung, Stärkung und Erhaltung des Judentums-' ist liier nicht möglich. — wenn der Ausdruck erlaubt ist — nicht „ordensfähig." Wird nun auch stets dein Ansprüche auf taktvolle und vorsichtige Behandlung des zugestandenermassen immerhin heiklen religiösen Themas genügt, so sehe ich in der . Tat kernen Stein des Anstosses. Fallen aber die gedachten prinzipiellen Bedenken, so erscheint mir das Ordensorgan geradezu berulen, auch die geistigen Interessen des Judentums, des Lebensprinzipsunseres Ordens, zu fördern, indem es Kenntnis und Verständnis für die Idee, Ideale, Schrifttum und Geschichte desselben unter seinen Lesern verbreiten hilft. Ganz besonders mit apologetischer Tendenz nach aussen. Wie der Orden den B:ne B'riss in sozialer Hinsicht eine Zufluchtsstätte ist, so wappne er jene auch mit dem geistigen Rüstzeug gegen die immer von neuer Seite auftretenden und Verwirrung auch in unsern eigenen Reihen anrichtenden Angriffe und Strömungen gegen das Judentum als Lehre, Gedankensystem, als lebendigen Kulturfaktor. Für die Wahl der F.iuzelthemen schweben mir als Vorbilder etwa die Jahrbücher des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" vor, eines Vereins, in dem ja auch die Anhänger der verschiedensten religiösen Richtungen, ja sogar deren Führer, einträchtig nebeneinander wirken. Nach dem GesagtenI stimme ich also für Bücherbesprechungen ohne Beschränkung der Auswahl, aber vorzugsweise aus der jüdischen und — antijüdischen Literatur, tür Darbietung lehrrreicher Biographien, ebensolcher Ausschnitte aus der jüdischen Geschichte, Proben biblischer und rabbinischer Spruchweisheit und Aehnliches mehr. Auch die Politik braucht man, meine ich, nicht grundsätzlich aus den Spalten unseres Blattes fernzuhalten. Voraussetzung ist nur, dass ähnlich, wie bei dem Grundthema: Religion hierüber nur in akademischer Weise und ohne Parteiteudenz geschrieben wird. Das gilt insbesondere vou dem gefährlichen Thema Zionismus. Soweit ich indes urteilen kann, hat auch die Kampfleidenschaft gegen diese Bewegung abgenommen, seitdem auch seine Gegner die Verdienste erkannten, welche der Zionismus oder seine Führer um das Gesamtjudentum sich erworben, auch seitdem die bitterernste Zeit die einander widerstrebenden Elemente zu gemeinsamen Protesten und Hilfsaktionen zusammengeführt hat. Nun noch-, einige Worte zu Frage 3 und 10. Wo Geist und Leben herrscht, ist auch das Bedürfnis' l vorhanden, sich mitzuteilen und nicht, wenn ich so sagen darf, in Zahlen zu reden, sich aut statistische Angaben zu beschränken. Darum betrachte ich auch die Idee, der freien Meinungsäusserung, der öffentlichen Diskussion einen Spielraum in den „Monats-Berichten" zu lassen, als eine glückliche. Hier, wo es sich um konkrete Dinge des Ordensinteresses handelt, nicht auf dem Felde der Religion und Politik, werde den Brüdern die erwünschte Gelegenheit geboten, im Widerstreite der Meinungen sich gegenseitige Anregungen zu geben und ihre Kräfte zu messen. Durch die Einrichtung eines solchen „Sprechsaales" würde meines Erachtens das gesamte Ordenslebeu gewinnen, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil sicherlich zwischen manchen bisher einander unbekannten Brüdern lebhafte Beziehungen sich anknüpfen würden. Zum Schlüsse gestatte ich mir noch zu bemerken, dass ich als die Mitarbeiter für den fachlichen Teil mehr als bisher die Besten ihres Faches unter den Brüdern selbst, für die übrigen Teile ebenfalls alle dazu befälligten Mitglieder beitragen sehen möchte, sodass für die produktive Tätigkeit eines anzustellenden Redakteurs wenig Raum übrig bliebe. . Eugen Silbermann, M. d. Berthold Auerbach-Loge. Aus dem Bureau der Grossloge. Wie durch das Protokoll der Ausschusssitzung vom 18. August er. zur Kenntnis der Logen gebracht worden, begeht Br. J u 1 i u s B i e n , seit der Konvention im Jahre 1900 Kanzler des Exekutiv-Komitees, am 27. September er. seineu 80. Geburtstag, und freuen wir uns, konstatieren zu können, dass eine grosse Anzahl unserer Logen diesen um den Orden so hochverdienten Bruder ihre Glückwünsche übermittelt haben. Die Grossloge hat ihre Gratulation an Br. Bien in folgende Worte gekleidet: Hochgeschätzter Herr und lieber Bruder Bien! Als Sie im Jahre lS'Jt), begleitet von den Segenswünschen unserer gesamten Brüderschaft, Ihren 70. Geburtstag begingen, latten auch wir der Dankbarkeit Ausdruck gegeben, die wir dem Manne und Bruder schuldeten? der ein Menschenalter hindurch seine besten Kräfte in hingebungsvoller Tätigkeit und uneigennützig unserer grossen Sache widmete. — Damals vereinigten sich die Herzen aller unserer Brüder in dem einen Wunsche, dass es Ihnen vergönnt sein möchte, sich noch lange Jahre hindurch Ihrer Arbeit für unseren Orden zu erfreuen, einer Arbeit, die von allen bewundert worden, die dem Banner des U. O. B. B. folgten. Dieser Wunsch ist über Menschen Erwarten in Erfüllung gegangen. Ist Ihnen auch von der Konvention 1900 ein Teil Ihrer segensreichen Arbeit mit Rücksicht auf Alter und Befinden von den „Schultern genommen worden, so wurde doch in dankbarer Anerkennung, Ihrer unvergänglichen Verdienste *^ * . ' " ,? ' ' ' ) ' i ♦

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