Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Erbteil seines von ihm hochverehrten Vaters i Von Natur aus war Gabriel Kiesser von sanfter ir.-id ruhiger Gemütsart Mündlich konnte er kaum jemand, das geringste l'nangcnchnic sagen. Aber in dein Kampfe gegen tausendjähriges Unrecht, in welchem er. wenn er hätte hellen können, lieber sein Herzblut verspritzt als Tinte verschrieben, konnte er von heftiger Bitter keit Werden. Indes er zürnte nur mit seinem Kopfe, sein I lerz blieb unberührt und ging i'utvcrbitteft aus dem Streit hervor. 'Er hasste nicht <fen Gegner, sondern niir die Bosheit und die Ungerechtigkeit. Sein Eintreten für seine Glaubensbrüder hatte nicht blos in der abstrakten 'Rechtsidee seirtjer ' »uelle, sondern auch in seiner innigen Anhäng lichkeit an jüdisches Leben und an jüdische Sitte. Seine Kenntnis vom Judentum war jedoch trotz der vom Vater empfangenen Belehrung und tn«tz (jem er sich noch in reiferen Jahren mit dem Stu dium der Bibel im Urtext beschäftigte, nicht s< (gri is-. dass ersieh in religiösen Dingen' ein selbständige« Urteil erlaubt hätte. Aber.er war doch tiefdurchdrungen von der weltgeschichtlichen Bedeutung des Judentums und betonte es wiederholt in seinen 'Schrillen,' dass es an V'crnunftgem.issheit alle andere Bekenntnisse übertreffe und hinsichtlich der Erhabenheit seiner Sittenlehre von keinem Bekenntnis übertroffen wenlc. .-Von der Ausübung des sogenannten Cerehionialgesctzes hatte er sich |< »sgesagt. Aber er hatte sich solche Verehrung und Liebe für es bfl wahrt, dass das. was er von ihm. sagt, zu dem schönsten gehört, was je über dasselbe gesagt worden ist. ,,Um den Wert solcherl ormen zu erkennen, j muss man sie empfunden, muss man darin gelebt haben. Ihr müsst sehen, wie jenes System . für jeden religiösen Gedanken eine Tat hat, dje ihn festhält, für jede Tat einen Gedanken, der sie erhebt, für jeden Genuss einen Seyen, für jede Freude ein Gebet, für jeden Schmerz ciiuin Trost, einen Dank selbst." Auch des in seinen Tagen selbst von Juden' viel geschmähten Talmud nahm er sich mit Wärme an. Mir bitterer Schärfe geisselte er. darum das Verfahren derer, die einzelne, aus ihrem /jusammenhang gerissene und darum entstellte Sät>c aus dem jüdischen Schrifttum gegen die Moral der Juden ins Feld führten. „Könnten wir nicht,'1 so hält er ihnen ent.- gegen, „gegen jedes ohnmächtige Wort tler Lln- J duldsamkeit und der Lieblosigkeit gegen Anders gläubige, welches man uns aus dem Talmild und, den rabbinischen Schriftcn-anfWhrtJ tödbrin gende Worte des .Masses -Und -.di:r>Ycrl<>lgung in die Wagschale legen,>womit die herrschende1 christliche Kirche 'ganze Nationen Andere gläubiger dem. Untergänge geweiht'^äl Darum weist er auch jegliche* taktieren ml religiösem Gebiete zu Gunfitenider politischen Gleichberechtigung von vornherein /urüijk. -. .*• ...Man lordere von uns das,gerii.igst.tr < ipler, die geringste Erklärung, welche mit deu religi lisen l eperjfieugungeri auch nur einer Minorität j' unter uns in einem wahrhaften Wiederspr.Uc1.ie steht. Wir werden sie verweigern und.Verden es vorziehen, in dem Zustandu -der Entbeh rung zu. verharren." . ' •' ' ' So war er, denn auch weit .x/ntferUt, dayi m, sich auf sein treues Ausharren .'im' väterlichen Glauben etwas zu Gute zu tun/ Kr sah darin etwas selbstverständliches, das-; -. ni.m..' •;<• inen ..\n sichten, seiner Würde und' seinenrGl.icdieji" seine äussere Stellung. Opfert*-, und ke'iiie Treulosigkeit begehe. Aus voller, heiliger L'ebeizeugüng konnte' er darum von sich sagen : •'*■■•'. ..Auch wirwerden itf der letzten Stunde _ der religiösen Gemeinschaft, in. .'d<ir.\ wir ieliteii und starben, mit Innigkeit yedeirtverC aber glicht als einer Schmach, sondern»arl.s des lindes und der Sache, an die sich ein Teil unseivs jiesten Wirkens und Hoffens und Empfindens knüpfte, für die w ir Manches gelitten und ciUbeJirt,: in deren sittlichen Bedeutung'wir den "iunerö Lohn für Leiden und Entbehrungen gefunden haben." Mit gleich hehrer Begeisterung wie ' für seinen ' Glauben und seine (ilaubensbrüdi-r hat Kiesser für sein Deutschtum gestritten •. und für die Einheit und Grösse des deutschen. Vaterlandes seine Kräfte eingesetzt. Auch auf politischem ■Gebiete w uchs seine Tätigkeit aus dem 'Boden -einer tiefen und'heissen Ueberze'tigiing eniporr"uiid"aucl| hier wollte er stets die strengsten Grundsätze des Rechts und der Moral angewandt, wissen, Die erhöhte Einigung I leotschländs nut'.eiüem.erblichen Kaiser an der Spitze erscheint ihm als -Inbegriff der 'Freiheit und des Wohles der Allgemeinheit. Seine Liebe zum deutschen \ .iterlande 'überstieg gar noch sein' Streben nach Gleichbereohfiguiig.. „Mietet man mir." so spricht.er eln-nr-iK ,.mil der einen Hand die Eman'cipafh.uv äiil du: alle meine innigsten Wünsche gerichtet'-smd, mit der anderen die Verwirklichung ck-s schonen