Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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darauf gerechnet, sich das hessische Bürgerrecht erwerben zu können. Doch er wurde zurückgewiesen, und es fasste daraufhin für eine Zeit lang eine solche Entmutigung bei ihm" Kaum, dass er Deutschland verfassen wollte, um nach England zu gehen. Nur die Rücksicht auf seine Mutter und seine Geschwister hielt ihn zurück. Ini Jahre 1840 siedelt^ er jedoclr wieder nach I Limburg über, um ein Notariat zu übernehmen, da mittlerweile die ihm früher dort entgegenstehenden Hindernisse, beseitigt worden und auch seine Mutter und sein Bruder vorher dorthin zurückgekehrt waren. Man war in Hamburg über seine Rückkehr hoch erfreut, und die alten, durch sein fortgehen gelockerten Beziehungen wurden aufs neue gefestigt. Bald begann er auch, sieh auf politischem Gebiete zu betätigen. Am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig hielt er bei einem Festmahl in Form, eines Trinkspruches 'seine erste politische Rede, die mit' lautem Beifall aufgenommen wurde. Fr sprach da von der Zugehörigkeit Schleswig-Holsteins zu""Deutschland, von der Finheit und Freiheit des Vaterlandes und seinem künftigen freiheitlichen Aufbau und zeigte hiermit, dass sein Herz nicht minder warm für -Deutschlands Grosse wie für seine ' unterdrückten Glaubensbrüder sehJug. Fs erweckte diese Rede nach ihrer Veröffentlichung in einer Hamburger Zeitung die' Aufmerksamkeit weiterer politischer Kreise gar in dem Masse, dass Riesser inv Jahre 1S48 in das ■ Vorparlament nach Frankfürt, das über die Bildung einer deutschen Nationalversammlung beraten sollte, berufen wurde. I »ort trat er für den darauf auch angenommenen Beschluss ein, dass jeder volljährige Deutsche ohne Unterschied des Standes. Vermögens und Glaubensbekenntnisses Wähler und wählbar sei. Bei den . kurz danach vorgenommenen Wahlen wurde er vom Kreise Fauenburg als Deputierter nach Frankfurt entsandt. In der Nationalver- ' Sammlung hatte er' bald Gelegenheit, für seine Glaubensgenossen einzutreten; Ein württembergischer Abgeordneter hatte die Juden als fremden Votfcstamm bezeichnet und, sie wegen ihres Wuchers angegriffen. In improvisierter Rede aiit «rottete ihm Riesser und fand mit seinen Ausführungen solche Anerkennung, dass er mit einem Schlage in die Reihe der bedeutendsten Redner : eingerückt war. Zweimal wurde er auch neben Simson, dem ersten, zum 2. Vizepräsidenten gewählt: Den grössten J<uhrh erntete er aber durch die sogenannte Kaiserrede, wo es sich um die L'ebertragung der Kaiserw ürde auf den Konig von I'reussen handelte. „Ein unpartei-' ischer Zeuge schrieb darüber, dass an Klarheit der Gedanken, Schönheit des Ausrucks und Schwung der Empfindung noch nichts Aehnlicbes gehört worden sei: diese Rede sei nicht nur unbedingt die beste der Debatte, sondern wohl die!beste, die bisher in d*r l'aulskirehc gesprochen worden." Als dann später unter Simsons Führung eine Deputation an den König von I'reussen gqsandt wurde, um ihm die deutsche Kaiscrkn me anzubieten, gehörte ihr auch Riesser an. Auch in das von I'reussten naeh Frfurt berufene Parlament wurde Riesser entsandt. Die höchste Anerkennung'aber erlangte er im Jahre 1800, als; er zum Mitglied des (Ibergerichts, der höchsten , gerichtlichen Behörde Hamburgs, er-' namit wurde. Ks musste ihn dieser Erfolg mir so mehr freuen, als er den Fortschritt der bürgerlichen Gleichberechtigung an : seiner .eigenen Febensgastaltung erfahren IjÄtt^. " .Welch" eine l mwandlung hatte sich auch seit seinem ersten J X •öffentlichen Auftreten vollzogen! — Im Jahre 182!J hatte er sich vergeblich bemüht, zur Advokatur zugelassen zu werden, und nun war er zur höchsten Richterstelle berufen worden. Doch' nur I r kurze Zejt konnte er sich dieses Erfolges freuen. Fr starb schon wenige Jahre nachher, am '22. April 18(5-3,- tief betrauert von zahlreichen jüdischen und christlichen Freunden und Verehrern. Aber war auch .sein Leben Verhältnismässig kurz, so ,\var es doch reich an Freuden und vor allem mit dem schönsten Frfolg gekrönt- In heiligem Fjfer. mutiger Unerschrockenheit und*! mit gewaltiger Kraft hatte er vornehmlich nach drei Seiten hin sein Bemühen eingesetzt: für die .- bedingungslose Gleichberechtigung seinei Glaubensbriider, für die Finheit und Freiheit des deutschen Vaterlandes und für die Herrschaft edlen Menschentums. Und hatte er auch gegen mächtige Widerstromungen anzukämpfen und einst in jugendlichem Vertrauen auf den Genius der Zeit — einen rascheren Fortschrift von seinen Bestrebungen erhofft. (Fäs Bew usstsein von der Gerechtigkeit und Wahrheit der von ihm vertretenen Sache stattete ihn immer wieder mit neuer Hoffnung auf die Zukunft aus., Darum blieb auch sein Gemüt vor jeder Erbitterung, jeder menschenfeindlichen Empfindung bewahrt. Dieser heitere < >ptimism*is. dies Vertrauen auf die zum Siege drängende Güte .der menschlichen Natur war ein — IC